Von Christine Benders-Rüger, Dow Jones

AMSTERDAM (ks)–Die Fluggesellschaften könnten zwischen dem “LEAP-X”-Motor von CFM International und dem “PurePower PW1100G”-Triebwerk von Pratt & Whitney wählen, teilte die Airbus-Muttergesellschaft European Aeronautic Defence and Space Co NV (EADS) am Mittwoch mit.

Die so genannte A320 NEO (new engine option) werden auch mit den neuen “Sharklets” ausgestattet. Diese aerodynamisch weiterentwickelten Flügelenden sollen dazu beitragen, den Treibstoffverbrauch im Reiseflug zu reduzieren. Airbus will die erste A320 NEO im Frühjahr 2016 ausliefern. Angaben zur Investitionssumme machte Airbus nicht. Branchenkenner rechnen mit deutlich mehr als 1 Mrd Euro.

Informierte Personen hatten zuvor bereits gesagt, die EADS-Tochter könnte schon am Mittwoch das Programm A320 NEO ankündigen. Airbus und der US-Wettbewerber Boeing stehen derzeit unter Druck und müssen nach Einschätzung von Branchenkennern Milliarden in neue oder zumindest stark modernisierte Modelle stecken, um dem Wunsch nach spritsparenden, umweltfreundlicheren Jets gerecht zu werden. So wollen sie neuen Konkurrenten wie Bombardier, Embraer, Comac oder United Aircraft trotzen. Airbus und Boeing wollten bis Ende des Jahres über ihr Vorgehen entscheiden.

Die A320 NEO werde bis zu 15% weniger Treibstoff verbrauchen, teilte Airbus weiter mit. Überdies würden die A320NEO-Kunden von leiseren Triebwerken, niedrigeren Betriebskosten und einer um bis zu 950 km größeren Reichweite oder zwei Tonnen höherer Nutzlast profitieren. Airbus sieht für die kommenden 15 Jahre ein Marktpotential von 4.000 Flugzeugen der A320NEO-Familie.

“Wir sind sicher, dass die A320 NEO bei allen Betreibern und auf allen Märkten ein großer Erfolg wird. Sie bietet maximalen Nutzen bei nur minimalen Veränderungen. Wir machen mit der A320 NEO ein überaus zuverlässiges und ausgereiftes Flugzeug noch effizienter und umweltfreundlicher”, erklärte Tom Enders, President und CEO von Airbus, in einer Unternehmensmitteilung.

Die neuen Triebwerke bietet Airbus für die Modelle A321, A320 und A319 an. Sie erfordern laut Airbus nur begrenzte Modifikationen des Flugzeuges vor allem im Bereich der Tragflächen und der Triebwerksaufhängungen.

Die neu entwickelten “Sharklets” seien darauf ausgelegt, die Ökoeffizienz und die Nutzlast-Reichweiten-Leistung der A320-Familie noch weiter zu steigern, hieß es. Sie würden eine Reduzierung des Treibstoffverbrauchs auf längeren Sektoren um mindestens 3,5% versprechen und könnten ebenfalls als Option für neu auszuliefernde A320-Flugzeuge bestellt werden. Die A320 werde als erstes Modell die neuen Sharklets erhalten und Ende 2012 damit ausgeliefert werden. Die anderen Modelle der A320-Familie könnten ab 2013 ebenfalls mit Sharklets ausgeliefert werden, so Airbus.

Die Entscheidung von Airbus dürfte nun den Druck auf Boeing erhöhen, die noch über die Zukunft ihrer 737er Flotte sinniert. Boeing hatte aber bereits mitgeteilt, dass es sehr unwahrscheinlich sei, diesen Flugzeugtyp mit neuen Motoren auszustatten. Eine Möglichkeit wäre der Bau eines komplett neuen Flugzeugs, welches Ende des Jahrzehnts in Betrieb gehen könnte. Einige Beobachter hatten gehofft, dass Airbus den A320 NEO schon auf der internationalen Luft- und Raumfahrtmesse in Farnborough im Juli ankündigen würde. Louis Gallois, CEO bei EADS, sagte allerdings mehrfach, man werde bis zum Jahresende eine Entscheidung in der Sache treffen.

Hersteller aus China, Japan, Russland, Kanada und Brasilien fordern die beiden Flugzeugbauer Airbus und Boeing mit Plänen für Mittelstreckenjets heraus. So will beispielsweise der chinesische Comac-Konzern mit seinem Mittelstreckenjet C919 das Kerngeschäft von Airbus und Boeing angreifen. Der Erstflug für die C919 ist für 2014 vorgesehen. Schon 2016/17 sollen die ersten Exemplare an chinesische Kunden gehen. Zudem baut die kanadische Bombardier an der “C-Series”. Die schon halb aus Verbundstoffen gebauten Flugzeuge bieten bis 145 Sitze und sollen ab 2013 eingesetzt werden. In Japan will Kawasaki 2020 ein Flugzeug mit 150 Plätzen herausbringen.