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Apple will sich wieder behaupten, während sich allerdings die Art und Weise verändert, wie die Konsumenten Fernseher schauen, Nachrichten lesen und Musik hören. - Bild: kru

Apple will die Kontrolle darüber wiedererlangen, wie die Nutzer Medien auf den Geräten des Elektronikherstellers konsumieren.

Der kalifornische Technologieriese hatte als Pionier mit den iTunes-Downloads den Weg zur digitalen Musik geebnet. Doch dann kamen Neuankömmlinge wie Spotify, die eine neue Art, Musik auf Abruf anzuhören, populär machten.

Apple baute zudem mit Newsstand ein integriertes Kaufangebot für News Apps auf allen Apple-Geräten in seine mobile Software ein. Doch die Nutzer gehen selten darauf ein. Dienste wie Flipboard offerieren einen nahtloseren Ansatz, gesammelte Nachrichten zu lesen.

Rückschlag des Unternehmens

Am Montag schlug das Unternehmen zurück – in der Hauptrede stellte Apple-Chef Tim Cook auf der Entwicklerkonferenz WWDC in San Francisco Apple Music vor. Der Service vereinigt Musik-Streaming auf Abruf und Abonnementsbasis, einen globalen Internetradiosender rund um die Uhr und einen Dienst für Künstler, um sich mit den Zuhörern kurzzuschließen.

Gleichzeitig präsentierte die Firma eine App namens News, die in der anstehenden Aktualisierung ihrer iOS-Mobilsoftware enthalten sein wird, die in diesem Herbst eingeführt wird. News fasst Artikel von Medienunternehmen wie ESPN, der “New York Times” und Condé Nast zusammen und präsentiert sie in einem einheitlichen Format im Stil eines digitalen Magazins.

Apple hat mindestens einen weiteren Service für Inhalte in Arbeit – einen Fernseh-Streaming-Dienst, der am Montag noch nicht vorgestellt wurde, aber vor Jahresende eingeführt werden könnte.

“Es ist interessant zu sehen, wie Apple die Kontrolle über Inhalte wiederzuerlangen versucht”, sagt der Technologieanalyst Jan Dawson, der die Firma Jackdaw Research leitet. “Es scheint so, als wäre Apple in den letzten Jahren in einem Schwebezustand verharrt, ziellos treibend. Die Musik ist zum Streaming übergegangen. Video ist zu den Abos übergegangen, und Apple hat sich zurückgelehnt und dem allem zugeschaut.”

Verstärkung von Schnittstelle

Alles in allem unterstreichen die Initiativen die Rolle von Apple an der Schnittstelle von Medien und Technologie. Einst ein Pionier, läuft Apple nun Gefahr, wie bei der Musik den Anschluss zu verlieren. Die Aktien von Apple sanken am Montag um 85 Cents auf 127,80 Dollar, aber im Jahresverlauf haben sie um 16 Prozent zugelegt.

Apple will sich wieder behaupten, während sich allerdings die Art und Weise verändert, wie die Konsumenten Fernseher schauen, Nachrichten lesen und Musik hören. Dabei will die Firma Nutzen aus den Abermillionen von iTunes-Konten, Smartphones und Tablets ziehen.

“Da ist diese Idee, bei einer neuen Generation mit Musik anzukommen”, sagt Horace Dediu, Gründer der Forschungsfirma Asymco. “Und diese Generation kauft keine Musik, sondern streamt sie.”

Apple´s Musik-Streaming-Abodienst

Der Musik-Streaming-Abodienst von Apple wird nach Angaben des Unternehmens 9,99 Dollar pro Monat kosten. Drei Monate zum Ausprobieren sollen kostenlos sein. Damit wäre die Offerte ähnlich dem anzeigenfreien Angebot von Spotify. Familien können einen einzigen Account für bis zu sechs Mitglieder für 14,99 Dollar im Monat nutzen.

