Tom Enders Airbus

Airbus-Chef Tom Enders: Der Gewinn des Flugzeugbauers hat sich besser entwickelt als befürchtet. - Bild: Airbus

Die Jahresprognose bestätige der Konzern.

Wegen Verzögerungen beim Militärflugzeugprogramm A400M buchte Airbus eine Belastung in Höhe von 1,026 Milliarden Euro. Die Kosten für den Bau des Langstreckenflugzeugs A350 stiegen um weiter 385 Millionen Euro. Airbus-CEO Tom Enders bezeichnete die Belastungen als "nicht akzeptabel".

Für die drei Monate April bis Juni berichtete Airbus einen Umsatz von 16,572 Milliarden Euro. Das war gut 1 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, aber mehr als Analysten mit 16,32 Milliarden Euro erwartet hatten. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) vor Einmaleffekten sank um 4 Prozent auf 1,183 Milliarden Euro. Hier hatten die Marktbeobachter im Konsens nur mit 1,045 Milliarden gerechnet.

Unter dem Strich blieb ein Konzerngewinn von 1,362 Milliarden Euro nach 732 Millionen im Vorjahresquartal. Dazu trugen unter anderem die Gewinne aus der Gründung eines Raketen-Joint-Ventures mit der französischen Safran SA und dem Verkauf von Anteilen an dem Kampfflugzeughersteller Dassault bei.

Die Reaktionen am Markt waren gemischt. Die höher als erwarteten Zahlen dürften die Aktie zunächst stützen. "Aber es gibt einfach zu viele Einmaleffekte", kritisierte ein Händler und verwies auf den Gewinnanstieg durch den Verkauf der Dassault-Beteiligung und das Joint-Venture mit Safran. Auf der anderen Seite habe Airbus zahlreiche Abschreibungen vorgenommen. "Hier ist nicht ganz offensichtlich, wie der Markt den Saldo interpretiert", sagte ein anderer Händler. Zudem könne die operative Jahresprognose als "zu konservativ" gesehen werden. Airbus erwartet vor Einmaleffekten nur einen stagnierenden Gewinn.

Der A400M macht Airbus schon seit Jahren Probleme. Der Militärtransporter soll die in die Jahre gekommenen Transall-Maschinen der Bundeswehr ersetzen. Wegen technischer Probleme und unterschiedlicher Wünsche der Bestellerländer verzögerte sich die eigentlich für 2011 geplante Auslieferung des Flugzeugs jedoch erheblich. Airbus warnte vor weiteren möglichen Belastungen.

Der Hersteller verhandelt zurzeit mit den Streitkräften mehrerer Staaten über revidierte Lieferpläne und bezeichnete die möglichen Auswirkungen als "beträchtlich". Bislang sind 174 Aufträge für den A400M eingegangen. Neben einer Gruppe aus sechs europäischen Ländern und der Türkei, die die Entwicklung unterstützen, ist Malaysia aber bislang der einzige Kunde. Ohne weitere Aufträge wird Airbus bei dem Programm Geld verlieren, wie der Konzern bereits angekündigt hat.

Erreichen des Cashflow-Ziels wird schwieriger

Neben dem Lufttransporter bereiten der Chefetage auch andere Modelle Sorgen. Bei dem A350 haben Verzögerungen bei Zulieferern die Produktion ausgebremst. Auch die Auslieferungen des A320neo werden von Problemen bei den Zulieferern überschattet.

Für 2016 erwartet Airbus dennoch weiterhin einen Anstieg des Auftragsbestands für Zivilflugzeuge. Vor Fusionen und Übernahmen rechnet der Konzern für 2016 im Vergleich zum Vorjahr mit einem stabilen EBIT vor Einmaleffekten und einem stabilen Gewinn je Aktie vor Einmaleffekten. Allerdings warnte der Konzern, das Ziel, einen freien Cashflow mindestens auf Vorjahresniveau zu erreichen, könne auf der Kippe stehen. Die Probleme bei dem A400M und Auslieferungsverzögerungen machten das Erreichen des Zieles "schwieriger".

Im Gesamtjahr sollen unverändert mehr als 650 Flugzeuge ausgeliefert werden, auch wenn die Kunden im ersten Halbjahr nur 298 Maschinen bekamen. Auch bekräftigte Airbus, dass die Neubestellungen in diesem Jahr über den Auslieferungen liegen sollen, obwohl der Auftragseingang in den ersten sechs Monaten recht schwach war. Der Konzern konnte jedoch sein Auftragsbuch auf der Luftfahrtmesse in Farnborough Mitte Juli weiter füllen und hat sich in diesem Jahr damit bislang 380 Deals gesichert.

Airbus und sein US-Erzrivale Boeing, der weltgrößte Flugzeugbauer, haben zuletzt von einem Auftragsboom profitiert. Bei einigen ihrer Modelle sind die Auftragsbücher voll mit verkauften Maschinen, deren Auslieferung sich bis über das Jahr 2020 hinaus ziehen wird. Beide Hersteller steigern die Produktion wichtiger Serien, um die Nachfrage zu bedienen. Die Zulieferer haben allerdings gelegentlich Probleme, bei dem Tempo mitzuhalten.

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