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Der iPhone-Hersteller nimmt Indien, den wohl bald zweitgrößten Smartphone-Markt der Welt, ins Visier. - Bild: Victorgrigas/Wikimedia/CC-BY-SA-3

In einem Brief an Regierungsvertreter skizzierte Apple im vergangenen Monat seine Pläne und suchte um finanzielle Anreize für deren Realisierung nach, wie die Beamten dem Wall Street Journal verrieten. Sollte Apple Produkte wie das iPhone tatsächlich in Indien fertigen, könnte der Konzern auch problemlos eigene Läden in dem Land eröffnen. Das würde der Marke in einem Land kräftig auf die Sprünge helfen, in dem ihr Marktanteil weniger als 5 Prozent beträgt.

Indien bald zweitgrößter Smartphone-Markt

Bereits kommendes Jahr dürfte Indien die USA als weltweit zweitgrößter Markt für Smartphones ablösen, schätzt IDC. Jahrelang lieferte China den Treibstoff für Apples Wachstum. Doch jetzt, wo es dort langsamer vorangeht, könnte Indien einspringen. "Apple will sein China-Modell auf Indien ausweiten", meint einer der Spitzenbeamten. Allerdings verlange der Konzern finanzielle Zugeständnisse, was die Regierung derzeit prüfe.

Noch im Mai betonte Apple-Chef Tim Cook, dass er keine Pläne für eine Fabrik in Indien habe. Allerdings sprach Cook dann bei einem späteren Treffen mit Premier Narendra Modi über eben einen solchen Schritt.

Unter Modi buhlt Indien energisch um Auslandsinvestitionen und neue Fertigungsstätten, die dem Land neue Arbeitsplätze mit dem Ziel eines nachhaltigen Langfristwachstums bescheren sollen. Apple hatte im Januar eine Genehmigung für einen eigenen Store in Indien erbeten, was die Sichtbarkeit der Kalifornier deutlich erhöhen würde.

Indien erleichtert Direktinvestitionen

Im Juni lockerte Indien dann seine Auflagen für ausländische Direktinvestitionen in mehreren Branchen. Ausländische Ein-Marken-Firmen wie Apple können jetzt Läden aufmachen, sofern sie nach drei Jahren mindestens 30 Prozent der Komponenten aus dem Inland beziehen. Das könnte Apple noch ziemlich herausfordernd werden, da es in Indien nur wenige High-Tech-Produzenten gibt. Von daher ist die Eigenproduktion in Indien ein Ausweg, so einer der Beamten. Momentan vertreibt Apple seine Geräte über ein Netz von indischen Distributeuren und Einzelhändlern.

Noch fertigt Apple hauptsächlich in China, vorrangig durch Foxconn. Doch auch Konkurrenten wie Samsung und Chinas Xiaomi stellen inzwischen für den lokalen Markt auch vor Ort her. Als Zeichen, wie wichtig Apple Indien ist, reiste Cook im Mai in das Land. Im vergangenen Quartal musste das Unternehmen erstmals seit 15 Jahren einen Umsatzrückgang verkraften. Dagegen gewinnen die Umsätze in Indien an Fahrt, wie Cook bei seiner Reise einräumte.

Mit einem eigenen Apple-Store könnten die Kalifornier den Käufern bessere Erlebniswelten bieten, meint Analyst Ishan Dutt von Canalys aus Singapur. Das sei für Apple immer ein Schlüssel zum Erfolg gewesen. Noch kauften viele Inder ihre Apple-Produkte in Tante-Emma-Läden, kleinen Elektronik-Ständen und online.