Die Firma habe vor der Ankündigung eine Übereinkunft mit drei führenden Musikverlagen erreicht, sagte Eddy Cue, leitender Vizepräsident von Apple, der die Internetdienste und -software betreut.

neuer Live-Radiosender

Zudem plant Apple den Live-Radiosender Beats 1 zu starten. Er wird 24 Stunden am Tag mit DJs in Los Angeles, New York und London senden und in mehr als 100 Ländern zu hören sein. Apple wird auch genrespezifische Sender anbieten, die von Indie Rock bis klassischer Musik reichen und von anderen DJs bestückt werden.

“Die große Mehrheit der Menschen auf der Welt abonniert Musik nicht, also denken wir, dass es da echte Chancen gibt”, meinte Cue in einem Interview mit dem Wall Street Journal. “Wir versuchen etwas zu tun, das größer ist als Streaming, das größer ist als Radio.”

ab dem 30.06.

Laut Apple wird der Musikdienst ab dem 30. Juni auf Apple-Geräten erhältlich sein. Er soll im Verlauf dieses Jahres auch auf Geräten angeboten werden, die auf dem Betriebssystem Android von Google laufen.

Bei Nachrichten zielt Apple darauf ab, den Nutzern eine einzige Anlaufstelle zu bieten. Dort sollen sie die Nachrichten von einer Vielzahl von Verlagen finden, anstatt sich durch einzelne Apps zu klicken. Nach Angaben von Cue will Apple Nachrichtenorganisationen dabei helfen, Artikel in ansprechenden Layouts zu veröffentlichen, die gut bei mobilen Geräten funktionieren.

Apple zieht nach

Die Apple-Initiative kommt einen Monat, nachdem Facebook eine Nachrichtenpartnerschaft namens Instant Articles eingeführt hat. So können Verleger von NBC News bis hin zu National Geographic ihre Inhalte direkt auf der Neuigkeiten-Seite von Facebook anzeigen, anstatt Leser auf ihre eigenen Websites verlinken zu müssen. Laut Apple können die Verleger 100 Prozent der Werbeeinnahmen, die sie selbst verkaufen, behalten. Außerdem erhalten sie 70 Prozent der Werbeeinnahmen, die von der iAd-Plattform von Apple generiert werden.

Apple hat zudem ein Merkmal namens “Proaktiver Assistant” beim iOS 9, der nächsten Version seines Mobilbetriebssystems, eingeführt. Das Feature werde basierend auf der Nutzung in der Vergangenheit vorschlagen, Apps zu starten oder Menschen zu kontaktieren. Zusätzlich wird die Funktion mit der Zeit zum Beispiel lernen, welche Musikvorlieben der Nutzer hat.

Damit gleicht die Funktion Google Now, das den Nutzern relevante Informationen zu dem Augenblick bereitstellen will, zu dem sie am nützlichsten sind. Allerdings werde im Gegensatz zu Google Now die Information auf dem Gerät des Nutzers verarbeitet, nicht den Werbetreibenden weitergegeben und nicht mit anderen Apple-Diensten verknüpft, teilte Apple mit.

Außerdem kündigte Apple die Ausdehnung seiner mobilen Zahldienste Apple Pay und einige Verbesserungen für die Apple Watch an.

Apple Pay akzeptiere nun auch Karten von Discover Financial Services und eigene Karten von bestimmten Einzelhändlern. Apple Pay soll im kommenden Monat auf Großbritannien ausgedehnt werden. Dort soll das Zahlsystem an mehr als 250.000 Standorten, darunter dem Londoner Verkehrsverbund, angenommen werden.

Für die Apple Watch kündigte das Unternehmen weniger als zwei Monate nach dem Erstverkauf der Uhr eine bedeutende Softwareaktualisierung an. Wichtigste Änderung ist die Fähigkeit der Apps, direkt auf der Uhr zu laufen. Bisher mussten Watch-Apps auf einem iPhone laufen, wodurch die Leistung einiger Apps beeinträchtigt wurde.

Dow Jones Newswires/Andrea Hecht