Nach dem Ende der Abwrackprämie gehen die Automobilverkäufe in Europa derzeit zurück (Bild:

Nach dem Ende der Abwrackprämie gehen die Automobilverkäufe in Europa derzeit zurück (Bild: Fotolia, Thaut Images).

Im Juni wurden in der EU sowie in Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz 6% Autos weniger als im Vorjahresmonat verkauft.

BRÜSSEL/BERLIN (DJ/gk). Nach dem Auslaufen der Abwrackprämien in den meisten europäischen Ländern ist es in den Autohäusern deutlich ruhiger geworden. Vergangenen Monat verkauften die Händler in den 27 Staaten der Europäischen Union (EU) sowie in Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz mit knapp 1,4 Mio Neuwagen 6% weniger als im Vorjahresmonat, wie der Verband der Europäischen Autohersteller (ACEA) am Donnerstag in Brüssel mitteilte.

Nach dem starken Jahresauftakt schrumpfte das Plus im ersten Halbjahr auf 0,6% zusammen bei 7,5 Millionen verkauften Autos. Der Katzenjammer dürfte im zweiten Halbjahr lauter werden, befürchten Experten. Dagegen zogen etwa in Asien oder den USA die Autoverkäufe weiter deutlich an.

Volkswagen brachte im Juni europaweit 8% weniger Golf, Audi, Skoda, Seat und Co an die Kunden. Daimler verkaufte 7% weniger Mercedes-Benz und Smart. Bei Toyota hielten sich die Kunden wegen der Qualitätsprobleme weiter zurück – Minus 12%. Die französische PSA verkaufte 5% weniger Peugeot und Citroen. Ford und Volvo büßten knapp 15% ein, Fiat ein Fünftel. Honda verlor 14% und der neue VW-Partner Suzuki 28%.

Dem Abwärtstrend konnten sich jedoch einige Hersteller entziehen. BMW verbuchte im Juni ein Plus von 7%, weil sich die Verkäufe von Luxuswagen erholten. Opel und die britische Schwestermarke Vauxhall legten 5% zu. Auf der Gewinnerseite stand auch der neue Daimler-Partner Renault mit einem Zuwachs von 4%. Nissan preschte mit einem Plus von 27% vor und Jaguar und Land Rover verkauften fast ein Drittel mehr Luxus- und Geländewagen.

Grund für den Rückgang der Verkaufszahlen in Europa war vor allem der Einbruch auf dem größtem Automarkt Deutschland, wo die Neuzulassungen zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen knapp ein Drittel niedriger ausfielen als im Vorjahresmonat. Damals hatte die Verschrottungsprämie jedoch für einen Ansturm in den Autohäusern gesorgt und die Verkäufe um 40% ansteigen lassen, was die Statistik nun stark verzerrt.

In Italien führte das Ende der Prämienzahlungen zu knapp einem Fünftel weniger Autoverkäufen. Vergleichsweise gering fiel der Rückgang in Frankreich mit einem Minus von gut 1% aus, die Verschrottungsprämie läuft jedoch auch hier langsam aus.

Dagegen wurden in Spanien und Großbritannien zahlreiche mit staatlicher Förderung gekaufte Wagen erst jetzt ausgeliefert und sorgten so für gut ein Viertel beziehungsweise ein Zehntel mehr Neuzulassungen. Nachdem die Regierung in Madrid im Juli die Mehrwertsteuer erhöht hat und die staatliche Prämie langsam ausläuft, erwarten die Analysten von Barclays Capital in den kommenden Monaten sinkende Neuzulassungen in Spanien.

Doch nicht nur dort: Insgesammt erwarten die Barclays-Analysten ein eher enttäuschendes zweites Halbjahr und 2010 insgesammt ein Zehntel weniger Autoverkäufe in Westeuropa als 2009. Bernstein-Analyst Max Warburton widerspricht: Die Abwrackprämien hätten nicht wie befürchtet zu vorgezogenen Autokäufen geführt, sondern vor allem Gebrauchtwagenkäufer erstmals einen Neuwagen ordern lassen. Für das zweite Halbjahr, vielleicht zum Autosalon in Paris Anfang Oktober, erwartet er, dass auch die europäischen Autobauer zugeben, dass die Lage nicht so schlecht ist wie befürchtet. Volkswagen, BMW und Continental haben bereits eingeräumt, dass die Geschäfte besser laufen als erwartet.

Während die Kunden in Europa einen Bogen um die Autohäuser machten, lief es andernorts erfreulicher. In Russland ließ die Abwrackprämie die Verkäufe im Juni um 45% steigen, wie der Verband der Automobilindustrie (VDA) in Berlin mitteilte. 2009 waren die Autoverkäufe in Russland um die Hälfte eingebrochen.

Auf dem US-Markt hellte sich die Stimmung der Verbraucher weiter auf. Im Juni wurden jenseits des Atlantik laut VDA 14% mehr Pkw und Transporter verkauft. In China ließ das enorme Wachstum etwas nach. Mit fast einem Fünftel mehr Neuwagen hätte der Juni die niedrigste Zuwachsrate seit gut einem Jahr gebracht, erklärte der VDA. Im boomenden Brasilien sanken die Verkaufszahlen dagegen schon den zweiten Monat in Folge, nachdem im März das staatliche Konjunkturprogramm ausgelaufen war.