Die Chefs der fünf größten Fluggesellschaften Europas haben ihre Differenzen am Mittwoch

Die Chefs der fünf größten Fluggesellschaften Europas haben ihre Differenzen am Mittwoch beigelegt und die Europäische Union gemeinsam gedrängt, die Wettbewerbsfähigkeit der Branche durch niedrigere Kosten zu fördern. - Bild: Lufthansa

In diesem Jahr soll die neue Luftfahrtstrategie der EU ausgearbeitet werden.

Die CEOs von Air France-KLM, EasyJet, der Deutschen Lufthansa, Ryanair und der British-Airways-Mutter International Consolidated Airlines Group (IAG) kündigten für den Herbst die Gründung eines neuen Verbandes an. Der soll die Europäische Kommission dahingehend beeinflussen, dass sie Fluggaststeuern streicht, die Flughafenkosten senkt und Maßnahmen ergreift, um die Schäden durch Fluglotsenstreiks zu begrenzen.

Wegen der neuen Strategie müssten die Fluggesellschaften jetzt “mit einer Stimme sprechen”, das sei in den vergangenen Jahren nicht der Fall gewesen, sagte Ryanair-CEO Michael O’Leary.

In der vergangenen Woche hatte die EU die öffentlichen Konsultationen zur neuen Strategie abgeschlossen. Dabei geht es um ein breites Spektrum von Themen, von der Flughafensicherheit und der Luftraumkontrolle bis zur Marktliberalisierung.

Ein Kommissions-Sprecher sagte, die Brüsseler Behörde habe rund 280 Beiträge dazu erhalten und werde einen Bericht veröffentlichten, sobald diese ausgewertet worden seien.

Zerstören der Wettbewerbsfähigkeit

Die CEOs riefen nach geringeren Fluggaststeuern und niedrigeren Kosten an den Flughäfen der EU. Hohe Flughafenkosten würden die Wettbewerbsfähigkeit der Fluggesellschaften zerstören. Darüber hinaus verlangten die Airlines, die EU solle die schädlichen Auswirkungen von Arbeitskämpfen der Fluglotsen mildern. In diesem Jahr waren deswegen mehr als 3.000 Flüge ausgefallen.

Auch solle ihren Maschinen der Überflug von Flughäfen, die gerade bestreikt würden, erlaubt oder Schlichtungen mit Fluglotsenvertretern gefördert werden.

O’Leary: “Wir versuchen nicht, Streiks zu verbieten… sondern ein paar Maßnahmen für die ersten Schritte einzurichten, damit Streiks nicht die erste Schläger in der Golftasche sind, nach dem sie greifen.”

Fokus liegt auf geteilter Meinung

Der Fokus ihrer gemeinsamen Treffen werde eher darauf liegen, Dinge voranzubringen, wo sie einer Meinung seien, sagten die Manager. Und nicht auf Bereichen, wo sie unterschiedliche Ansichten hätten, etwa bei der Rolle der Fluggesellschaften aus dem Nahen Osten in Europa.

Air-France-CEO Alexandre de Juniac: “Wir sind bei den Golf-Airlines nicht einer Meinung, wir werden das hier nicht behandeln, es ist etwas, womit wir uns individuell beschäftigen.”

Air France und Lufthansa argumentieren, dass die Fluggesellschaften aus Nahost von Staatshilfen profitiert haben und dass dies den Wettbewerb verzerrt habe. Sie drängen die Kommission, das Wachstum der Golf-Airlines in Europa zu beschränken.

Dagegen tritt IAG-Chef Walsh schon lange für eine größere Liberalisierung des Luftfahrtmarktes ein – auch schon bevor Qatar Airways sich in diesem Jahr mit 10 Prozent an seinem Unternehmen beteiligte und damit zum größten Aktionär wurde.

Walsh: “Wir sind Konkurrenten, also sollten Sie nicht erwarten, dass wir bei allem übereinstimmen.”

Die fünf Fluggesellschaften, die zusammen rund 420 Millionen Passagiere pro Jahr befördern, erklärten, ihr Verband stehe auch allen anderen europäischen Airlines offen.

Dow Jones Newswires/Andrea Hecht