Volkmar Denner Bosch Abgasskandal Volkswagen Dieselgate

Noch im Februar hatte Bosch-Chef Volkmar Denner schärfere Abgaskontrollen gefordert: "Wir plädieren zusätzlich für laufende Kontrollen von Serienfahrzeugen durch unabhängige Prüfinstitute", sagte er - jetzt steht er selbst im Rampenlicht des VW-Skandals. - Bild: Bosch

Knapp 18 Monate, bevor Volkswagen den Betrug eingestehen musste, traf sich der damalige VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn mit Bosch-Chef Volkmar Denner. Sie sprachen über den illegalen "Defeat Device", der zur Manipulation der Abgaswerten genutzt wurde, wie aus Gerichtsunterlagen aus den USA hervorgeht, welche sich auf interne E-Mails und Dokumente von Volkswagen berufen.

Die Dokumente, die bislang geschwärzt waren, deuten darauf hin, dass Winterkorn und Denner über die Schummel-Software im Bilde waren.

Sie trafen sich demnach am 28. Mai 2014 in der Volkswagen-Zentrale, kurz nachdem in den USA in einem Bericht ungewöhnlich hohe Stickstoff-Werte bei Volkswagen angemahnt wurden, und fünf Tage nachdem Winterkorn ein Schreiben von einem Mitarbeiter erhalten hatte, in dem vor einer bevorstehenden Untersuchung in den USA gewarnt wurde. Auf der Agenda des Treffens stand auch Volkswagens "Akustikfunktion", ein interner Code für die Beschreibung des "Defeat Device".

"Die Teilnehmer besprachen die 'Akustikfunktion' bei Volkswagens Diesel-Fahrzeugen. Folglich waren Denner und Winterkorn im Bilde über die illegale Nutzung des 'Defeat Device' zumindest ab Mai 2014", heißt es in dem Dokument, das von der Kanzlei Lieff Cabraser Heimann & Bernstein für eine Sammelklage eingereicht wurde und versiegelte Gerichtsdokumente und andere Quellen zitiert.

Dokumente: Winterkorn und Denner waren informiert

Sprecher von Volkswagen und Bosch lehnten eine Stellungnahme zu dem Treffen ab. Winterkorns Rechtsanwalt reagierte nicht unmittelbar auf eine Bitte um Stellungnahme.

Im August 2015 gestand Volkswagen ein, Schummel-Software bei knapp 500.000 Dieselfahrzeugen in den USA eingesetzt zu haben. Am 18. September vergangenen Jahres reichten die Behörden eine Beschwerde gegen Volkswagen wegen der Verletzung von Umweltgesetzen ("Clean Air Act") ein, und teilten der Öffentlichkeit mit, dass der Konzern Schummeleien bei Abgastests eingestanden hatte. Letztlich gab Volkswagen zu, dass knapp 11 Millionen Fahrzeuge weltweit betroffen waren.

Winterkorn trat wenig später zurück. Er beharrte darauf, nichts falsch gemacht zu haben. Im Juli diesen Jahres erzielte Volkswagen in den USA einen Vergleich mit Behörden und Kunden. Dieser kostet den Konzern 15 Milliarden Dollar.

Jetzt schießen sich die Klägeranwälte auf Bosch ein. Die Anwälte reichten am 16. August eine Klage vor einem Bundesgericht ein. Dabei stehen mehrere Topmanager von Volkswagen und Bosch im Zentrum, darunter Winterkorn und Denner.

Wichtige Teile der Klageschrift waren geschwärzt, bis jüngst eine ergänzte Version der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Darin ist erstmals von dem Treffen zwischen Winterkorn und Denner im Mai 2014 die Rede.

Aus dem Beweismaterial in den Dokumenten geht hervor, dass die Kooperation zwischen Volkswagen und Bosch beim "Defeat Device" mehr als ein Jahrzehnt zurückreicht. 2008 forderte Bosch Volkswagen schriftlich auf, einen Haftungsausschluss für den von Bosch hergestellten "Defeat Device" zu unterzeichnen. Bosch hat diesen Begriff laut Dokumenten explizit benutzt. Volkswagen lehnte demnach ab.