BMW wies für das erste Halbjahr einen enttäuschenden Absatzanstieg von nur 2,5 Prozent aus,

BMW wies für das erste Halbjahr einen enttäuschenden Absatzanstieg von nur 2,5 Prozent aus, während der chinesische Automarkt im gleichen Zeitraum um immerhin 4,8 Prozent wuchs. - Bild: BMW Group

Ampeln auf “Rot”: Nach den jüngsten schlechten Nachrichten vom chinesischen Automarkt wachsen die Sorgen von Herstellern und Analysten vor einer Eintrübung der Stimmung und einem branchenweiten Abschwung.

Am Montag warnte der BMW-Partner Brilliance China Automotive vor einem Einbruch des Gewinns nach Steuern und Dritten im ersten Halbjahr von rund 40 Prozent. Grund für die Gewinnwarnung waren höhere Vertriebskosten bei dem von beiden Partnern gleichberechtigt gehaltenen Gemeinschaftsunternehmen BMW Brilliance Automotive. Die Brilliance-Aktie handelte nach der Ankündigung in Hongkong 0,7 Prozent leichter, während der allgemeine Markt um 1,3 Prozent zulegte.

Ungewohnt schlechte Nachrichten aus dem Reich der Mitte

Für die Great Wall Motor ging es dagegen um 13 Prozent nach unten. Der Konzern hatte am Freitag die Platzierung von Aktien im Wert von 2,7 Milliarden US-Dollar ankündigte, um die Produktion auszuweiten. Das Angebot entspricht rund 13 Prozent des Aktienkapitals.

Die Nachricht von der geplanten Produktionsausweitung kam zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Kurz zuvor musste der chinesische Automobilverband mitteilen, dass die Neuwagenverkäufe im Reich der Mitte im Juni um 3,4 Prozent gefallen sind – der erste Rückgang seit mehr als zwei Jahren. Seit September 2012 sind die Verkäufe zudem nur in insgesamt drei Monaten gesunken.

Im Februar 2013 schrumpfte der Markt um 8,3 Prozent, das war aber nur einem Kalendereffekt geschuldet. Wegen Feiertagen blieben die Autohäuser länger geschlossen als ein Jahr zuvor. 2012 hatten politische Spannungen mit Japan sich auf den Absatz von japanischen Autos in China und damit auf den Automobilmarkt ausgewirkt. Doch diesmal gibt es allgemeinere Warnhinweise: Das Wachstum der Volkswirtschaft verlangsamt sich, die Aktienmärkte fallen und das Risiko von Überkapazitäten in der Produktion wächst. Für die Autobauer, die von dem jahrelangen soliden Wachstum in China verwöhnt sind, ist das eine Herausforderung.

BMW wies für das erste Halbjahr einen enttäuschenden Absatzanstieg von nur 2,5 Prozent aus, während der chinesische Automarkt im gleichen Zeitraum um immerhin 4,8 Prozent wuchs. Im Vorjahreszeitraum hatten die Verkäufe in China allerdings noch um kräftige 23 Prozent zugelegt.

Inzwischen schürt die Volatilität der Märkte die Unsicherheit. Einige Kunden stornierten ihre Aufträge, nachdem sie herbe Verlust mit ihren Aktieninvestitionen verbuchen mussten.

BMW setzt offenbar neue Anreize für Verkäufer

Um der Entwicklung entgegenzuwirken, greift BMW offenbar tief in die Tasche. Wie einige BMW-Händler dem Wall Street Journal berichten, belohnt der deutsche Premiumautobauer Händler, die 85 Prozent ihres Absatzziels für das zweite Quartal erreichen, mit bis zu 18.000 Yuan pro Fahrzeug, umgerechnet rund 2.600 Euro. In der Vergangenheit hätten die Händler für solche Gratifikationen mindestens 110 Prozent ihrer Ziele erreichen müssen, hieß es.

Die China-Tochter von BMW lehnte eine Stellungnahme zum Gewinnrückgang ihres Partners Brilliance ab. Ein BMW-Sprecher sagte, das Unternehmen habe seine Anreizpolitik geändert, um auf die rückläufige Nachfrage zu reagieren. Zu Einzelheiten wollte er sich nicht äußern.

Great Wall kündigte am Freitag an, die Erlöse aus der Aktienplatzierung zur Ausweitung der Produktionskapazität und zur Finanzierung von Forschung und Entwicklung von Öko-Autos nutzen zu wollen. Doch die Sorgen um die Aussichten des Konzerns angesichts eines branchenweiten Abschwungs und des harten Wettbewerbs schickten die Aktie an der Börse in Hongkong in den Keller.

“Great Wall hat auf den Nachfragerückgang und die aggressivere Preisstrategie der Wettbewerber mit Preissenkungen für ausgewählte Modelle reagiert”, sagte Nomura-Analyst Benjamin Lo. “Das wird sich vermutlich auf die Bruttomargen und den Gewinn auswirken.”

Dow Jones Newswires/Guido Kruschke