Dr. Rene Umlauft soll künftig die MAN-Sparte Diesel & Turbo führen und in den MAN-Vorstand

Dr. Rene Umlauft soll künftig die MAN-Sparte Diesel & Turbo führen und in den MAN-Vorstand einziehen (Bild: Siemens AG).

FRANKFURT (Dow Jones/ks)–Siemens-Manager René Umlauft wechselt zum Nutzfahrzeug- und Motorenhersteller MAN. Der 46-Jährige soll ab Herbst stellvertretender Vorstand werden, wie der Münchener DAX-Konzern am Mittwoch mitteilte. Außerdem habe sich der Aufsichtsrat dafür ausgesprochen, dass Umlauft die Leitung des Tochterunternehmens MAN Diesel & Turbo übernimmt. Dow Jones Newswires hatte bereits am Vortag unter Berufung auf Kreise von dem anstehenden Wechsel berichtet.

Umlauft arbeitet seit 1991 bei Siemens und verantwortet bei Europas größtem Technologiekonzern seit 2008 die Sparte für erneuerbare Energien. MAN-Vorstandssprecher Georg Pachta-Reyhofen sagte, Umlauft sei eine branchenweit anerkannte Führungspersönlichkeit. “Dank seiner Expertise insbesondere bei erneuerbaren Energien und im Bereich der Turbomaschinen wird er unser wichtiges Geschäftsfeld Power Engineering stärken und weiter voranbringen.”

Die Leitung der Tochter Diesel & Turbo, die im Frühjahr durch die Fusion zweier Sparten entstand und ein wichtiger Teil des Geschäftsfelds Power Engineering ist, ist seit Ende Februar vakant. Seinerzeit trat der zuständige Vorstand Klaus Stahlmann überraschend von seinem Posten zurück, da die Staatsanwaltschaft München wegen des Verdachts der Bestechung gegen ihn ermittelt.

Die MAN Diesel & Turbo SE ist in Augsburg ansässig und produziert Motoren für riesige Containerschiffe, Aggregate sowie schlüsselfertige Dieselkraftwerke. Das Unternehmen beschäftigt an weltweit mehr als 100 Standorten rund 12.500 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2010 mit etwa 3,8 Mrd EUR mehr als ein Viertel der konzernweiten Einnahmen der MAN SE.

Gleichzeitig haben Vorstand und Aufsichtsrat des Nutzfahrzeug- und Motorenbauers MAN die Übernahmeofferte von Großaktionär Volkswagen zwar grundsätzlich begrüßt, den Aktionären mit Verweis auf den niedrigen Angebotspreis aber nicht empfohlen, das Angebot anzunehmen. Beide Gremien seien weiterhin von der industriellen Logik einer engeren Zusammenarbeit zwischen der MAN SE, der Scania AB und der Volkswagen AG überzeugt, hieß es am Dienstag in der vom deutschen Übernahmegesetz verlangten Stellungnahme. Eine intensivere Zusammenarbeit könnte zu beträchtlichen Synergien in der Beschaffung und längerfristig auch in den Bereichen Entwicklung und Produktion führen.

Allerdings spiegele der Angebotspreis den Wert des Unternehmens sowie die Synergie- und Profitabilitätssteigerungspotenziale einer engeren Zusammenarbeit zwischen MAN, Scania und VW nicht angemessen wider, hieß es weiter.

Europas größter Autobauer bietet den MAN-Stammaktionären 95 Euro je Papier und den Vorzugsaktionären 59,90 Euro, womit MAN mit insgesamt rund 13,7 Mrd Euro bewertet wird. Die Angebotspreise entsprechen den gesetzlich vorgeschriebenen Untergrenzen und liegen unterhalb des aktuellen Kursniveaus. Dass VW nur den Mindestpreis zu zahlen bereit ist, zeigt, dass die Niedersachsen momentan nicht an einer Komplettübernahme von MAN interessiert sind. Aktuell hält VW gut 30% an den Münchenern.

Vielmehr geht es VW darum, die grundsätzliche Freigabe zur Übernahme zu bekommen. VW zielt erst einmal auf einen Anteil von 35% bis 40% der Stimmrechte ab. Erst dann ist eine engere Zusammenarbeit von MAN und der schwedischen Nutzfahrzeug-Tochter Scania in den Bereichen Einkauf, Entwicklung und Produktion mit den entsprechenden Synergien möglich. Bislang standen diesem Vorhaben die Kartellwächter im Weg. Das mögliche Einsparpotenzial sieht VW kurzfristig bei mindestens 200 Mio Euro, langfristig könnte es um ein Vielfaches höher liegen. Die Andienungsfrist läuft noch bis zum 29. Juni.

VW strebt seit Jahren eine Nutzfahrzeug-Troika mit MAN und Scania unter dem eigenen Konzerndach an. Das Trio soll es in Sachen Größe mit den Branchenschwergewichten Daimler und Volvo aufnehmen können. Volkswagen hatte das Angebot für MAN bereits Anfang Mai angekündigt, nachdem sie auf über 30% aufgestockt hatte. Weniger der Schritt selbst als vielmehr der Zeitpunkt kam überraschend. Denn bislang hatten Vorstandchef Martin Winterkorn und der einflussreiche Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch mehrfach betont, dass zuerst der Schmiergeldskandal bei der ehemaligen MAN-Tochter Ferrostaal ausgeräumt werden müsse, bevor Nägel mit Köpfen gemacht werden könnten. Eine Lösung in dieser Sache ist aber noch nicht in Sicht.