• Seinem Ziel, den Mars zu kolonialisieren, ist SpaceX-Gründer Elon Musk noch fern. Erst muss er seinen dritten Raketen-Crash innerhalb von 8 Monaten verarbeiten. Doch es geht weiter. - Bild: SpaceX

    Seinem Ziel, den Mars zu kolonialisieren, ist SpaceX-Gründer Elon Musk noch fern. Erst muss er seinen dritten Raketen-Crash innerhalb von 8 Monaten verarbeiten. Doch es geht weiter. - Bild: SpaceX

  • Als „herben Schicksalsschlag“ empfand SpaceX-Gründer Elon Musk den Absturz seiner Falcon 9 am 28. Juni, so .. - Bild: SpaceX

    Als „herben Schicksalsschlag“ empfand SpaceX-Gründer Elon Musk den Absturz seiner Falcon 9 am 28. Juni, so .. - Bild: SpaceX

  • Der Raumfrachter Dragon Spacecraft von SpaceX nähert sich der ISS. - Bild: NASA

    Der Raumfrachter Dragon Spacecraft von SpaceX nähert sich der ISS. - Bild: NASA

  • Der Brite Sir Richard Charles Branson gründete gemeinsam mit Burt Rutan Virgin Galactic, das erste Raumfahrtunternehmen, das Privatpersonen ins All bringen möchte. - Bild: Virgin Galactic

    Der Brite Sir Richard Charles Branson gründete gemeinsam mit Burt Rutan Virgin Galactic, das erste Raumfahrtunternehmen, das Privatpersonen ins All bringen möchte. - Bild: Virgin Galactic

  • 700 Menschen buchten bereits Flugtickets zu je 250 000 Dollar, um einen Flug in den Weltraum erleben zu können, doch bis heute musste der Start der Virgin Galactic immer wieder verschoben werden. - Bild: Virgin Galactic

    700 Menschen buchten bereits Flugtickets zu je 250 000 Dollar, um einen Flug in den Weltraum erleben zu können, doch bis heute musste der Start der Virgin Galactic immer wieder verschoben werden. - Bild: Virgin Galactic

  • Robert T. Bigelow will gemeinsam mit Elon Musk Kunden mit Falcon-Raketen zu Bigelow-Stationen im Orbit befördern. 2016 sollen die neuen Module lieferbar sein. - Bild: Bigelow Aerospace

    Robert T. Bigelow will gemeinsam mit Elon Musk Kunden mit Falcon-Raketen zu Bigelow-Stationen im Orbit befördern. 2016 sollen die neuen Module lieferbar sein. - Bild: Bigelow Aerospace

  • Vorgänger des Weltraum-Habitats BEAM ist die Alpha Station von Bigelow Aerospace. Zubringer der beiden Module sind links ein Dragon und rechts eine CST-100. Mietkosten für zwei Monate: etwa 25 Mio Dollar. - Bild: Bigelow Aerospace

    Vorgänger des Weltraum-Habitats BEAM ist die Alpha Station von Bigelow Aerospace. Zubringer der beiden Module sind links ein Dragon und rechts eine CST-100. Mietkosten für zwei Monate: etwa 25 Mio Dollar. - Bild: Bigelow Aerospace

  • Neben Bigelow verfolgte auch die NASA in den 90er Jahren die Konzeption von aufbasbaren Habitaten für Astronauten oder andere Reisende im All. - Bild: NASA

    Neben Bigelow verfolgte auch die NASA in den 90er Jahren die Konzeption von aufbasbaren Habitaten für Astronauten oder andere Reisende im All. - Bild: NASA

  • Der aus dem Fernsehen bekannte Bill Nye ist Gesicht und CEO der Planetary Society. Ihm gelang es über Kickstarter 1 241 615 Dollar für LightSail zu sammeln. - Bild: Planetary Society

    Der aus dem Fernsehen bekannte Bill Nye ist Gesicht und CEO der Planetary Society. Ihm gelang es über Kickstarter 1 241 615 Dollar für LightSail zu sammeln. - Bild: Planetary Society

