Die Eigentümer des Entwicklungsdienstleisters Edag planen eine Erstnotierung des Wiesbadener

Die Eigentümer des Entwicklungsdienstleisters Edag planen eine Erstnotierung des Wiesbadener Unternehmens in der zweiten Hälfte dieses Jahres. - Bild: Edag

In der deutschen Automobilbranche bahnt sich ein weiterer Börsengang an: Die Eigentümer des Entwicklungsdienstleisters Edag planen eine Erstnotierung des Wiesbadener Unternehmens in der zweiten Hälfte dieses Jahres.

Wie drei mit dem Vorhaben vertraute Personen Dow Jones Newswires sagten, bereitet unter anderem die Bank Morgan Stanley den Gang an die Börse vor.

Edag entwickelt für deutsche Autohersteller Fahrzeugteile und Produktionsanlagen. Das Unternehmen mit rund 7.600 Mitarbeitern setzte im vergangenen Jahr 690 Millionen Euro um. Den Börsenwert des Dienstleisters schätzen Experten auf etwa 1 Milliarde Euro.

Eigentümer von Edag sind über die Beteiligungsholding Aton derzeit der Helios-Kliniken-Gründer Lutz Helmig sowie dessen Ehefrau und seine beiden Töchter. Sie wollen nach den Angaben der Informanten das derzeit günstige Marktumfeld für den Börsengang nutzen. Eine Sprecherin von Aton lehnte allerdings jeden Kommentar zu den Informationen ab. Auch eine Sprecherin von Morgan Stanley kommentierte die Angaben nicht. Ein Edag-Sprecher war nicht zu erreichen.

Designideen und Prototypenbau

Edag entwickelt für Fahrzeughersteller nach eigenen Angaben etwa Designideen und baut Prototypen. Das Unternehmen ist damit auf Aufträge weniger Autokonzerne angewiesen: Edag beziffert den Umsatzanteil, den der Dienstleister allein durch Aufträge von Volkswagen erlöst, für das Jahr 2013 auf mehr als 20 Prozent. BMW und Audi nennt das Unternehmen als zweit- und drittbedeutendste Kunden.

Laut Geschäftsbericht der Beteiligungsholding Aton erwirtschaftete die Edag-Gruppe im vergangenen Jahr einen Gewinn vor Steuern und Zinsen in Höhe von 89,9 Millionen Euro und damit eine operative Marge von 13 Prozent. Den Gewinn haben im vergangenen Jahr den Angaben zufolge allerdings Sondereffekte aus einem Umbau der Konzernstruktur und aus Immobilienverkäufen um rund 30 Millionen Euro erhöht.

Über den möglichen Börsenwert von Edag gibt ein Vergleich mit dem ebenfalls als Entwicklungsdienstleister auftretenden MDAX-Konzern Bertrandt Aufschluss. Das Unternehmen ist bei einem operativen Jahresgewinn von rund 89 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2013/2014 nach Marktkapitalisierung mit etwa 1,2 Milliarden Euro bewertet. Vor dem Hintergrund sehen die Informanten den Wert von Edag bei rund 1 Milliarde Euro.

Wie die informierten Personen weiter sagten, planen die Eigentümer des Unternehmens den Börsengang für die zweite Hälfte dieses Jahres. Für einen Teil von Edag ist das eine Rückkehr auf das Handelsparkett: Edag hat im Jahr 2013 den Entwicklungsdienstleister Rücker vollständig übernommen, der zuvor börsennotiert gewesen war.

Die Pläne für eine Erstnotierung von Edag fallen in eine Zeit, in der Börsengänge in Deutschland wieder häufiger werden. Banker begründen das mit den an den Börsen jüngst gestiegenen Unternehmensbewertungen. Das Transaktionsvolumen deutscher Erstnotierungen war nach Daten von Dealogic in den ersten fünf Monaten dieses Jahres mit rund 1,2 Milliarden Euro denn auch mehr als doppelt so groß wie noch im Vorjahreszeitraum.

Schon im November des vergangen Jahres war der westfälische Automobilzulieferer Hella an die Börse gegangen. Die Aktie des Unternehmens hat sich seitdem um rund zwei Drittel verteuert.

Dow Jones Newswires/Guido Kruschke