Siegried Kersch auf seiner Japan-Reise in Tokio. - Bild: Produktion

Siegried Kersch auf seiner Japan-Reise in Tokio. - Bild: Produktion

Pragmatisch und zupackend: Der “Dreher des Jahres” ist eine interessante Persönlichkeit. Er zeigt der jüngeren Generation, wo der Hammer hängt.

Siegfried Kersch, 54, blitzt gerne mal der Schalk aus den Augen. Pfiffig und dabei doch bodenständig ist er, der Sieger des Wettbewerbs “Dreher des Jahres 2014″. Gelernt hat er Maschinenschlosser und seit 1993 hat er sich vollständig auf das Drehen konzentriert. Logisch für ihn, dass dann auch noch der Meister dazukam. Solche Leute braucht die Metallbearbeitungsbranche in Deutschland dringend. Pragmatisch und zupackend, nicht verkopft und abgehoben wie so mancher junge Ingenieur.

Und es menschelt gewaltig. Dafür sorgt auch seine Gattin Eva-Katrin Kersch-Diestelhorst, die das Herz am rechten Fleck hat. Beide sind sozial stark engagiert und kümmern sich auch in ihrer Freizeit um geistig und körperlich behinderte Menschen. Deren Augen leuchten, wenn sie mit Kersch eine Runde im Beiwagen seiner Moto Guzzi drehen dürfen. Denn das ist eine Leidenschaft von Kersch: Motorradfahren. Und wie: Noch bis vor ein paar Jahren fuhr er damit Jahr für Jahr rund 25.000 Kilometer. Mittlerweile ist es aus zeitlichen Gründen nicht mehr ganz so viel. Auch, weil er sich ehrenamtlich als Lokführer einer Torfbahn engagiert.

Kersch´s Herz schlägt für Menschen und Maschinen

Sowohl an seiner Guzzi als auch an seiner Lok schraubt Kersch natürlich selber. Nur wenn es wirklich an die tiefsten Innereien des Motors geht, zieht er eine Werkstatt hinzu. Kersch’s Herz schlägt für Menschen und Maschinen und er hat Kühlschmierstoff im Blut. Und als “Dreher des Jahres 2014″ zeigte er der jüngeren Generation, wo der Hammer hängt. Erfahrung ist halt durch nichts zu ersetzen.

Ausgetragen wurde der Wettbewerb auf der Metallbearbeitungsmesse AMB Stuttgart 2014 von der Fachzeitschrift “Fertigung” aus dem Hause Verlag Moderne Industrie unter der Leitung von Chefredakteur Richard Pergler. Kersch musste per Losentscheid als Letzter an die Maschine und die Zeit drängte bereits. “Wie lange dauert das denn noch?”, lautete die drängende Frage von Pergler. “Wenn der so weitermacht, kann es sich nur noch um Minuten handeln. Der ist Speedy Gonzales”, lautete die Antwort eines Jury-Mitglieds. Und so kam es, dass Kersch souverän gewann.

Bereits zweimal Sieger beim Wettbewerb “Dreher des Jahres”

Interessiert hat sich Kersch schon lange für den Wettbewerb. Bereits 2008 hat er sich das erste Mal beworben. Auch damals wäre er ins Finale gekommen, war aber im Urlaub und die Zeit verstrich. Mit der ersten Teilnahme klappte es dann 2012 und bereits damals hieß der Sieger Siegfried Kersch. Fachlich fit bleibt Kersch auch dadurch, dass er gelegentlich den Arbeitgeber wechselt. “Mein längstes Arbeitsverhältnis dauerte elf Jahre.

Ansonsten ist nach einigen Jahren immer ein Wechsel angesagt. Jeder neue Job ist eine Herausforderung”, erklärt er. Zwei Tage zur Schulung war Kersch bei Citizen, dem Hersteller der Wettbewerbsmaschine. “Ich habe gerne auf dieser Maschine gearbeitet. Die Maschine baut sehr kompakt und hat kurze Verfahrwege. Das macht sie sehr schnell. Es gab nie Probleme”, so Kersch.

Der Preis: Eine Reise nach Japan

Der Preis für den Sieg war eine Reise nach Japan. Für Kersch ungewöhnlich, denn Flugreisen sind seine Sache nicht. “Die Reise hat mir sehr gut gefallen. Es ist eine andere Welt. Beeindruckt hat mich vor allem die Höflichkeit der Japaner”. Und seine Frau ergänzt: “Die Verbindung von Tradition und Moderne ist überwältigend”. Insbesondere die japanischen Gärten haben sie beeindruckt: “Die strahlen eine besondere Ruhe aus”. Ruhe, die man gerade in einem emsigen Land wie Japan gut gebrauchen kann.

Produktion/Sebastian Moser