  • Am 20. Mai flog das 5 kg schwere LightSail an Bord einer Atlas 5 Rakete ins Weltall. Nach einigen Startschwierigkeiten mit der Kommunikation, der Software und der Batterie entfaltete es sich am 7. Juni. - Bild: Planetary Society

    Am 20. Mai flog das 5 kg schwere LightSail an Bord einer Atlas 5 Rakete ins Weltall. Nach einigen Startschwierigkeiten mit der Kommunikation, der Software und der Batterie entfaltete es sich am 7. Juni. - Bild: Planetary Society

Raumfahrt in den USA und Raumfahrt im Rest der Welt unterscheiden sich in einem Punkt fundamental. Während sie woanders Staatsangelegenheit ist und die Budgets für Raumfahrtprojekte unter der strengen Verwaltungshoheit von Weltraumbehörden stehen, gestalten sie in den USA Privatpersonen autark.

“In den USA gibt es viele private Luft- und Raumfahrtunternehmen wie Boeing, McDonnell Douglas oder Raytheon. Sie alle erhalten staatliche Aufträge für Entwicklung und Produktion, auch von der NASA. Neu ist, dass nun auch Unternehmer wie Richard Branson oder Elon Musk auftauchen und Raumfahrttechnologie in Eigenregie herstellen”, sagt Andreas Schütz, Leiter Presse, DLR.

Planetary Society
Sogar raumfahrtbegeisterter Laien setzen auf der anderen Seite des Atlantiks ernstzunehmende Projekte wie das LightSail um; ein Projekt der Planetary Society.

Elon Musk und SpaceX
An erster Stelle zu nennen ist sicherlich Elon Musk. Der vielseitige Unternehmer gründete 2002 SpaceX und entwickelte die Dragon-Kapsel und die Falcon 9-Rakete. “Musk wagt eine völlig neue Herangehensweise: er will die dritte Stufe der Rakete wieder landen lassen. Bislang gab es drei Versuche und nach jedem Fehlstart ist die Rakete besser geworden. Er nähert sich immer mehr seinem Ziel, vertikale Starts und vertikale Landung hinzubekommen. Die Entwicklung erfolgt auf privater Basis inklusive sämtlicher Vorinvestitionen”, schwärmt Schütz.

Sir Richard Branson und Virgin Galactic
Eine weitere schillernde Person der Branche ist Sir Richard Branson. Er gründete 2004 Virgin Galactic. Sein Raumflugzeug SpaceShipTwo soll suborbitale Raumflüge durchführen und später für den Weltraumtourismus genutzt werden. Noch allerdings ist Branson dabei, einen weiteren Crash seines Raumflugzeugs, der einem Piloten das Leben kostete, aufzuarbeiten.

LightSail
The Planetary Society hingegen ist eine gemeinnützige Organisation, in der sich Privatpersonen zusammengeschlossen haben. Das aktuelle Projekt LightSail wird über Kickstarter finanziert. “Eigentlich ist das Konzept recht einfach: Ein Sonnensegel im Weltall funktioniert im Prinzip so wie das Segel eines Schiffs auf der Erde. Im Weltall gibt es keinen Wind, aber es gibt Licht! Das hat zwar keine Ruhemasse, aber es hat Energie und es hat einen Impuls. Und kann deswegen auch Energie auf ein ‘Segel’ übertragen”, erklärt Florian Freistetter.

Er ist Wissenschaftsautor, Astronom und Profi-Blogger zu Weltraumthemen. Wenn das Segel sehr groß ist und das Raumfahrzeug, das es antreiben soll, entsprechend leicht, dann funktioniert das Konzept. Und es hat einen unschlagbaren Vorteil: Der Antrieb durch das Sonnenlicht ist immer vorhanden.

Robert Bigelow und Bigelow Aerospace
Eine weitere Unternehmerpersönlichkeit ist Bigelow Aerospace Gründer Robert Bigelow. Der reiche Hotel-Taycoon stellt aufblasbare Raumstationsmodule her. Sie dienen Astronauten als Wohnstätte im All. Im September soll eines davon zur ISS gebracht werden.

