FRANKFURT (DJ/gk). Der Hannoveraner Automobilzulieferer erwirtschaftete mit Elektronikbauteilen, Fahrzeugkomponenten und Reifen nach zwei Jahren mit Milliardenverlusten unter dem Strich 576 Mio EUR, wie der MDAX-Konzern am Donnerstag auf Basis vorläufiger Zahlen in Frankfurt mitteilte. Das war deutlich mehr, als die von Dow Jones Newswires befragten Analysten erwartet hatten. Die Aktionäre, allen voran der fränkische Wälzlagerhersteller Schaeffler, sollen dennoch wie angekündigt zum dritten Mal in Folge leer ausgehen.

Wie Conti bereits im November angekündigt hatte, konnte das Ergebnis des vergangenen Jahres wegen unerwartet hoher Zahlungen an das Finanzamt etwa durch steuerlich nicht verrechenbare Verluste in den USA und Deutschland mit Gewinnen in China oder Brasilien nicht mit der guten Geschäftsentwicklung mithalten. Mit einem Umsatz von 26,0 Mrd EUR hatten die Hannoveraner nicht nur den Vorjahreswert um mehr als ein Viertel übertroffen, sondern auch ihr selbstgestecktes Ziel von mehr als 25 Mrd EUR. Auch operativ legte Conti deutlich zu. Der Zulieferer steigerten seinen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf den Firmenwert der einstigen Siemens VDO im Vergleich zum Vorjahr auf 2,5 Mrd von 1,2 Mrd EUR im Vorjahr.

Zwar belasteten Conti nach eigenen Angaben gestiegene Rohstoffkosten – alleine der Preisanstieg für Naturkautschuk schlug mit zusätzlichen 480 Mio EUR zu Buche -, außerdem die Schließung der Lkw-Reifenproduktion in Hannover, weitere Abschreibungen auf den Kaufpreis der einstigen Siemens VDO sowie hohe Zinsen für Kredite und Anleihen. Dennoch meldeten die Hannoveraner eine bereinigte Rendite (EBIT-Marge) von 9,7% nach 5,9% im Vorjahr.

Das Reifengeschäft erwies sich im vergangenen Jahr einmal mehr als verlässliche Einnahmequelle. Mit mehr als 20 Millionen verkauften Winterreifen weltweit fuhr Conti nach eigenen Angaben einen neuen Rekord ein.

Einen Etappensieg konnte Conti bei seiner schwächelnden Antriebssparte Powertrain vermelden. Sowohl im Schlussquartal als auch im Gesamtjahr 2010 habe die Division bereinigt operativ die Gewinnschwelle überschritten, erklärte der Vorstandsvorsitzende Elmar Degenhart. 2011 soll die Sparte, in der ein Großteil der 2007 übernommenen Siemens VDO aufging, beim bereinigten operativen Ergebnis schwarze Zahlen schreiben.

Erfolge konnten die Hannoveraner auch beim Schuldenabbau vermelden. Conti stand durch den VDO-Kauf Ende des Jahres 2009 noch mit knapp 8,9 Mrd EUR bei den Geldgebern in der Kreide. Die Erlöse aus der Kapitalerhöhung im Januar von gut 1 Mrd EUR und Anleihen im Wert von 3 Mrd EUR nutzte der Konzern zum Teil, um den Schuldenberg auf 7,3 Mrd EUR abzuschmelzen. Damit hat Conti sein Etappenziel erreicht, die Schulden bis Jahresende 2010 deutlich unter die Marke von 8 Mrd EUR zu drücken.