Thorsten Muschler, Maschinensucher

Er ist Gründer und Geschäftsführer von Maschinensucher: Thorsten Muschler. - Bild: Maschinensucher

Herr Muschler, wie hat sich der Markt für Gebrauchtmaschinen seit der Gründung Ihres Marktplatzes www.maschinensucher.de 1999 bis heute verändert?

Mehr Händler sind auf unserem Marktplatz vertreten und mehr Besucher kommen auf unsere Plattform. Wenn ich an das Jahr 1999 zurückdenke, war das eine ganz andere Welt. Das Internet war damals im Vergleich zu heute eine grüne Wiese. Und der Maschinenhandel war lange nicht so digitalisiert, wie das heute der Fall ist. Es befand sich alles in einer ganz frühen Evolutionsstufe. Im Laufe der Jahre hat das Geschäft deutlich angezogen. Anfangs war die Wachstumskurve verhalten, mit den Jahren ging es stark nach oben. Das Erstaunliche ist, dass auch heute neue Händler dazu kommen. Jetzt gibt es Maschinensucher seit fast 20 Jahren und es kommen dennoch Neuanmeldungen von Händlern aus unserem Kerngebiet dazu. Da fragen wir uns, warum wir diese Händler nicht früher gewonnen haben.

Manch ein Experte sagt, dass der Markt für Gebrauchtmaschinen derzeit heiß läuft, sprich, dass Gebrauchtmaschinen derzeit heiß begehrt sind. Können Sie das bestätigen?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Gebrauchtmaschinen immer gut laufen. Ich habe zwei große Wirtschaftskrisen erlebt. Negative Auswirkungen auf den Gebrauchtmaschinenmarkt hatten diese Krisen nicht. Meine Schlussfolgerung: Gebrauchtmaschinen laufen immer gut, sowohl in wirtschaftlich guten Phasen als auch in schlechten Zeiten. Das hat zwei Gründe: Wenn die Wirtschaft schlecht läuft, können sich die Firmen keine neuen Maschinen leisten, sie greifen vermehrt auf gebrauchte Maschinen zurück.

"Das Internet war damals im Vergleich zu heute eine grüne Wiese." - Thorsten Muschler, Gründer und Geschäftsführer von Maschinensucher

…und wenn die Wirtschaft gut läuft?

Dann kommen die Maschinenbauer oftmals mit der Produktion neuer Maschinen nicht hinterher. Weshalb wiederum auf Gebrauchtmaschinen zurückgegriffen wird.

Es gibt also keine konjunkturellen Zyklen?

Nein. Ich sehe vielmehr eine kontinuierliche, gesunde Zunahme über die Jahre hinweg. Was ich beobachte, sind saisonale Schwankungen. Seit zwei Jahrzehnten sehen wir zwischen November und März die stärksten Monate. In den Sommermonaten geht das Geschäft circa 25 Prozent zurück. Neben klassischen Urlaubseffekten könnte das daran liegen, dass am Anfang des Jahres frisches Budget in den Firmen vorhanden ist. Am Ende des Jahres wird dann teilweise noch vorhandenes Budget ausgegeben.

Welche Maschinentypen sind die Bestseller auf Ihrem Marktplatz?

Unser Fokus liegt auf stationären Gebrauchtmaschinen, also Maschinen ohne Räder. Dementsprechend häufig werden gebrauchte Maschinen aus den Bereichen Holz- und Metallbearbeitung sowie Druckerei- und Lebensmittelmaschinen angefragt. Neuerdings findet man auf unserer Plattform aber auch eine große Auswahl an Gabelstaplern.

Wie wichtig ist für Sie der ausländische Markt?

Für uns ist der internationale Markt sehr wichtig, weil wir im DACH-Raum mittlerweile schon eine sehr, sehr gute Marktdurchdringung haben – und wir wollen ja weiter wachsen.

"Nur wer paranoid ist, überlebt." - Thorsten Muschler, Gründer und Geschäftsführer von Maschinensucher

Welche Länder haben Sie ganz konkret im Visier?

Mit unserem internationalen Portal Machineseeker sind wir bereits auf der ganzen Welt in über 60 Sprachversionen vertreten. Der Fokus liegt aber erstmal auf der Expansion in angrenzende Länder wie Polen, Tschechien, Frankreich, Italien und Holland, um unsere Marktführung in Europa auszubauen. In Polen haben wir beispielsweise vor kurzem die zweitgrößte Plattform nach Machineseeker.pl gekauft.

Was ist mit dem riesigen, chinesischen Markt?

China liegt nicht in unserem Fokus. Denn es gibt für uns in Europa so viele Wachstumsmöglichkeiten. Deswegen haben wir das Thema China bisher nicht angefasst. Die chinesische Version unserer Webseite gibt es de-facto der Vollständigkeit halber.

Welche weiteren Ziele haben Sie neben der angestrebten Internationalisierung?

Wir arbeiten daran, in weiteren Branchen so viel Marktdurchdringung zu erreichen, wie wir das jetzt schon im Bereich Werkzeug-, Metall- und Holzmaschinen haben. Die bereits erwähnten Gabelstapler sind so eine Kategorie, die sehr spannend für uns ist, weil Stapler das Angebot auf unserem Marktplatz sehr gut ergänzen. Generell versuchen wir uns auf die Bereiche zu konzentrieren, die zu uns passen, die wachsen und in denen es keinen dominanten Anbieter gibt.

Amazon oder Google müssen nicht so sehr auf das Geld schauen, deren Portokasse quillt über. Wie groß ist die Konkurrenz durch solche Internetriesen?

Nur wer paranoid ist, überlebt. Wir machen uns jeden Tag Gedanken über tatsächliche und etwaige Konkurrenz. Jeder Anbieter muss großen Respekt vor Amazon, Google und Facebook haben. Ich rechne kurzfristig allerdings nicht damit, dass der Gebrauchtmaschinenmarkt ein Fokus der genannten Anbieter wird.

Ist es zu pathetisch zu behaupten, dass Maschinensucher.de Ihr Baby ist?

Maschinensucher ist tatsächlich mein Baby. Der neue CTO unserer Firma konnte nicht glauben, dass ich seit 20 Jahren das Notfall-Telefon in der Tasche habe.

Dann gehe ich davon aus, dass Sie sich nicht auf ein Übernahmeangebot einlassen werden?

Immer wieder sind Firmen bzw. Personen an mich herangetreten. Doch ich bin nicht an Übernahmeangeboten interessiert. Das ist kein Thema für mich. Denn Maschinensucher wächst und gedeiht. Wir fokussieren uns auf dieses Wachstum. Wir kaufen eher Plattformen zu, als dass wir unsere Plattform verkaufen wollen. Außerdem: Ich bin jetzt 45. Warum sollte ich Maschinensucher verkaufen? Ich bin noch zu jung für die Rente.

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