Interview: Warum das Mitmachen beim Industrie 4.0-Award der Fachzeitung Produktion und ROI

Interview: Warum das Mitmachen beim Industrie 4.0-Award der Fachzeitung Produktion und ROI Management Consulting auf jeden Fall zum Erfolg führt - Professor Werner Bick erklärt. - Bild: ROI Management

Professor Werner Bick erklärt, warum sich das Mitmachen beim Industrie 4.0-Award der Fachzeitung Produktion und ROI Management Consulting auf jeden Fall lohnt.

Produktion: Herr Prof. Bick, der Industrie 4.0-Award geht in die dritte Runde. Wen suchen Sie eigentlich als Teilnehmer?
Werner Bick: Wir suchen Unternehmen mit innovativen und in der Praxis umgesetzten Industrie 4.0-Lösungen. Dies kann von einer vernetzten Gesamtlösung bis hin zu einfachen smarten Einzellösungen reichen.

Produktion: Warum lohnt sich die Teilnahme?
Werner Bick: Für die Teilnahme spricht neben der großen Öffentlichkeitswirksamkeit, dass die teilnehmenden Unternehmen sich strukturiert mit der Thematik Industrie 4.0. beschäftigten. Zudem erfolgt bei den Unternehmen, die in der Endauswahl sind, ein Besuch unserer Berater vor Ort. Der externe Blick führt in vielen Fällen zu weiteren Denkanstößen.

Produktion: Wie viel Zeit sollten die teilnehmenden Unternehmen für das Ausfüllen des Fragebogens veranschlagen?
Werner Bick: Die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass für die Ausarbeitung der Bewerbung etwa zwei bis fünf Tage veranschlagt werden sollten. In dieser Zeit erfolgen meistens eine interne Recherche sowie das Ausfüllen des Fragebogens.

Produktion: Im letzten Jahr lautete die Erkenntnis aus dem Wettbewerb: Die komplette 4.0-Fabrik gibt es noch nicht. Warum sind die Unternehmen noch so zögerlich?
Werner Bick: Gesamtlösungen sind komplex und kapitalintensiv. Der ROI ist nicht so schnell erzielbar wie bei kleinen smarten Lösungen wie zum Beispiel Apps. Der Glaube an den strategischen Nutzen spielt eine wesentliche Rolle, offensichtlich ist dieser jedoch nur bedingt vorhanden.

Produktion: Ebenso gab es in den Vorjahren kaum Ansätze zur Optimierung der Supply Chain, also eine Digitalisierung der bestehenden Lieferketten. Gibt es hier doch weniger Potenzial zu heben?
Werner Bick: Das Potenzial ist nach wie vor groß, allerdings ist dessen Erschließung ein beliebig komplexer Vorgang. Voraussetzung ist aber in jedem Fall, dass die Unternehmen die Hausaufgaben in den eigenen vier Wänden erledigen müssen, bevor sie sich vernetzen können. Dies kostet Zeit. Des Weiteren hat sich bei den Bewerben der letzten Jahre deutlich gezeigt, dass erfolgreiche Industrie 4.0-Lösungen von innen nach außen erarbeitet werden. Grund hierfür ist auch der Aufbau der in der Organisation notwendigen Akzeptanz für Industrie 4.0 und die damit einhergehenden Umstellungen. Es muss der Veränderungswille aufgebaut und gestärkt werden. Dies erfolgt am besten durch die Implementierung von Industrie 4.0-Lösungen im eigenen Unternehmen.

Produktion: Was macht den Umgang mit dem Thema Industrie 4.0 eigentlich so schwer? Fehlen die Ideen?
Werner Bick: Ideen fehlen keinesfalls, die Vielfalt an Möglichkeiten, die Industrie 4.0 bietet, erschwert Unternehmen jedoch, sich in dem Thema zurechtzufinden. Oftmals fehlt ein systematischer Ansatz, um die Potenziale, die Industrie 4.0 bietet, zu identifizieren und zielgerichtet für das Unternehmen zu erschließen.

Produktion: Wenn Unternehmen jetzt anfangen, sich mit dem Thema Industrie 4.0 zu beschäftigen: Wie wäre – kurz skizziert – das ideale Vorgehensmodell?
Werner Bick: Wir starten in einem solchen Fall mit einem strukturierten Industrie 4.0-Scan auf der Grundlage von vorformulierten Reifegraden sowie einem systematischen Vorgehen, Ideen zur Weiterentwicklung des Geschäftsmodells zu generieren. Der Scan liefert, unter Berücksichtigung der individuellen Ausgangsituation im Unternehmen, mögliche Hebel zur Effizienz- und Effektivitätssteigerung aus der Nutzung von Industrie 4.0-Technologien.

Die Entwicklung der Ideen zur Weiterentwicklung des Geschäftsmodells erfolgt anhand eines systematischen Vorgehens, mit dem Veränderungsmöglichkeiten eines Unternehmens hinsichtlich Kunden, Nutzen für den Kunden, der Wertschöpfungskette zur Erbringung des Nutzens sowie der Ertragsmechanik durch die Möglichkeiten von Industrie 4.0 erarbeitet werden. Die sich aus den Bereichen Effizienz- und Effektivitätssteigerung sowie der Weiterentwicklung von Geschäftsmodellen ergebenden Stellhebel sind zu bewerten, zu priorisieren und im Anschluss umzusetzen. Wie bei allen Projekten ist auch für eine erfolgreiche Einführung von Industrie 4.0 das Committment über alle Hierarchiestufen hinweg notwendig.

Vita

Prof. Dr. Werner Bick lehrt an der Hochschule Regensburg und ist seit 1999 Generalbevollmächtigter der ROI Management Consulting AG. Zuvor arbeitete Prof. Dr. Werner Bick als Logistikleiter und Produktionssegmentleiter für die Knorr-Bremse AG.

3. Fachkongress Industrie 4.0: Praxis, Praxis, Praxis

am 1. und 2. Dezember 2015 in Saarbrücken

Höhepunkte des Kongresses werden die Verleihung des 3. Industrie 4.0 Awards sowie der Besuch des Werkes Homburg/Saar der Bosch Rexroth AG sein.
Hier finden Sie alle Beiträge zum Thema "Fachkongress Industrie 4.0"

Infos und Anmeldung zum Kongress
Telefon 08191-125-872,
E-Mail: ricarda.herrmann@sv-veranstaltungen.de

Claus Wilk