Martin Kapp, VDW-Vorsitzender.

Martin Kapp, VDW-Vorsitzender.

Herr Kapp, wie entwickelt sich voraussichtlich die Konjunktur der deutschen Werkzeugmaschinenindustrie im kommenden Jahr?

Für unsere Branche stehen alle Zeichen auf grün. Die Weltwerkzeugmaschinennachfrage läuft rund. Das wirkt sich positiv auf unsere Aufträge aus. Sie werden im laufenden Jahr voraussichtlich um zwei Drittel wachsen. Das wird sich nächstes Jahr sehr positiv im Umsatz niederschlagen.

 Vor welchen Herausforderungen steht die Branche in 2011?

Nach dem tiefen Einbruch stehen die Firmen vor der Herausforderung, die Produktion wieder hochzufahren. Das heißt, die Zulieferkette muss instand gesetzt und auf Tempo gebracht werden, Personalkapazitäten müssen optimal an die Märkte angepasst werden und die Finanzierung muss auf solide Füße gestellt werden. Das gilt im Übrigen auch für unsere Wettbewerber im Ausland. Dazu verschiebt sich die internationale Werkzeugmaschinennachfrage weiter Richtung Asien. Das bedeutet für uns große Anstrengungen zu unternehmen, um davon auch künftig wie bisher profitieren zu können.

Welche Gefahren/Risiken könnten eine positive wirtschaftliche Entwicklung gefährden?

Vor allem sehe ich hier mittelfristig nach wie vor das Risiko externer Schocks. Dass die europäische Währungskrise mittelfristig Verwerfungen erzeugen könnte, ist nicht von der Hand zu weisen.

Welches sind die wichtigsten Märkte?

Derzeit ist hier China, China und nochmals China zu nennen. Sowohl im Auftragseingang als auch bei den Exporten ist China allen anderen Märkten mit großem Abstand davongeeilt. Generell steht der Aufschwung jedoch auf breiten Füßen. Fast alle Märkte haben wieder Tritt gefasst und verzeichnen zum Teil dreistellige Bestellzuwächse. So laufen in Amerika die Regionalmärkte USA und Brasilien, in Asien Südkorea, Indien, Japan und Taiwan sowie in Europa die Schweiz, Österreich, Italien und Russland gut bis sehr gut.

Bitte beurteilen Sie in einer Skala von 1 (sehr schlecht) bis 10 (sehr gut) die Prognose für 2011.

Ich würde unsere Erwartungen bei 8 einstufen.

Was sind die wichtigsten Technologien für Ihre Branche?

Die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie ist international erfolgreich, weil Produkte und Prozesse insgesamt ständig verbessert und auf höchstem Niveau gehalten werden. Derzeit steht bei vielen Firmen das Thema Nachhaltigkeit in der Produktion im Fokus. Sie arbeiten mit Hochdruck daran, gemeinsam mit Lieferanten und Kunden ihre Produkte energieeffizient zu entwickeln, herzustellen und zu betreiben. Viele neue Angebote dazu werden auf der EMO Hannover 2011 im September zu sehen sein.

In welchen Bereichen sind die wichtigsten technologischen Fortschritte zu erwarten?

Es wird nach wie vor intensiv angestrebt, Produktivität und Flexibilität zu verbessern sowie die Werkzeugmaschine intelligent und bedarfsgerecht zu automatisieren. In allen Feldern sind hier Fortschritte zu erwarten.