“Rockets are tricky.”
Nur auf dem Nordamerikanischen Kontinent nehmen Privatpersonen große Summen Geld in die Hand, um ihre Vorstellung von Raumfahrt zu verwirklichen. Die drei Genannten haben alle bereits mit anderen Unternehmen viel Geld verdient. Musk ist der Erfinder des Bezahldienstes PayPal, der Milliardär Branson gründete das Plattenlabel Virgin und eine Fluglinie, Bigelows Vermögen stammt aus einer Hotelkette. Das unternehmerische Risiko tragen zu 100 % sie selbst – ‚no risk, no fun‘. Elon Musk twitterte kurz nach dem Zerschellen seiner Falcon 9R bei einem Landeversuch lapidar “Rockets are tricky.” In der Äußerung offenbart sich die Einstellung dieses amerikanischen Unternehmertyps deutlich. “Die amerikanische Einstellung, ich bin Pionier und will etwas Neues erreichen – das ist Elon Musk. Die Einstellung ist faszinierend”, sagt Schütz.

Visionen
Jede der genannten Persönlichkeiten greift das Thema Raumfahrt auf sehr emotionale Art auf. Branson präsentiert sein Unternehmen mit den Worten: “Wir sind hier, weil wir glauben, als Vorhut einer neuen Industrie die Zukunft der Weltraumerforschung zu definieren und den Weltraum für mehr Menschen und mehr Zwecke als jemals zuvor endgültig zu erschließen.”

Die Katastrophe der US-Raumfähre Columbia
Allein die Überzeugung ist kein Erfolgsgarant, so der Raumfahrtexperte Schütz: “Es fing mit der Katastrophe der US-Raumfähre Columbia im Jahr 2001 an, dann folgte die Aufkündigung des Space Shuttle-Programmes.” In Folge konnte Elon Musk fähige Ingenieure gewinnen, die teilweise die Pläne für eine Trägerrakete in der Schublade hatten. “Aus Kostengründen konnten sie diese vorher allerdings nicht umsetzen,” so Schütz. Die Delta-Rakete war zu groß und in ihren Varianten zu schwer. Andere Raketen waren über Jahre ausgebucht. Das heißt, der NASA fehlte eine eigenen Trägerrakete. “Musk und seine Ingenieure ergriffen ihre Chance”, erläutert er.

Keine klassische Raumfahrt
Doch um die Branche zu revolutionieren, reichen Geld und Wille alleine nicht, sagt Freistetter: “SpaceX macht klassische Raumfahrt, nicht etwas, was man als innovatives großes Abenteuer der Menschheit bezeichnen könnte. Und die Passagierflüge von Branson sind nicht eigentlich Raumfahrt ­– sie enden am Beginn des Alls,” sagt Freistetter.

Florian Freistetter: ‘Asteroid Now’
Er bemängelt, dass der Weg ins All ausschließlich mit treibstoffgetriebenen Raketen vonstattengeht. “Die Problematik ist, dass man bei der klassischen Raumfahrt den Treibstoff der Rakete mitnehmen muss. Ein Großteil des Gewichtes, das nach oben bewegt werden muss, besteht aus Treibstoff. Das macht die Raumfahrt so teuer. Meiner Meinung nach könnten viel mehr der science-fictionhaft anmutenden Projekte im Weltall umgesetzt werden, wenn es gelänge, einen anderen Weg ins All zu finden.”

In seinem neuen Buch ‘Asteroid Now’ setzt er sich mit dieser Problematik auseinander. Allein das LightSail sei eine rühmliche Ausnahme. Den Ausgang dieses Experiments beobachtet er aufmerksam. Sollte der aktuelle Test erfolgreich verlaufen, geht es 2016 erneut an den Start. Die Trägerrakete wird eine Falcon sein.

Epizentrum der Raumfahrt
Die amerikanischen Pioniere setzen so manches in Bewegung, doch gab es auch schon andere Zeiten, so Schütz: “Was die Kommerzialisierung in dem Sinne der Amerikaner angeht, sind wir noch nicht soweit. Doch was sagt uns das? In den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts entstand in Deutschland unter anderem mit Hugo Junkers ein Epizentrum der zivilen Luftfahrt. Jetzt hat sich in Amerika ein Epizentrum der privaten Raumfahrt entwickelt. Was in den nächsten zehn oder zwanzig Jahren passiert, wissen wir nicht.”

Sabine Spinnarke