Wolfgang Bernhard, Lkw, Daimler

Daimlers Lkw-Chef Wolfgang Bernhard verlässt das Unternehmen. - Bild: Daimler

Der Manager scheide "auf eigenen Wunsch und aus persönlichen Gründen" aus, teilte die Daimler AG am Freitag mit. Er werde mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben freigestellt.

Ein Informant hatte am Donnerstag bereits gesagt, dass Bernhard den Stuttgarter Konzern verlassen werde.

"Wir bedauern diesen Entschluss, haben aber eine Anzahl hervorragender Führungskräfte, die die Nachfolge antreten können", sagte der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Manfred Bischoff, laut Mitteilung. Bis zur Bestellung eines Nachfolgers wird Vorstandschef Dieter Zetsche die Leitung des Geschäftsfelds übernehmen.

Lkw-Geschäft ist das Sorgenkind

Der Abgang des Managers kommt für die Stuttgarter zu einer schwierigen Zeit für die Nutzfahrzeugsparte. Schlechte Geschäfte in der Nafta-Region, Lateinamerika oder auch der Türkei bremsten die Lkw-Sparte zuletzt aus. Während das Autogeschäft des Konzerns 2016 erneut glänzte, ging es für Bernhard und das Lkw-Geschäft steil abwärts: Der Umsatz brach um mehr als ein Zehntel und der operative Gewinn sogar um ein Viertel ein. Auf der Jahrespressekonferenz vergangene Woche hat Daimler deswegen ein neues Sparprogramm für das Lkw-Geschäft angekündigt.

Welchen Weg Bernhard nun einschlagen wird, ist noch unklar. Spiegel Online hatte am Donnerstag geschrieben, dass er nach Jahrzehnten in Konzernen künftig selbstständig arbeiten wolle, möglicherweise als Investor.

An der Börse wird unterdessen bereits über einen möglichen neuen Arbeitgeber spekuliert. Arndt Ellinghorst, Analyst bei EvercoreISI, verweist auf Volkswagen, wo gute Leute gesucht würden. So könnte Bernhard möglicherweise als CEO eine der VW-Marken führen. Und auch die Ablöse dürfte niedrig ausfallen. Damit müsse Bernhard nicht aus einem Vertrag herausgekauft werden.

Volkswagen hatte vor drei Jahren Andreas Renschler als Lkw-Vorstand von Daimler abgeworben.

Bernhard wurde als Zetsche-Nachfolger gehandelt

Der 56-jährige Bernhard kam 1992 zu Daimler und blieb dort bis 2004. Nach einer Zwischenzeit unter anderem bei VW wurde er 2010 wieder Vorstandsmitglied des Stuttgarter Autokonzerns. 2013 wurde er zum Leiter der Lkw-Sparte ernannt.

Er wurde auch als möglicher Nachfolger des Vorstandsvorsitzenden Dieter Zetsche gehandelt. Es wird nun allgemein aber angenommen, dass das Vorstandsmitglied Ola Källenius, zuständig für Konzernforschung und Mercedes-Benz Cars Entwicklung, Nachfolger von Zetsche wird, wenn dessen Vertrag im Dezember 2019 endet.

Bernhards bisweilen harscher Stil und seine entschiedene Position hatte zu Konflikten mit Gewerkschaftsvertretern geführt. Unter Bernhards Leitung verfolgte die Sparte eine Strategie der Expansion in Schwellenländer. Zudem wurde das US-Geschäft rationalisiert und eine neue Digitaltechnologie entwickelt, mit der zum Beispiel Lkw mit dem Internet verbunden werden.