Mit stationären Energiespeichern will nun auch der schwäbische Autobauer Daimler den Markt

Mit stationären Energiespeichern will nun auch der schwäbische Autobauer Daimler den Markt erobern. Die ersten Batterien sollen im Frühsommer auf den Markt kommen. - Bild: Daimler

Daimler erschließt über das Tochterunternehmen Deutsche Accumotive ein neues Geschäftsfeld und macht sich damit unabhängiger vom automobilen Geschäft.

Das Batterieunternehmen mit Sitz im sächsischen Kamenz produziert nun auch stationäre Energiespeicher, ähnlich wie der US-Elektroautohersteller Tesla. Das Vorhaben hatte der Automobilkonzern schon vor einigen Monaten angekündigt.

Erster Lithium-Ionen-Speicher

Der erste Lithium-Ionen-Speicher im industriellen Maßstab sei bereits am Netz, hieß es in der Mitteilung von Daimler am Donnerstag weiter. Lithium-Ionen-Speicher können beispielsweise zur Netzstabilisierung und zum Ausgleich von Stromspitzen zum Einsatz kommen. Für den Privatkundenbereich, beispielsweise als Unterstützung für eine Photovoltaik-Anlage, plant der Dax-Konzern eine Zusammenarbeit mit dem Energieunternehmen EnBW. Auch mittelständische Betriebe, wie Supermärkte, nennt Daimler als Beispiel zukünftiger Kunden. In Deutschland wie auch international sollen weitere Kooperationen mit Vertriebspartnern folgen. Ab Juni seien die Speicher bestellbar, ab Herbst werden sie ausgeliefert.

Daimler nutzt dabei die gleiche Batterie-Technik, die auch in Hybrid- und Elektrofahrzeugen zum Einsatz kommt. Das neue Geschäftsfeld eröffne “neue Wachstumschancen”, heißt es in der Meldung. Vor allem ist die Daimler-Tochter damit jedoch unabhängiger von der Nachfrage nach Batterien für alternativ angetriebene Fahrzeuge.

E-Autos sind teuer

Denn E-Autos sind im Vergleich zu herkömmlich betriebenen Fahrzeugen recht teuer, die Reichweite der Batterien ist zudem noch nicht für Langstrecken ausreichend, das Laden ist langwierig. Die Verkaufszahlen von Elektroautos haben sich dementsprechend nicht so entwickelt wie vor einigen Jahren in der Branche noch gemeinhin erwartet worden war. So zählte das Deutsche Kraftfahrtbundesamt (KBA) im Januar 2015 insgesamt erst rund 19.000 E-Autos auf deutschen Straßen.

Der Schritt, auch stationäre Energiespeicher anzubieten, kommt nicht überraschend. Bereits im Dezember vergangenen Jahres hatte Daimler angekündigt, 100 Millionen Euro in den Ausbau der Fertigungskapazitäten der Batterie-Tochter zu investieren. Schon damals hatte Deutsche Accumotive erklärt, Potenzial im Geschäft mit stationären Anwendungen zu sehen und bereits erste Kundenverträge geschlossen zu haben.

Diese Ankündigung kam Ende vergangenen Jahres nur kurze Zeit nachdem Daimler das Aus für die Batteriezell-Tochter Li-tec bekannt gegeben hatte. Sowohl Deutsche Accumotive als auch Li-tec waren ursprünglich als Gemeinschaftsunternehmen mit dem Chemiekonzern Evonik gegründet worden. Im Frühjahr 2014 hatte Daimler zunächst beide Joint Ventures vollständig übernommen.

Mehr Potenzial für Accumotive

Während für Li-tec wenige Monate später jedoch das Ende bekannt gegeben wurde, sah Daimler für die Deutsche Accumotive mehr Potenzial. “Wir rechnen in den nächsten Jahren mit einer hohen und stetig steigenden Nachfrage nach Batterien”, wurde damals der Geschäftsführer des Tochterunternehmens, Frank Blome, zitiert. Die Deutsche Accumotive sei in jeder Hinsicht wettbewerbsfähig und schreibe schwarze Zahlen, sagte Blome damals weiter.

Bei der Fertigung von Zellen hingegen hatte es nicht nur Li-tec schwer. Auch andere deutsche Unternehmen erkannten, dass in der aktuellen Batteriegeneration asiatische Konkurrenten wie Samsung, LG oder Panasonic führend sind. Sie rüsten weit überwiegend die alternativ angetriebenen Autos der globalen Hersteller mit Zellen aus.

Dow Jones Newswires/Andrea Hecht