Laut Spectaris soll von EU-Seite bei TTIP keine Harmonisierung der Marktzugangsverfahren für

Laut Spectaris soll von EU-Seite bei TTIP keine Harmonisierung der Marktzugangsverfahren für Medizintechnik beabsichtigt sein. - Symbolbild: Siemens AG.

Von Nico Schmidt, Dow Jones Newswires

FRANKFURT (ks)–Sowohl die Bestellungen als auch die Einnahmen legten in den Monaten zwischen April und Juni zu. Unter dem Strich blieb dem DAX-Konzern 462 Mio Euro Gewinn, im Vergleich zum Vorjahr ist das noch etwa ein Drittel. Die Prognose für das Geschäftsjahr bekräftigten die Münchener am Donnerstag, kamen aber auch erneut auf die trüberen Wachstumsaussichten zu sprechen.
“Unsere Märkte sind zwar weiter robust, aber die Risiken des weltwirtschaftlichen Umfelds nehmen derzeit eher zu”, erklärte Konzernchef Peter Löscher, dessen Vertrag erst am Mittwoch um weitere fünf Jahre verlängert worden ist. Man gehe operative Herausforderungen aber konsequent an. Finanzvorstand Joe Kaeser hatte bereits kurz vor Quartalsultimo zum wiederholten Male vor übertriebenem Optimismus gewarnt und gesagt, der Rückenwind der Krisenerholung sei vorbei, so dass stärkere Anstrengungen erforderlich seien, um weiter zu wachsen.
Im dritten Quartal des bis Ende September laufenden Geschäftsjahres 2010/11 lief es noch rund für Siemens: Die Bestellungen stiegen vor allem dank eines anteilig verbuchten Großauftrags der Deutschen Bahn um ein Fünftel auf 22,94 Mrd Euro, die Einnahmen um 2% auf 17,84 Mrd Euro. Der vergleichsweise schwache US-Dollar verhinderte stärkere Zuwächse. Damit schnitt das Industriekonglomerat erwartungsgemäß ab, der Auftragseingang entwickelte sich sogar etwas besser.
Aufgrund von Sondereffekten ging der Gewinn jedoch zurück: Nach Steuern und aus dem fortgeführten Geschäft verdiente Siemens nur noch 763 (1.428) Mio Euro. Belastend wirkte unter anderem eine Strafe, zu der ein französisches Schiedsgericht Siemens im Zusammenhang mit dem Ausstieg aus dem Atom-Joint-Venture mit dem französischen Ex-Partner Areva verdonnert hatte; sie schlug mit 682 Mio Euro zu Buche.
Zudem fiel im Medizintechnikbereich eine Belastung in Höhe von 381 Mio Euro an. Der Hintergrund: Mitte des Monats hatten Siemens und der Kooperationspartner Rhön-Klinikum das Aus für ein Entwicklungsprojekt im Bereich der Partikeltherapie erklärt. Zur Begründung hieß es, die Technologie zur Krebs-Bekämpfung sei entgegen den Erwartungen nicht ausgereift genug, um sich wirtschaftlich sinnvoll bewerkstelligen zu lassen.
Auch die inzwischen verkaufte IT-Sorgensparte SIS schlug erwartungsgemäß einmal mehr ins Kontor und verursachte eine Belastung in Höhe von 350 Mio Euro.
Ergebnisseitig verfehlte Siemens damit die Markterwartungen deutlich, wobei zuletzt nicht klar war, ob und inwieweit die Belastungen im Zusammenhang mit der Partikeltherapie in den Schätzungen der Analysten berücksichtigt worden sind.
Siemens befindet sich inmitten eines neuerlichen Konzernumbaus, von dem vor allem die Industrie-Sparte betroffen ist. So soll nicht nur die Licht-Tochter Osram an die Börse gebracht werden, sondern auch ein neues Kernsegment gegründet, das sich vor allem der zunehmenden Urbanisierung und Infrastrukturinvestitionen widmen wird. Mit der neuen Aufteilung in dann insgesamt vier Hauptgeschäftsfelder – Infrastructure & Cities, Industry, Energy und Healthcare – will Siemens-Chef Löscher mittelfristig die 100-Mrd-Euro-Marke beim Umsatz knacken.
Im Geschäftsjahr 2010/11 (per Ende September) peilt Siemens weiter einen Anstieg der Erlöse im mittleren einstelligen Prozentbereich an. Im Jahr davor waren es knapp 69 Mrd Euro gewesen. Auch der Auftragseingang soll stark zulegen. Zudem wird ein Nettogewinn aus dem fortgeführten Geschäft von mindestens 7,5 Mrd Euro erwartet – ohne Berücksichtigung der Areva-Strafe. Das entspräche einem Anstieg um drei Viertel.
Nach neun Monaten stehen bereits knapp 5,8 Mrd Euro zu Buche. “Wir sind im dritten Quartal weiter gewachsen und auf Kurs, unsere Ziele für das Geschäftsjahr 2011 zu erreichen”, sagte Löscher.