Sergio Marchionne

Er galt als einer der bekanntesten Manager der Automobilindustrie. - Bild: Chrysler/GreenMe

Was war schon normal an diesem Sergio Marchionne? Als er 2004 den damals maroden Automobilhersteller Fiat übernimmt, ist er in der Branche ein unbeschriebenes Blatt. Auch äußerlich war Marchionne eher unauffällig. Statt mit Maßanzug trat er im Pulli auf. Statt mit großem PR-Tross und Entourage, erschien er allerin, aber mit gleich mehreren Handys auf Pressekonferenzen.

Unterschätzen sollte ihn aber besser niemand. Wenn es darauf ankam, konnte Marchionne knallhart verhandeln. Das merkte 2009 auch der damalige Wirtschaftsminister Karl-Theordor zu Guttenberg, als beide über den Verkauf von Opel an Fiat verhandelten. Einig wurden sich die beiden nicht.

Diese Anekdote zeigt aber, welche Strategie Marchionne, der Ökonomie und Philosopie studiert hatte, verfolgte, um Fiat zu retten. Der italienische Autobauer sollte zu den ganz Großen der Branche zählen. Denn der Manager war der Überzeugung, dass in der Autoindustrie nur die ganz großen überleben werden.

Also sorgt er dafür, dass Fiat zu den Großen gehört. Marchionne ließ keinen Stein auf dem anderen. Er brachte Ferrari an die Börse und schickte  Chef Luca di Montezemolo in Rente. Fiat fusionierte mit Chrylser.

Für das Unternehmen zahlt sich Marchionnes Arbeit aus. Er ergänzt das traditionelle Geschäft mit Kleinwagen um renditestärkere Modelle der Marken Maserati, Alfa Romeo oder Jeep. Sein Rezept funktioniert: Als Fiat-Chrysler endlich schuldenfrei ist, trägt er für einen Tag ausnahmsweise mal Krawatte. 2017 fährt der Konzern rund 3,5 Milliarden Dollar Gewinn ein – und beteiligt seine Mitarbeiter mit satten Sonderzahlungen am Erfolg.

Diese Woche ist Marchionne gestorben, wie Fiat mitteilte. Das Unternehmen hatte bereits wenige Tage zuvor bekannt gegeben, dass der 66-Jährige die Posten des Vorstandschefs beim italienisch-amerikanischen Autobauer Fiat Chrysler Automobiles (FCA) und bei der Tochter Ferrari aus gesundheitlichen Gründen abgeben müsse. Fiat- und Ferrari-Präsident John Elkann sagte laut Mitteilung: „Leider ist das, was wir befürchtet haben, eingetreten. Sergio Marchionne, ein Mann und Freund, ist fort.“

Wer nun Marchionnes Posten übernimmt, steht schon fest

Nach unerwarteten Komplikationen bei einer Operation in Zürich hatte sich der Zustand des Managers so stark verschlechtert, dass er seine Arbeit als Fiat-Chef sowie als Präsident und Vorstandschef von Ferrari nicht wieder aufnehmen konnte.

Marchionne galt als Visionär, aber auch als harter Verhandlungspartner für Gewerkschaften und in der Formel 1. Mit markigen Sprüchen machte er sich weltweit einen Namen. Sein Tod wird von vielen Menschen in Italien als das Ende einer Ära gesehen.

Der Top-Manager wollte sich eigentlich 2019 von dem Posten bei Fiat verabschieden. Rückzugspläne bei Ferrari waren hingegen nicht bekannt.

An der Spitze von Fiat steht nun der Chef der US-Geländewagen-Tochter Jeep, Mike Manley. Neuer Ferrari-Chef wurde Louis Camilleri, der zuvor unter anderem leitende Positionen beim Tabakmulti Philip Morris innehatte.

Als Ferrari-Präsident galt Marchionne in der Formel 1 als kompromissloser Manager, der den Rennstall allerdings wieder in die Spur brachte. Das Team von Pilot Sebastian Vettel hatte er öffentlich mehrmals deutlich kritisiert.

Mit Material von dpa