ABB, Robotik, Automatisierung, Zürich, Schweiz

ABB will seine Organisationsstruktur neu ausreichten. - Bild: ABB

Der Dreimonatszeitraum war von erheblichen makroökonomischen Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Brexit und den Wahlen in den USA geprägt, was sich auf das Auftragsvolumen ausgewirkt habe, erklärten die Schweizer. Besonders die Großbestellungen knickten bei ABB ein. Die Gesamtbestellungen und der Umsatz im Konzern verfehlten die Markterwartungen. Ein Händler nannte am Donnerstagmorgen den Auftragseingang "enttäuschend" und eine Belastung für den Aktienkurs.

Da die ABB-Aktie in diesem Jahr bisher um 27 Prozent an Wert gewonnen hat, könnten nun Gewinne mitgenommen werden. Im vorbörslichen Handel wird die ABB-Aktie von Bankhaus Julius Bär 2,7 Prozent niedriger gestellt.

Neben den Quartalszahlen hatten die Schweizer noch eine Personalie im Gepäck und gaben einen Wechsel im Topmanagement bekannt. Zudem läuft das Kostensenkungsprogramm planmäßig. Die dafür veranschlagten Kosten könnten niedriger ausfallen.

ABB sieht anhaltende Unsicherheiten

Für die unmittelbare Zukunft rechnet ABB mit keiner schnellen Belebung. Zum Ausblick erklärten die Schweizer, "makroökonomische und geopolitische Entwicklungen weisen auf ein uneinheitliches Szenario mit anhaltenden Unsicherheiten hin." Einige makroökonomische Signale in den USA bewertet ABB als weiter positiv.

In China rechnet ABB mit einer Fortsetzung des Wachstums, wenn auch auf geringerem Niveau als 2015. Die Märkte werden durch das "verhaltene Wachstum und die erhöhten Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Brexit in Europa sowie durch geopolitische Spannungen in anderen Teilen der Welt weiter belastet", schätzt ABB weiter. Der Ölpreis und die Effekte aus der Währungsumrechnung dürften das Unternehmensergebnis voraussichtlich weiter beeinflussen.

Im vergangenen dritten Quartal rutschten die Bestellungen in allen Regionen von ABB ab. Zur Entwicklung in Europa erklärten die Schweizer, die Nachfrage sei durch das mäßige Gesamtwachstum, die Unsicherheiten rund um den Brexit und die politischen Ereignisse in der Türkei gedämpft gewesen. Der Gesamtauftragseingang gab um 18 Prozent nach (20 Prozent in US-Dollar), während die Basisaufträge stabil blieben. Die Nachfrage nach Basisaufträgen war in Deutschland, Italien, Schweden und der Schweiz positiv, in Großbritannien und Norwegen dagegen verhalten.

Auf dem amerikanischen Kontinent kühlte sich laut ABB die Nachfrage ab. Als Grund nannte der Konzern die "erheblichen" Investitionsverzögerungen wegen der anstehenden Wahlen in den USA und die schwache Industrienachfrage. Insgesamt gab der Auftragseingang in der Region bei schrumpfenden Großaufträgen um 16 Prozent nach (17 Prozent in US-Dollar). Die Basisaufträge sanken aufgrund der schwachen Nachfrage in den USA, in Kanada und Brasilien um 8 Prozent (9 Prozent in US-Dollar).

In Asien, dem Nahen Osten und Afrika sah der Konzern eine durchwachsene Nachfrage. In Indien zog die Nachfrage weiter an, und China investierte weiter in Stromübertragungsprojekte und Robotik. Insgesamt gingen die Bestellungen in der Region um 5 Prozent zurück (7 Prozent in US-Dollar). Die dynamische Auftragsentwicklung in Indien habe das Minus in China und den Vereinigten Arabischen Emiraten nicht kompensieren können, so ABB weiter. Die Basisaufträge verringerten sich um 9 Prozent (10 Prozent in US-Dollar).

Neuer Finanzchef bei ABB kommt von Nokia

Insgesamt berichtete ABB im dritten Quartal für den Konzern einen Rückgang beim Auftragseingang um 14 Prozent auf 7,53 Milliarden US-Dollar, während Analysten ABB einen Auftragseingang von 8,296 Milliarden Dollar zugetraut hatten. Der Konzernumsatz ging um 3 Prozent auf 8,25 Milliarden Dollar zurück. Analysten hatten hier mit einem Erlös von 8,338 Milliarden Dollar gerechnet.

Unter dem Strich wies ABB einen Konzerngewinn von 568 Millionen Dollar aus, das waren zwar 2 Prozent weniger als im Vorjahr, aber mehr als am Markt mit 545 Millionen Dollar erwartet worden war. Die operative EBITA-Marge verbesserte sich im dritten Quartal um 10 Basispunkte auf 12,6 Prozent. Gründe hierfür waren laut ABB Margensteigerungen in den Divisionen Elektrifizierungsprodukte, Prozessautomation und Stromnetze sowie die fortlaufenden Produktivitäts- und Kosteneinsparungen im Rahmen des "White Collar Productivity-Programms". Zu ihrem Sparprogramm teilte ABB am Donnerstagmorgen weiter mit, dieses sei auf gutem Weg für die anvisierten Einsparungen von 1,3 Milliarden Dollar. Die dafür veranschlagten Kosten dürften um 100 Millionen Dollar geringer ausfallen als ursprünglich gedacht.

Im Topmanagement steht bei ABB ein Stühlerücken an. Timo Ihamuotila wurde mit Wirkung zum 1. April 2017 zum Chief Financial Officer und Mitglied der Konzernleitung ernannt. Er soll die Nachfolge von Eric Elzvik in einem "geordneten Übergangsprozess" antreten. Elzvik werde sich einer "neuen beruflichen Herausforderungen außerhalb" von ABB zuwenden. Ihamuotila wechselt von Nokia zu ABB. Bei Nokia bekleidet Ihamuotila seit sieben Jahren die Position des Chief Financial Officer. "Ihamuotila ist ein erfolgreicher Finanzchef mit umfassender Erfahrung in den Bereichen Kommunikation, Software, Services, Industrie, aktives Portfoliomanagement und Verbesserung der operativen Performance. Er bringt ein umfassendes Verständnis von Transformationsprozessen und digitalen Geschäftsmodellen mit", erklärte ABB.