Die BASF SE kauft den deutschen Spezialchemiekonzern Cognis und beendet damit die seit Tagen und Wochen kursierenden Spekulationen über das Bevorstehen der Transaktion.

Von Heide Oberhauser-Aslan, Dow Jones

FRANKFURT (ks)–Den Kaufpreis für das Eigenkapital der ehemaligen Henkel-Tochter bezifferte der Ludwigshafener DAX-Konzern am Mittwoch mit 700 Mio Euro; Nettofinanzschulden und Pensionsverpflichtungen eingeschlossen ergibt sich ein Unternehmenswert von 3,1 Mrd Euro. Die Übernahme unterliegt wie üblich noch der Zustimmung der zuständigen Behörden. Mit dem Abschluss der Transaktion rechnet der Chemiekonzern spätestens im November 2010.
“Mit dem Erwerb von Cognis stärken wir unser Portfolio mit konjunkturrobusten und ertragsstarken Geschäften und bauen unsere Position als das weltweit führende Chemieunternehmen weiter aus”, sagte BASF-Vorstandsvorsitzender Jürgen Hambrecht.
Mit der Akquisition wolle BASF der global führende Anbieter von Inhaltsstoffen für die Kosmetikindustrie werden, die führende Position bei Wasch- und Reinigungsmitteln ausbauen und eine starke Position bei Gesundheit und Ernährung erreichen, sagte John Feldmann, der im BASF-Vorstand für die Sparte Performance Products zuständig ist. Nach dem Erhalt der rechtlichen Genehmigungen soll das Geschäft in diese BASF-Sparte integriert werden.
Die frühere Henkel-Tochter ist seit 2001 im Besitz der Finanzinvestoren Permira, Goldman Sachs und Schroder-Ventures Life Sciences, die seinerzeit eine fremdfinanzierte Übernahme tätigten. Der Zeitraum ihres Engagements gilt in der Branche als ungewöhnlich lang. In der Regel veräußern Finanzinvestoren ihre Beteiligungen nach etwa fünf Jahren gewinnbringend. Die Cognis-Eigner hatten erfolglos mehrere Verkaufsanläufe gestartet, zuletzt 2008. Die Veräußerung war zuletzt an den unterschiedlichen Preisvorstellungen der Verhandlungspartner und der Finanzkrise gescheitert. Auch damals war BASF als Interessent gehandelt worden.
Cognis ist ein weltweit tätiger Hersteller von Produkten für den Ernährungs- und Gesundheitsmarkt sowie für die Kosmetik-, Wasch- und Reinigungsmittelindustrie. Ein weiterer Schwerpunkt sind Produkte für industrielle Märkte wie Bergbau, Schmierstoffe, Farben und Lacke sowie Pflanzenschutz. Das Unternehmen beschäftigt rund 5.500 Mitarbeiter und verfügt über Produktionsstätten und Service-Center in 30 Ländern. Im Jahr 2009 erzielte Cognis einen Umsatz von ca 2,6 Mrd Euro und ein EBITDA von 322 Mio Euro.
Mit dem Erwerb von Cognis setzt BASF die Strategie fort, sich im weniger konjunkturabhängigen Spezialchemiegeschäft zu verstärken. Spezialchemikalien erzielen in der Regel auch höhere Margen und unterliegen nicht dem starken Wettbewerbsdruck wie Standardprodukte. Zuletzt hatte BASF Ende 2008 den schweizerischen Spezialchemiekonzern Ciba für 3,8 Mrd Euro übernommen.