Klaus Stahlmann verlässt MAN. Er war seit März 2010 Sprecher des Vorstands der MAN Diesel & Turbo

Klaus Stahlmann verlässt MAN. Er war seit März 2010 Sprecher des Vorstands der MAN Diesel & Turbo SE und seit Januar 2010 Vorstandsmitglied der MAN SE (Bild: MAN AG).

von Nico Schmidt und Christoph Rauwald, Dow Jones Newswires

FRANKFURT (ks)–Details wollte sie nicht nennen. Damit stolpert ein weiterer Spitzenmanager über die Korruptionsaffäre, die den DAX-Konzern seit nun fast zwei Jahren in Atem hält.

Stahlmann selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Er hatte am Morgen ohne Angabe von Gründen seine Ämter niedergelegt und verlässt den DAX-Konzern.

Stahlmann war im Mai 2007 in den Vorstand der damaligen MAN Turbo AG berufen worden und übernahm dann im Sommer des Jahres den Vorstandsvorsitz. Seit Anfang 2010 saß er auch im Konzernvorstand und leitete die im Frühjahr durch eine Fusion zweier Sparten gegründete Tochter MAN Diesel & Turbo. Seine Aufgaben soll Hans-Otto Jeske als dienstältestes Vorstandsmitglied bis zur Bestellung eines Nachfolgers interimistisch übernehmen.

MAN Diesel & Turbo SE ist in Augsburg ansässig und produziert Motoren für riesige Containerschiffe, Aggregate sowie schlüsselfertige Dieselkraftwerke. Das Unternehmen beschäftigt an über 100 internationalen Standorten rund 12.500 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2009 mit etwa 3,8 Mrd Euro fast ein Drittel der konzernweiten Einnahmen sowie mit 500 Mio Euro den nahezu ganzen operativen Gewinn der MAN SE.

Bereits seit dem Frühjahr 2009 erschüttert die Schmiergeldaffäre MAN nun bereits. Der Konzern kurbelte den Verkauf von Lastwagen und Bussen mit Bestechungsgeldern an; insgesamt wurden zwielichtige Zahlungen von mehr als 50 Mio Euro in den vergangenen zehn Jahren aufgedeckt. Die Affäre kostete rund 20 Mitarbeiter den Job – darunter auch den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Hakan Samuelsson sowie Finanzchef Karlheinz Hornung und den Leiter der Nutzfahzeugsparte, Anton Weinmann. Ende 2009 erklärte MAN die Ermittlungen in Absprache mit der Münchener Staatsanwaltschaft für beendet und zahlte eine Strafe von fast 151 Mio Euro.

Damit war das Thema für MAN aber noch nicht erledigt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach wie vor wegen Korruptionsverdachts gegen die ehemalige Tochtergesellschaft Ferrostaal. MAN hatte Anfang 2009 70% an dem Essener Indusriedienstleister an den arabischen Staatsfonds International Petroleum Investment Company (IPIC) verkauft, 2010 sollten die restlichen 30% folgen. IPIC weigert sich wegen der nach wie vor ungeklärten Vorwürfe bislang jedoch, die vereinbarte Option zu ziehen.

Am Vortag wurde bekannt, dass Ferrostaal nach einer Korrektur der Jahresabschlüsse von 1999 bis 2008 von seinem ehemaligen Mutterkonzern 103 Mio Euro an zu viel abgeführten Gewinnen bzw. für zu gering ausgeglichene Verluste zurückfordert. In dem im elektronischen Bundesanzeiger veröffentlichen Jahresabschluss des Essener Industriedienstleisters für 2009 hieß es außerdem , man habe ein starkes Interesse daran, die Vorfälle aufzuklären und kooperiere mit den Behörden.

Der Disput um Ferrostaal wird auch bei Volkswagen genau verfolgt, da er einer der Steine ist, der einer Lkw-Allianz unter dem Dach der Wolfsburger im Weg liegt. VW-Vorstandschef Martin Winterkorn hatte zu Jahresbeginn erklärt, dass die Probleme bei Ferrostaal erst gelöst werden müssten, bevor das Lkw-Projekt vorangetrieben werden könne. VW kontrolliert den schwedischen Nutzfahrzeug-Hersteller Scania und ist der größte Anteilseigner bei MAN.