In einem Schreiben an die Mitarbeiter erklärte Airbus-Chef Tom Enders, der Konzern sei

In einem Schreiben an die Mitarbeiter erklärte Airbus-Chef Tom Enders, der Konzern sei entschlossen, das Projekt A400M voranzutreiben. - Bild: Airbus

Zwei Tage nach dem Absturz eines Airbus-Militärtransporters A400M in Spanien hat sich Airbus-Chef Tom Enders demonstrativ hinter das A400M-Programm gestellt.

In einem Schreiben an die Mitarbeiter erklärte er, der Konzern sei entschlossen, das Projekt voranzutreiben. Fernando Alonso, Leiter der Militärfliegersparte bei Airbus und ehemals Leiter der Testflugabteilung, habe die Fortsetzung der A400M-Testflüge beschlossen, “um unseren Kunden, den Luftstreitkräften, zu zeigen, dass wir diesem großartigen Transportflugzeug vertrauen und dem Programm sowie der weiteren Lieferaufstockung und dem Ausbau des Leistungsvermögens so verpflichtet wie eh und je sind”.

“Wir hoffen, baldmöglichst herauszufinden, was bei diesem Testflug so furchtbar schief lief”, sagte Enders. “Die Männer, die in Sevilla ihr Leben verloren, waren großartige Profis, sie wussten um die Risiken ihres Jobs und würden nicht wollen, dass wir aufhören zu fliegen”, fuhr Enders fort. Das Unternehmen hielt eine Schweigeminute ab.

Flüge vorerst ausgesetzt

In Großbritannien, Deutschland, Malaysia und der Türkei wurden Flüge mit dem Transportflieger vorübergehend ausgesetzt, bis mehr Informationen über die Absturzursache bekannt werden. Frankreich, der erste und größte Betreiber dieses Flugzeugtyps, setzte die A400M-Flüge indes unverändert fort.

Der für die Türkei bestimmte A400M war am 9. Mai kurz nach dem Start abgestürzt, während die Crew noch versuchte, nach einem abgesetzten Notruf zur Basis zurückzukehren. Vier der sechs Airbus-Mitarbeiter an Bord starben bei dem Unglück. Die beiden anderen wurden mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert.

Der Absturz fällt in eine schwierige Phase des A400M-Programms, das bereits um Milliarden teurer geworden ist als gedacht. Jahrelange Verzögerungen bei der Entwicklung und Produktion der viermotorigen Turbo-Propellermaschine haben das Projekt für Airbus zu einem Verlustbringer gemacht.

Blackboxen werden von Experten ausgewertet

Die beiden Blackboxen des Transportflugzeuges wurden am Sonntagmorgen gefunden und werden nun ausgewertet. Nach Angaben eines spanischen Regierungsvertreters wurden die Geräte bei dem Crash jedoch beschädigt. Die Ermittler können unter solchen Umständen normalerweise aber dennoch gespeicherte Daten aus den Blackboxen auslesen. Sie werden vor allem untersuchen, ob ein Systemfehler aufgetreten ist, der auf einen in den fünfeinhalb Jahren seit dem Jungfernflug beispiellosen Herstellungs- oder Designfehler zurückzuführen ist. Auch das Verhalten der Crew wird genauestens rekonstruiert werden. Ebenso werden Daten der Flugsicherung ausgewertet.

Das abgestürzte Flugzeug hätte im Juni an die Türkei übergeben werden sollen. Es war der erste Absturz eines A400M, der vor 13 Jahren von sieben Nato-Staaten als Ersatz für die veralteten Transall-Maschinen in Auftrag gegeben worden war.

Dow Jones Newswires/Guido Kruschke