Air Berlin

Schrumpfkur bei Air Berlin: Die Airline halbiert die Flotte. - Bild: Air Berlin

Air Berlin zieht die Reißleine. Die unter dem ehemaligen CEO Joachim Hunold schnell gewachsene Airline halbiert ihre Flotte nahezu. "Das Unternehmen wird sich als fokussierter Netzwerk-Carrier mit einem klaren Profil auf das Kerngeschäft konzentrieren und ertragreiche Märkte mit einer Flotte von 75 Flugzeugen von den beiden Drehkreuzen Berlin und Düsseldorf aus bedienen. Die touristische Mittelstrecke wird in einem eigenständig agierenden Geschäftsbereich zusammengefasst", heißt es in einer Mitteilung.

Nutznießer ist auch der Platzhirsch Lufthansa. Seine - inklusive Germanwings - 90 Jets große Eurowings-Flotte wächst um 35 Maschinen der Air Berlin, weitere fünf Jets der zweitgrößten deutschen Airline mietet die zum Konzern gehörende Austrian Airlines an. 38 davon sollen im Wet-Lease für die Eurowings fliegen. Das heißt Cockpit- und Kabinenpersonal werden übernommen. Zwei weitere Maschinen mietet Lufthansa ohne Personal. Die Vereinbarung ist zunächst auf sechs Jahre befristet und soll mit Beginn des kommenden Sommerflugplans am 26. März vollständig umgesetzt werden.

Die neue Air Berlin will dann mit 40 Flugzeugen der A320-Familie und 18 Flugzeugen des Typs Q400 von Bombardier für die Kurz- und Mittelstrecken Verbindungen zu den wichtigsten europäischen Wirtschaftsstandorten anbieten. Darüber hinaus gehören zur Gesamtflotte mit 75 Flugzeugen 17 Maschinen des Typs A330-200, die Langstreckenziele weltweit anfliegen.

Der Gemischtwarenladen von Linien- und Charterflügen, der durch die Übernahme der DBA (vormals Deutsche BA) und LTU entstanden ist, hat Air Berlin tief in die roten Zahlen geführt. Selbst unter günstigen Bedingungen, wie dem derzeit niedrigen Kerosinpreis, konnte Air Berlin keine Gewinne einfliegen.

"Schlanker und dynamischer"

"Als fokussierter Netzwerk-Carrier mit klarer Positionierung fliegen wir von unseren beiden Drehkreuzen aus in ertragreichere Märkte. Eine schlankere, dynamische und stärkere Air Berlin ist zukunftsfähig. Damit erhöhen wir unsere Erträge und senken unsere Kosten", ist deren CEO Stefan Pichler überzeugt.

Pichler hat aber schon vorher den Turnaround der Air Berlin für das zweite Halbjahr in Aussicht gestellt. Zuletzt musste dieser wegen zurückgehender Buchungen angesichts der Terroranschläge in Europa und der Türkei aber wieder abmoderiert werden.

Die Niederlage Air Berlins ist indes eine Chance für die Lufthansa, ihre Low-Cost-Airline Eurowings stärker aufzustellen. "Die Flugzeuge sollen ihre Heimatbasis an insgesamt sieben deutschen Flughäfen sowie in Wien und Palma de Mallorca haben. Austrian Airlines soll dabei mit fünf Flugzeugen ihre führende Position am Heimatflughafen Wien stärken", heißt es.

Allerdings bedarf die Transaktion der Zustimmung der Kartellbehören.

Am Donnerstag hat der Lufthansa-Aufsichtsrat ebenfalls grünes Licht dafür gegeben, eine Call-Option zum Erwerb der restlichen 55 Prozent an Brussels Airlines zu ziehen, und die belgische Airline vollständig zu übernehmen. Die 49 Jets sollen wohl ebenfalls in die Eurowings integriert werden. Damit würde Lufthansas Billig-Airline eine Präsenz in vier europäischen Ländern - Deutschland, Österreich, Belgien und Spanien - bekommen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte stets betont, mit Eurowings eine aktive Rolle bei einer Konsolidierung des stark fragmentierten europäischen Luftfahrtsektors spielen zu wollen.

Sowohl Air Berlin als auch Lufthansas Eurowings wollen ihre Zukunftspläne am Donnerstag ausführlich vorstellen.