Schweißer in der Metallindustrie

Dürfen ihre Arbeitszeit verkürzen: Arbeitnehmer aus der Metallindustrie. - Bild: Pixabay

"Mehr Selbstbestimmung bei der Arbeitszeit" lautete im Februar eine zentrale Botschaft der IG Metall zum gerade abgeschlossenen Tarifvertrag für die Metall- und Elektroindustrie. Der Pilotabschluss aus Baden-Württemberg wurde für die bundesweit 3,9 Millionen Beschäftigten der Branche übernommen - und mit ihm die Möglichkeiten zur Verkürzung der individuellen Arbeitszeit ab 2019.

Bis einschließlich Mittwoch (31. Oktober) sollen die Mitarbeiter dazu die entsprechenden Anträge einreichen. Doch die Arbeitgeber warnen bereits vor einem zu großen Zuspruch, denn ohne Ersatzkräfte werde man den Verkürzungen nicht zustimmen können.

Im Kern geht es für Zehntausende Beschäftigte um die Möglichkeit, für einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren auf nur noch 28 Wochenstunden (verkürzte Vollzeit) zurückzugehen. Die zweite Komponente sind acht zusätzliche freie Tage pro Jahr für bestimmte besonders belastete Personengruppen.

Eltern junger Kinder im Alter von bis zu bis acht Jahren, Schichtarbeiter und Beschäftigte, die Angehörige zuhause pflegen, können die freien Tage erhalten, wenn sie im Gegenzug auf die 2019 erstmals fällige tarifliche Sonderzahlung verzichten.

Fachkräftemangel bereitet Sorgen

Beide Vereinbarungen sind allerdings an eine ganze Reihe von individuellen und kollektiven Voraussetzungen geknüpft. Die Beschäftigten müssen beispielsweise bereits seit längerer Zeit im Betrieb sein, und es gibt eine betriebsbasierte Quote von 10 Prozent für die Verkürzer.

Die Arbeitgeber pochen grundsätzlich darauf, dass jeder Freistellungstag von einem gleich qualifizierten Mitarbeiter durch längere Arbeitszeiten ausgeglichen werden müsse. "Der große Fachkräftemangel und die gute Auftragslage erzwingen das leider aktuell. Die Unternehmen können schlicht kein Arbeitszeitvolumen hergeben", erklärte ein Sprecher von Gesamtmetall in Berlin. "Der Arbeitgeber hat nach dem neuen Tarifvertrag das Recht, Anträge schlicht abzulehnen, wenn keiner länger arbeiten will."

Klar ist auf der anderen Seite aber auch, dass schlecht ausgelastete Unternehmen dazu neigen werden, die Regelung für alle Beschäftigten zu öffnen.

Die IG Metall hielt sich am Dienstag mit konkreten Aussagen noch zurück. Unter den Schichtarbeitern gebe es ein großes Interesse an den freien Tagen, erklärte der Erste Vorsitzende Jörg Hofmann bei einer Konferenz in Bonn. Der baden-württembergische Bezirksleiter Roman Zitzelsberger mahnte zur Ruhe.

Er empfehle dringend, die Umsetzung der Arbeitszeitverkürzung in einer gemeinsamen Anstrengung anzugehen. Denn: "Die Mitarbeiter übernehmen seit Jahren ohne Murren jede Sonderschicht." Diese Bereitschaft zur Flexibilität drohe sonst zu sinken, sagte Zitzelsberger.

"Grundstein für ein flexibles Arbeitszeitsystem"

Die Firmen haben sich eine ganze Reihe von Möglichkeiten herausverhandelt, mit denen zusätzliches Arbeitsvolumen in den Betrieben geschaffen werden kann. So können sie trotz geltender 35-Stunden-Woche leichter als bislang Mitarbeiter mit 40-Stunden-Verträgen ausstatten und zudem über Arbeitszeitkonten pro Arbeitnehmer 50 Überstunden auszahlen - normalerweise eine Maßnahme, die Gewerkschafter überhaupt nicht mögen. Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger sprach in einer Handreichung für seine Mitglieder von einem "Grundstein für ein flexibles Arbeitszeitsystem für das 21. Jahrhundert".

Wie viele Beschäftigte die neuen Möglichkeiten konkret nutzen wollen, wird sich erst in den nächsten Wochen herausstellen, wenn Gewerkschaft und Verbände Rückmeldungen aus den großen Betrieben erhalten. Schon nach den Erfahrungen bei der Deutschen Bahn wird jedoch ein großes Interesse an kürzeren Arbeitszeiten erwartet.

Nach dem Tarif der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft können die Bahner seit diesem Jahr entscheiden, ob sie 2,6 Prozent mehr Geld, eine Stunde weniger Wochenarbeitszeit oder sechs Tage mehr Urlaub haben wollen. 56 Prozent wählten die freien Tage, nur 42 Prozent wollten die Lohnerhöhung. Die Bahn sucht seitdem noch intensiver nach Arbeitskräften.

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