Daimler Trucks Lkw

Der Aktionärsverband DSW hat Daimler wegen der Milliardenstrafe im Lkw-Kartell zur erneuten Prüfung von Schadensersatzansprüchen gegen verantwortliche Manager aufgefordert. - Bild: Daimler

Aus diesem Grund wolle der Verband dem Aufsichtsrat auf der Hauptversammlung am 29. März auch die Entlastung verweigern.

Daimler erklärte auf Anfrage, dass sich der Aufsichtsrat eingehend mit den aufgeworfenen Fragen einer etwaigen Verantwortlichkeit von Vorstandsmitgliedern befasst habe. Der Aufsichtsrat sehe "jedenfalls gegenwärtig keinen Anlass, Schadensersatzansprüche gegen Vorstandsmitglieder geltend zu machen", so der Suttgarter Konzern.

Die Europäische Kommission hatte vergangenes Jahr eine Rekordstrafe von 2,9 Milliarden Euro gegen Lkw-Hersteller, neben Daimler auch Volvo, die Paccar-Tochter DAF und die zu CNH Industrial gehörende Iveco, verhängt. Die Unternehmen sollen sich 14 Jahre lang bis 2011 bei den Bruttolistenpreisen mittelschwerer und schwerer Lkw abgesprochen haben. Am härtesten traf es Daimler mit einer Strafe von rund 1 Milliarde Euro. MAN entging einer Strafe, da die Volkswagen-Tochter das Kartell angezeigt hatte.

DSW droht mit Sonderprüfung

Die DSW begründet ihre beabsichtigte Verweigerung der Entlastung mit der Entscheidung des Daimler-Aufsichtsrat, keine Schadensersatzansprüche gegen ehemalige oder amtierende Vorstände und Manager geltend machen zu wollen. Die bisherige Begründung der Daimler-Kontrolleure, die Ermittlungen der EU-Kommission richteten sich nicht gegen das Management oder einzelne Manager, sondern vielmehr gegen das Unternehmen als solches, sei für den Anlegerschützer nicht nachvollziehbar.

"Kartellverstöße sind Compliance-Verstöße, die entweder im konkreten Zuständigkeitsbereich und/oder im Bereich des Organisationsverschuldens Haftungstatbestände bei den Verantwortlichen auslösen und bei der Verfolgung keinen Ermessensspielraum für den Aufsichtsrat lassen", so DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler.

Die DSW fordere den Aufsichtsrat auf, entsprechende Prüfungen nochmals von unabhängiger Stelle durchführen zu lassen. "Sollte der Aufsichtsrat das nicht zusagen, ist unseres Erachtens eine Sonderprüfung angezeigt." Einen entsprechenden Antrag wolle der Verband gegebenenfalls auf dem Aktionärstreffen stellen.