PARIS (Dow Jones/ks)–Beim A380 sehe er ein großes Potenzial bei Billigfluggesellschaften mit Langstreckenflügen, sagte Airbus-Vertriebschef John Leahy am Mittwoch bei einer Veranstaltung für Luftfahrtjournalisten. Airbus prüfe weiter, die Produktionsrate für den A320 zu erhöhen.

Bei der A320neo (“New Engine Option”) handelt es sich um eine modernisierte Version des Airbus-Bestsellers A320. Das neue Modell soll ab 2016 ausgeliefert werden und mit neuen, effizienteren Triebwerken und aerodynamisch optimierten “Sharklets” an den Flügelenden bis zu 15% weniger Treibstoff verbrauchen als das derzeitige Modell.

Im Januar hatte Airbus vom US-Billigflieger Virgin America eine erste Festbestellung über 30 A320neo erhalten, die indische Billigfluglinie IndiGo hatte eine Absichtserklärung über den Kauf von 150 A320neo abgegeben.

Airbus hatte erst Anfang Dezember nach langen Gesprächen mit Fluggesellschaften angekündigt, die A320neo zu entwickeln. Die EADS-Tochter und ihre Triebwerkslieferanten werden in die Entwicklung des neuen Modells nach Schätzungen von Branchenexperten rund 1 Mrd Dollar investieren müssen. Die Entwicklung der A320neo dürfte deutlich billiger und weniger zeitaufwändig sein, als die Entwicklung eines komplett neuen A320-Nachfolgers.

Aber auch die aktuelle Version der A320 verkauft sich noch gut, der Auftragsbestand ist hoch. Deshalb prüfe Airbus weiterhin, die monatliche Produktionsrate auf 42 oder 44 Jets von derzeit 36 Flugzeugen zu erhöhen, sagte Leahy. Das hänge jedoch davon ab, ob sowohl die Lieferanten als auch Airbus selbst eine erhöhte Produktionsrate stemmen könnten. Das Unternehmen wähle dabei eine “konservative” Vorgehensweise, sagte Leahy. Airbus hatte bereits angekündigt, die monatliche Produktionsrate für das Langstreckenflugzeug A330 ab dem zweiten Quartal 2013 auf 10 zu erhöhen.

Dem Superjumbo A380 bescheinigte der Airbus-Manager gute Perspektiven. Leahy hofft, das Billigfluggesellschaften mit Langstreckenflügen den A380 bestellen. Durch die Ausstattung mit mehr Sitzen sänken die Betriebskosten erheblich, sagte der Manager. Während die meisten Fluglinien ihre A380 mit rund 540 Sitzplätzen ausstatten, will Air Austral, die zwischen Paris und der Insel Reunion im Indischen Ozean fliegt, ihre Maschinen mit 840 Sitzen ausstatten.

Leahy nutzte die Veranstaltung am Mittwoch, um einmal mehr Kritik am großen Rivalen Boeing zu üben. Die Aufsichtsbehörden sollten vom US-Flugzeughersteller verlangen, Evakuierungstests bei seinem neuen Jumbo 747-8 Intercontinental durchzuführen. Die 747-8 wird 467 Passagieren Platz bieten und damit 51 mehr als die aktuelle Version 747-400. Boeing sei bei der 747-400 nicht zu Evakuierungstests gezwungen gewesen, da die Tests bei früheren Versionen der 747 als ausreichend angesehen worden seien, sagte Leahy. Eine ähnliche Ausnahme wolle der Flugzeughersteller aus Chicago nun auch für die 747-8. “Es tut mir leid, aber das ist falsch”, kritisierte Leahy.

Boeing war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.