Für 2011 wird weiterhin mit einer guten Geschäftsentwicklung für die Automobilzulieferindustrie gerechnet, ergab das neue „Global Automotive Barometer“ von A.T. Kearney und SupplierBusiness.

DÜSSELDORF (gk). Die weltweite Automobilzulieferindustrie hat das Jahr 2010 deutlich besser abgeschlossen als erwartet. Nachdem die Industrie noch vor einem Jahr mit einer Seit- statt einer Aufwärtsentwicklung gerechnet hatte, hat die Mehrzahl der Unternehmen im Gesamtjahr 2010 deutlich zweistellige Wachstumsraten realisiert. Für 2011 wird mit weiterhin guten Aussichten bei allerdings geringerem Wachstum gerechnet. Das geht aus der aktuellen „Global Automotive Barometer“-Studie der Managementberatung A.T. Kearney und Supplier Business hervor, zu der Mitte Dezember 2010 weltweit über 230 leitende Manager von Automobilzulieferern befragt wurden. Doch trotz des positiven Resümees und der guten Aussichten haben die Unternehmen auch anspruchsvolle Herausforderungen zu meistern.

Die Entwicklung des Marktes im Jahr 2010 hat die Erwartungen der Unternehmen deutlich übertroffen: Während vor einem Jahr nur 15 % der befragten Unternehmen Umsatzentwicklungen von mehr als 20 %  für 2010 erwarteten, haben zum Jahresende 60 % der Unternehmen solch hohe Zuwachsraten verzeichnet. Insgesamt 80 %  der Teilnehmer konnten ein zweistelliges Umsatzwachstum realisieren, nur 5 % verbuchten einen Rückgang.

Die Hauptgründe für die positive Entwicklung liegen vor allem in der starken Nachfrage in China und anderen Emerging Markets sowie in der deutlichen Erholung des amerikanischen Marktes. „Die Industrie hat 2010 von der hohen Zahl der Erstkäufer in den neuen Märkten profitiert sowie vom Nachholbedarf vor allem in den USA“, sagt Martin Haubensak, Partner in der globalen A.T. Kearney Automotive Practice. „Diese Trendumkehr konnte nur durch eine enorme Kraftanstrengung der gesamten Lieferkette realisiert werden.“

Auch das Jahr 2011 steht unter positiven Vorzeichen: Die Mehrheit der Zulieferer erwartet eine weitere Verbesserung des wirtschaftlichen Klimas in der Automobilindustrie und geht von einem steigenden Auftragseingang und von vermehrten Anfragen aus. Für 2011 erwarten 86 % für ihr globales Geschäft eine Umsatzsteigerung gegenüber 2010, dabei gehen über 60 % sogar von Steigerungen von mehr als 10 %  aus. Nur noch knapp ein Viertel indes erwartet ein Wachstum von mehr als 20 %.

Die Bewertung des Insolvenzrisikos hat sich im Vergleich zur Vorjahresbefragung nahezu umgekehrt: Während vor einem Jahr jeder zweite Befragte von einem Anstieg der Insolvenzen ausging und nur jeder Vierte an einen Rückgang glaubte, erwartet aktuell nur noch ein Viertel der Zulieferer eine Zunahme und knapp die Hälfte einen Rückgang der Insolvenzen. Auch für die Automobilhersteller sehen nur noch 21 % der Befragten eine Insolvenzgefahr, im April 2010 erwartete dies noch jeder Zweite.

Grundsätzlich bieten Krisen gute Chancen, um grundlegende Schwächen einer Industrie zu beheben. „Die Automobilzulieferindustrie hat die Chance, durch die Krise ihre Strukturprobleme zu bereinigen, nur teilweise genutzt“, sagt Martin Haubensak. 94 % der Befragten sind der Ansicht, dass die Automobilindustrie auch nach erfolgreicher Überwindung der Krise weiterhin strukturelle Probleme hat. Nur 6 % glauben, dass es keine strukturellen Probleme mehr gibt und nur ein Viertel der Befragten sieht die Industrie auf einem guten Weg, um stark und profitabel zu werden.

Verdeckt werden diese strukturellen Probleme teilweise von der positiven Dynamik, die von den Wachstumsmärkten ausgeht: Die Mehrheit der befragten Unternehmen geht davon aus, dass die Industrie mittel- bis langfristig vor allem aufgrund der positiven Wachstumsaussichten in den Emerging Markets prosperieren wird. Jedoch befürchten 45 % der Teilnehmer, dass in den nächsten fünf Jahren eine weitere Krise auf die Industrie zukommt.

Eine wesentliche Herausforderung der Zulieferindustrie bleibt die Sandwich-Position zwischen Rohmateriallieferanten und Automobilherstellern. Während die Einkaufspreise für die Zulieferer eine weiterhin steigende Tendenz aufweisen, wächst der Preisdruck der Automobilhersteller. Die Mehrheit der befragten Unternehmen erwartet, dass die Preise für  alle wichtigen Rohmaterialien im Jahr 2011 im Vergleich zum Vorjahr steigen werden.

Des Weiteren bewerten die befragten Unternehmen den Zugang zu Kapital als eine der Top-Herausforderungen für 2011. Trotz des unerwartet schnellen Aufschwungs muss weiterhin Vertrauen bei Banken und Investoren darin aufgebaut werden, dass sich die positive Entwicklung fortsetzt und attraktive Renditen im Zulieferbereich erwirtschaftet werden können.

An der Spitze der Top-Themen für 2011 stehen für die Zulieferer die Erzielung verbesserter Absatzpreise und die Steigerung der Produktivität. Ebenfalls von hoher Priorität sind Innovations-Management sowie die Senkung von Verwaltungskosten, die Steigerung der Entwicklungseffizienz und Verbesserungen im Management der Lieferkette.

„Neben einem klugen Einkaufs- und Kundenmanagement kommen Zulieferer nicht um eine weitere Effizienzsteigerung der internen Prozesse herum, um ihre Kosten- und Cash Flow-Situation zu verbessern“, so Ute Stahl, Co-Autorin der Studie.

Strategische Aktivitäten, die die Wertschöpfungstiefe betreffen, sind relativ betrachtet von geringerer Bedeutung für die Mehrheit der Unternehmen in 2011, werden aber trotzdem von etwa einem Drittel der Befragten als wichtig oder sehr wichtig angesehen.

„Das ‚Global Automotive Barometer‘ zeigt, dass die aktuelle Krise überwunden ist und die Industrie zuversichtlich nach vorne schaut. Doch trotz der positiven Aussichten müssen die Automobilzulieferer weiterhin an ihrer eigenen Fitness arbeiten, um vom zukünftigen Wachstum zu profitieren”, so Haubensak.