Eine Leitfigur der Industrie wird 80: Berthold Leibinger hat eine kleine Ditzinger Maschinenfabrik

Eine Leitfigur der Industrie wird 80: Berthold Leibinger hat eine kleine Ditzinger Maschinenfabrik zum Weltmarktführer geformt (Bild: Trumpf).

DITZINGEN (ks). Der gelernte Maschinenbauingenieur und leidenschaftliche Konstrukteur baute über Jahrzehnte hinweg die Maschinenbaufabrik Trumpf in Ditzingen zum Weltmarktführer für industrielle Lasertechnik mit 8000 Mitarbeitern und 1,34 Mrd Euro Umsatz aus. Vor fünf Jahren hat er die Geschäftsführung an seine Tochter Nicola übergeben.

Zu seinem Jubiläum wird ihm neben Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) auch Ex-Bundespräsident Horst Köhler seine Aufwartung machen und ihm zu Ehren die erste öffentliche Ansprache nach seinem Rücktritt halten.

“Als ‘Leitfigur des industriellen Mittelstandes’ hat er in der entscheidenden Phase der deutschen Wiedervereinigung das Unternehmertum in den neuen Bundesländern gefördert und dafür gesorgt, dass zukunftsfähigen Betrieben wieder eine Perspektive eröffnet wurde. Ob in der ‘Kanzlerrunde’ oder im Verwaltungsrat der Treuhand – Leibinger kämpfte zäh und intensiv für die Privatisierung und den Aufbau einer mittelständisch geprägten Industrie”, so lobt der VDMA die Industrie-Ikone.

Während Leibingers Amtszeit als VDMA-Präsident feierten sowohl der VDW 1991 als auch der VDMA 1992 ihren 100. Geburtstag. “Die Werkzeugmaschine ist die ‘Königin’ der Maschinen, und deshalb gebührt ihr auch die Gnade der frühen Geburt“”, sagte er damals zum 100-jährigen Geburtstag. Was die Faszination einer ‘Königin’ ausmacht, beschrieb er so: “Sie bohren und fräsen, sie drehen und schleifen, läppen, schneiden und schmieden und formen mit Werkzeugen aus Stahl oder Diamant, mit Laserstrahlen oder den Funken des Lichtbogens. Sie verbinden zu diesem Tun Mechanik und Elektronik, Pneumatik und Hydraulik – die Maschine als Kristallisationspunkt aller technischen Möglichkeiten.”

Berthold Leibinger wurde am 26. November 1930 in Stuttgart geboren. Nach einer Lehre bei der Trumpf GmbH studierte er von 1951 bis 1957 Maschinenbau an der Universität Stuttgart und wurde anschließend Konstrukteur bei Trumpf. 1961 übernahm er die Leitung der Konstruktionsabteilung bei Trumpf, 1966 wurde er Technischer Geschäftsführer und Gesellschafter, 1978 übernahm er den Vorsitz der Geschäftsführung. Seit 2005 ist Leibinger Vorsitzender des Aufsichtsrates der Trumpf Gruppe. Das Unternehmen gehört zu 96,2 Prozent der Familie, 3,8 Prozent hält die Berthold-Leibinger-Stiftung.

Leibinger ist Ehrenmitglied im VDMA und hat sich über viele Jahrzehnte im VDMA und auch in maßgeblichen Positionen im VDW Fachverband Werkzeugmaschinen und Fertigungssysteme engagiert. Der Jubilar hat zahlreiche Ehrenämter inne, unter anderem ist er Vorstandsvorsitzender der Internationalen Bachakademie und Vorsitzender des Freundeskreises des Deutschen Literaturachivs Marbach.

Rechtzeitig zu seinem Geburtstag hat Leibinger seine Autobiographie unter dem Titel “Wer wollte eine andere Zeit als diese” vorgelegt.