Jahrelang als Nachfolger des Patriarchen gehandelt, nun die Kehrtwende? Das Verhältnis zwischen

Jahrelang als Nachfolger des Patriarchen gehandelt, nun die Kehrtwende? Das Verhältnis zwischen Volkswagen-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch (Bild) und Konzernchef Martin Winterkorn ist gestört. - Bild: VW

Das Verhältnis zwischen Volkswagen-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und Konzernchef Martin Winterkorn ist nach einem Bericht des “Spiegel” gestört.

“Ich bin auf Distanz zu Winterkorn”, zitiert das Magazin den VW-Chefkontrolleur in einer Vorabmitteilung. Auch Ferdinand Piëchs Bruder Hans Michel Piëch, der ebenfalls Mitglied des Konzernaufsichtsrats ist, hat sich dem Bericht zufolge kritisch über Winterkorn geäußert. Er mache Winterkorn die Absatzschwierigkeiten Volkswagens in den USA, die geringe Marge der Marke VW und die Entscheidungsschwäche in Sachen Budget Car zum Vorwurf, schreibt der “Spiegel”.

Ein Volkswagen-Sprecher lehnte auf Anfrage von “Dow Jones Newswires” jeden Kommentar zu dem Bericht ab, dem zufolge Winterkorn angesichts des angespannten Verhältnisses zu Piëch keine Chance hat, nach seinem Ausscheiden als Vorstandsvorsitzender den Chefposten im Kontrollgremium zu übernehmen.

Ohne die Arbeitnehmerseite geht “kaum etwas”

Doch es gibt auch noch andere einflussreiche Kräfte bei Volkswagen – vor allem den Betriebsrat. Dessen Chef Bernd Osterloh müsste für künftige Weichenstellungen mit ins Boot. Er sitzt im mächtigen Aufsichtsratspräsidium und gegen den Willen der Arbeitnehmerseite läuft bei Volkswagen kaum etwas. “Wenn es nach uns geht, wird sein Vertrag über 2016 hinaus verlängert”, sagte Osterloh am Freitag mit Blick auf Winterkorn – und stellte sich damit hinter den angezählten Vorstandschef.

Keine Familienmitglieder an die Spitze

Wie der Spiegel weiter berichtet, soll auch Piëchs Ehefrau Ursula nicht Aufsichtsratschefin werden. “Ich strebe an, dass an die Spitze des Aufsichtsrats und des Vorstands die Richtigen kommen”, zitiert das Magazin Ferdinand Piëch. “Das sind keine Familienmitglieder, das ist auch nicht meine Frau”, sagte der amtierende Aufsichtsratschef dem Bericht zufolge weiter.

Eine Entscheidung über die künftige Besetzung der Chefposten von Aufsichtsrat und Vorstand soll laut Spiegel erst im Jahr 2017 fallen. Den Zeitpunkt beschrieb Piëch dem Bericht zufolge als “kurz vor meinem Ausscheiden”. Die Kandidaten für die Spitzenpositionen seien bereits im Unternehmen, zitiert das Magazin den aktuellen Aufsichtsratschef. Und weiter: Die beiden Spitzenpositionen des Konzerns müssten jeweils von einem Techniker besetzt werden.

Piëch – der selbst die Konzernspitze vor Winterkorn geführt hatte – ist berüchtigt für Sätze oder sogar nur Halbsätze, die das Ende von Managerkarrieren einläuten können. Die Familien Porsche und Piëch besitzen die Stimmenmehrheit im Konzern.

Dow Jones Newswires/Handelsblatt/Guido Kruschke