Der Chemiekonzern BASF peilt nach einem Spitzenjahr für 2011 weiteres Wachstum an, rechnet aber mit einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums im laufenden Jahr.


Von Heide Oberhauser-Aslan, Dow Jones Newswires

FRANKFURT (Dow Jones/ks)–BASF wolle 2011 den Umsatz und das Ergebnis der Betriebstätigkeit aus 2010 signifikant übertreffen, kündigte der DAX-Konzern am Donnerstag in Ludwigshafen an.

Dabei kann BASF beim Umsatz von der Konsolidierung des 2010 zugekauften Chemiekonzerns Cognis profitieren, der etwa 3 Mrd Euro zu den Erlösen beisteuern wird. Ohne die Berücksichtigung von Akquisitionen oder Devestitionen erwartet BASF in diesem Jahr nur noch einen leichten Umsatzanstieg.

BASF wolle 2011 erneut eine hohe Prämie auf die Kapitalkosten verdienen. “Wir sind optimistisch für das erste Quartal und das Gesamtjahr”, sagte Vorstandsvorsitzender Jürgen Hambrecht.

Sorgen bereiten BASF allerdings die aktuelle Lage in Libyen. In dem Land ist die Gas- und Öltochter Wintershall stark in der Ölförderung engagiert und förderte dort bisher bis zu 100.000 Barrel Öl täglich. Mittlerweile hat BASF wegen der Unruhen die Ölförderung in Libyen eingestellt. “Wir hoffen auf eine baldige Beruhigung in Libyen”, sagte Hambrecht.

2010 schloss der weltweit größte Chemiekonzern dank einer anhaltend kräftigen Nachfrage, Synergieeffekten aus der Ciba-Übernahme und Kostensenkungen mit Rekordwerten ab. Der Umsatz machte einen Sprung um 26% auf 63,9 Mrd Euro. Das EBIT vor Sondereinflüssen legte um 67,7% auf 8,1 Mrd Euro zu. Damit übertraf der DAX-Konzern die Vorkrisenwerte: Bislang den höchsten Umsatz hatte BASF 2008 mit 62,3 Mrd Euro erzielt, das höchste EBIT vor Sondereinflüssen war 2007 mit 7,6 Mrd Euro erreicht worden.

Nach Steuern und Minderheitsanteilen verdreifachte sich der BASF-Gewinn mit 4,6 (Vorjahr 1,4) Mrd Euro. An der guten Geschäftsentwicklung sollen die Aktionäre mit einer deutlich höheren Dividende partizipieren. Die Ausschüttung je Anteilschein soll auf 2,20 Euro steigen von 1,70 Euro im Jahr 2009.

Im Schlussquartal blieb der Konzern mit seinem Betriebsergebnis allerdings wegen einmaliger Ergebnisbelastungen von mehr als 200 Mio Euro unter den Erwartungen der Analysten. Das EBIT vor Sondereinflüssen legte um 19,3% auf 1,765 Mrd Euro zu, von Dow Jones Newswires befragte Analysten hatten im Mittel mit 1,947 Mrd Euro gerechnet.

Belastet wurde das Ergebnis den Angaben zufolge unter anderem von höheren Rückstellungen für das Manager-Anreizprogramm wegen des zum Jahresende stark gestiegenen Aktienkurses der BASF. Eine weitere Rückstellung sei für die zusätzliche Sonderzahlung in Höhe von 50 Mio Euro an die Mitarbeiter als Dank für die Krisenbewältigung in den letzten beiden Jahren erfolgt. Des Weiteren hätten einmalige Kostenbelastungen aus beschleunigten Instandhaltungsmaßnahmen und Restrukturierungsmaßnahmen in verschiedenen Bereichen das Ergebnis gedrückt.

Nach Steuern und Anteilen Dritter steigerte BASF den Gewinn im Quartal um 142% auf 1,1 Mrd Euro. Von Dow Jones Newswires befragte Analysten hatten im Mittel nur mit 891 Mio Euro gerechnet. Der Umsatz legte um knapp 25% auf 16,4 Mrd Euro zu, geschätzt worden waren 15,8 Mrd Euro.

Zum guten Ergebnis im Schlussquartal trugen vor allem das Agrogeschäft und die Industriebereiche “Chemicals” und “Performance Products bei. Performance Products konnte dabei nicht nur von der wirtschaftlichen Erholung sondern auch von der schnellen Integration des schweizer Spezialchemiekonzerns Ciba profitieren.