American Airlines hatte zuletzt insbesondere unter den hohen Treibstoffpreisen gelitten und deshalb

American Airlines hatte zuletzt insbesondere unter den hohen Treibstoffpreisen gelitten und deshalb im dritten Quartal Verluste geschrieben (Bild: Boeing).

Anfang Oktober war am Markt darüber spekuliert worden, nun ist es amtlich: American Airlines ist insolvent. Der Flugbetrieb soll aber vorerst weiterlaufen, Flugzeugbestellungen bei Airbus und Boeing werden nicht storniert.

Von Doug Cameron und Lauren Pollock, Dow Jones Newswires

NEW YORK (ks)–Die großen Flugzeugbestellungen bei Airbus und Boeing, die ab dem kommenden Jahr ausgeliefert werden sollen, sollen den Berichten zufolge nicht storniert werden. American Airlines hatte im Juli eine Großbestellung bei Airbus bekanntgegeben. Demnach sollen ab dem Jahr 2013 erstmals 130 Maschinen der Typen A319 und A321 die Flotte der amerikanischen Airline ergänzen. Ein Schrumpfkurs von American Airlines sei nicht geplant, so der neue CEO Thomas Horton. Allenfalls der Flugplan werde moderat gekürzt, im Zuge dessen dürften einige Stellen wegfallen. Der geplante Verkauf der Regiongalfluglinie America Eagles werde aber auf Eis gelegt.

Der Flugbetrieb jedenfalls soll erst einmal weiterlaufen. Das Insolvenzverfahren nach US-Recht schützt das Unternehmen vor dem Zugriff seiner Kreditgeber und sichert so den Weiterbetrieb der Geschäfte, bis eine Lösung für die Restrukturierung der Verbindlichkeiten gefunden ist. AMR betonte, mit flüssigen Mitteln von 4,1 Mrd Dollar sei genug Geld da, um Lieferanten und Geschäftspartner während des Gläubigerschutzverfahrens zu bezahlen.

Die Muttergesellschaft AMR hatte am Dienstag Gläubigerschutz beantragt. Vor acht Jahren stand der Konzern schon einmal kurz vor den Aus, konnte die drohende Pleite aber abwenden – doch das stellte sich zunehmend als Fehler heraus. Denn während Konkurrenten gestärkt aus ihren Insolvenzverfahren hervorgingen, war American Airlines seinerzeit nicht in der Lage, Ballast über Bord zu werfen, Verträge neu zu verhandeln und Kosten signifikant zu senken. Das könnte der Konzern nun nachholen.

Durch die aktuelle Krise soll ein neuer Kopf an der Unternehmensspitze führen. AMR ernannte den langjährigen Konzernmanager Thomas Horton zum Nachfolger von Gerard Arpey zum Chairman und CEO. Der seit 2003 amtierende Arpey sei gebeten worden zu bleiben, habe sich aber entschieden, in den Ruhestand zu gehen und wechsle zu einer Investmentgesellschaft.

American Airlines hatte zuletzt insbesondere unter den hohen Treibstoffpreisen gelitten und deshalb im dritten Quartal Verluste geschrieben. Die Fluggesellschaft war vergangenes Jahr die einzige große Fluggesellschaft in den USA, die noch in den roten Zahlen arbeitete.

Zudem hatte sich der Kostennachteil gegenüber den Wettbewerbern zuletzt verschärft. Die Kostenlücke lag laut AMR zuletzt bei rund 600 Mio Dollar. Das Management habe keine klare Linie gesehen, diese Lücke zu schließen, sagte Horton am Dienstag in einem Interview. Dabei sei es nicht nur um Arbeitskosten gegangen, sondern auch um die Kapitalstruktur, die Flotte und die Anlagen. Seit 2001 hatte AMR mehr als 10 Mrd Dollar verloren. Die Zeit sei reif gewesen, eine gerichtliche Umstrukturierung einzuleiten.

In einer Telefonkonferenz hatte der neue CEO zuvor erklärt, auch eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit und das unsichere Wirtschaftsklima hätten zu der Entscheidung zum Insolvenzantrag beigetragen.

Ob AMR bereits Gespräche mit potentiellen Käufern geführt habe, wollte der neue CEO nicht kommentieren. Unter Analysten gilt US Airways allgemein als passender Kandidat. Die Fluggesellschaft ist selbst aus einer Fusion hervorgegangenen und hatte schon einmal Interesse an einer insolventen Konkurrentin. Als die Fluggesellschaft Delta vor einigen Jahren Gläubigerschutz beantragte, unterbreitete ihr US Airways ein Übernahmeangebot. Delta tat sich dann aber mit Northwest Airlines zusammen.

Im Falle eines Zusammenschluss von American Airlines und US Airways wären mehr als 70% des US-Marktes in der Hand von nur drei Konzernen – das dürfte laut Beobachtern auf Widerstand seitens der US-Behörden stoßen.

Der Markt strafte die AMR-Aktie am Donnerstag massiv ab. Nach anfänglicher Aussetzung brach das Papier um 85% auf 0,22 Dollar ein. Für die Wettbewerber geht es hingegen teils kräftig nach oben. So ziehen Delta Airlines um 3,4% auf 7,68 Dollar an, für United Continental, die Holding von United Airlines und Continental Airlines, geht es um 6,1% auf 17,58 Dollar nach oben.