In einer Rede vor 350 PR-Verantwortlichen des Konzerns schlug Winterkorn neue Töne an, die einen deutlich radikaleren Konzernumbau erwarten lassen, als bisher angenommen. “Es gibt keine Zweifel: Die Automobilwelt steht am Vorabend eines historischen Umruchs”, sagte der Konzernchef laut einem Bericht des ‘Handelsblatts’. “Beweger statt Bewahrer, Mobilitätsberater statt reiner Autobauer – das sind die Koordinaten, an denen wir uns in Zukunft ausrichten”, so Winterkorn weiter.

Bisher galten Massenhersteller wie Toyota oder General Motors als schärfste Konkurrenten um die Vormachtstellung im Autobau. Heute seien es Akteure wie Google, Apple oder der chinesische Technologiekonzern Baidu, die Volkswagen die Position streitig machen wollen. “Die Digitalisierung und die Elektromobilität stellen unser etabliertes Geschäftsmodell in Frage”, wird Winterkorn zitiert. Die neuen Akteure wollten “uns die Deutungshoheit in Sachen Auto streitig machen.”

Zu den neuen Konkurrenten zählt auch der US-Elektroautobauer Tesla. Das Model S hat sich in kürzester Zeit vom Totgesagten zu einem Objekt der Begierde entwickelt – nicht zuletzt wegen der innovativen Vernetzung und Kommikationsmöglichkeiten der Limosine. So kommunizieren Tesla-Fahrer etwa über ein großes Touchscreen mit ihrem Fahrzeug. Softwareupdates werden von der Tesla-Zentrale aus kabellos quasi über Nacht auf die Fahrzeuge aufgespielt, ohne dass der Besitzer irgendetwas dafür tun müsste.

So etwas gab es in Wolfsburg bisher nicht – im Gegenteil. Wer in jüngster Zeit die Software deutscher Autohersteller verwendet hat, kam sich in Zeiten von iPhone und co. vor wie an einem Geldautomat in den Neunzigerjahren. Das kommende System Auto dürfte hingegen auf einem vernetzten und intergrierten Betriebssystem über das eigentliche Fahrzeug hinaus basieren.

Karoline Kopp