Voltabox will Navitas Systems übernehmen.

Voltabox will Navitas Systems übernehmen. - Bild: Pixabay

Die mehrheitlich zur Paragon AG gehörende Voltabox will damit ihren Zugang zum nordamerikanischen Intralogistik-Markt verstärken und zugleich die eigene Wertschöpfungskette durch den Einstieg in die Produktion von hochspezialisierten Batteriezellen erweitern.

Navitas Systems LLC mit Sitz in Woodridge, Illinois, ist ein im Jahr 2010 gegründeter Hersteller von Batteriesystemen und modernen Lithium-Ionen-Batteriezellen. Das Unternehmen, das im Geschäftsjahr 2018 mit etwa 80 Mitarbeitern voraussichtlich einen Umsatz in der Größenordnung von 25 Millionen Dollar erwirtschaften wird, betreibt ein rund 5.000 Quadratmeter großes Forschungs-, Entwicklungs- und Fertigungszentrum in Ann Arbor, Michigan. Neben Batteriesystemen für den Intralogistikmarkt produziert Navitas Standard- und Starter-Lithium-Batterien für Auftraggeber aus verschiedenen Industriezweigen.

Das Unternehmen nutzt dafür eine vollautomatisierte Anlage des deutschen Herstellers Manz zur Herstellung verschiedener Zelltypen. Die hochmoderne Fertigungslinie ist erst zu Beginn dieses Jahres installiert worden. Die Produktionskapazität für die Zellproduktion beträgt aktuell 600.000 Stück pro Jahr und wird in naher Zukunft auf 1,5 Millionen Stück pro Jahr erweitert. Voltabox wird zwar weiterhin den wesentlichen Bedarf an Batteriezellen von seinen langfristigen Partnern in China, Süd-Korea, Japan und USA beziehen, erwartet aber von dem direkten Zugang zur Batteriezelltechnologie entscheidende Vorteile, wenn es um besondere Anforderungen in einer Applikation geht.

Die Zellforscher von Navitas arbeiten u.a. an neuartigen Festkörper-Batteriezellen ("Solid-State") und Lithium-Schwefel-Zellen mit höherer Leistungsdichte und längerer Lebensdauer.

  • Batterien im Elektroauto

    Das Zusammenbauen von Batterien ist alles andere als banal, vielmehr unheimlich wichtig, um große Reichweiten zu ermöglichen und Sicherheit im Falle ­eines Crashs zu garantieren. - Bild: Bild: Patrick P. Palej - stock.adobe.com

  • Batteriezellen zu Stapeln verkleben

    Batteriezellen zu Stapeln verkleben: „Um die benötigte Energie bereitzustellen, müssen die prismatischen Zellen fest miteinander verbunden ­werden“, erläuterte Atlas Copco Manager Olaf Leonhardt. „Dazu ist eine präzise Klebeverbindung ohne Lufteinschlüsse notwendig.“ Das Fügen der Zellstapel, der Stacks, sei eine große Herausforderung, weil die Zellen temperaturempfindlich seien. - Bild: Atlas Copco

  • Stanznieten verstärken die Zellstapel seitlich

    Stanznieten verstärken die Zellstapel seitlich: Um die Batterie im Crashfall noch besser zu schützen, können die Zellstapel über seitlich angebrachte Streben verstärkt werden. Dafür hat Atlas Copco eine weitere Fügetechnik im Programm, und zwar das Halbhohl-Stanznieten aus der Henrob-Produktlinie. Dieses kalte, rein mechanische Fügeverfahren bringt keine Hitze in die Zellen ein und verursacht auch keine schädlichen Dämpfe oder Schweißspritzer. - Bild: Atlas Copco

  • Wärmeleitpaste erhöht Lebensdauer:

    Wärmeleitpaste erhöht Lebensdauer: Eine Besonderheit in der Batteriefertigung ist das notwendige Temperaturmanagement. Batteriezellen müssen in einem definierten Temperaturbereich betrieben werden, um die Leistung zu erhalten beziehungsweise Überhitzung zu vermeiden. Dafür wird eine Wärmeleitpaste, die typischerweise mit Füllstoffen versetzt ist, mit hoher Präzision und unter Vermeidung von Lufteinschlüssen eingebracht. - Bild: Atlas Copco

  • Vierfach-Schraubsystem montiert Module synchron in der Batteriewanne

    Vierfach-Schraubsystem montiert Module synchron in der Batteriewanne: „Für einen sicheren Betrieb der Batterie ist neben der Temperatur auch die Wärmeleitung von maßgeblicher Bedeutung“, erläuterte Olaf Leonhardt. „Deshalb müssen wir einen optimalen Kontakt zwischen den Batteriemodulen und der Wärmeleitpaste herstellen.“ Zur Befestigung der Module in der Batteriewanne wird eine elektronisch gesteuerte Schraubtechnik von Atlas Copco Tools verwendet. Vier Schraubspindeln arbeiten synchron im Endanzug. - Bild: Atlas Copco

  • Automatische Applikation einer Flüssigdichtung

    Automatische Applikation einer Flüssigdichtung: Sobald alle Module fest verankert sind, kann das Gehäuse verschlossen werden. „Wir müssen dabei aber verhindern, dass Feuchtigkeit eindringt“, betonte Leonhardt. „Sonst verschlechtert sich die Leistung der Batterie dramatisch und es kann zu Schäden und Korrosion kommen.Hier können wir auf unsere langjährige Erfahrung in der Klebe- und Dosiertechnologie zurückgreifen“, sagte Leonhardt. Die Produktlinie SCA biete automatisierte Applikationstechniken für den Auftrag von Dichtmitteln, die zum Abdichten der Batterie besonders geeignet seien. - Bild: Atlas Copco

  • Fließlochschrauben für einseitige Zugänglichkeit bei Deckelmontage

    Fließlochschrauben für einseitige Zugänglichkeit bei Deckelmontage: Im letzten Schritt wird die Abdeckung auf das Gehäuse gesetzt. „Da das Batteriegehäuse hierfür nur von außen zugänglich ist, muss das Fügeverfahren darauf abgestimmt sein“, erläutert ­Fügetechnik-Experte Leonhardt. „Außerdem sollte auch diese Verbindung lösbar sein, um die Wartung und Demontage zu vereinfachen.“ Erfüllt werden diese Anforderungen von der Fließlochschraubtechnik aus dem Hause Klingel, einem langjährigen Atlas-Copco-Partner. - Bild: Atlas Copco

Voltabox hatte im Bereich Intralogistik unlängst erst den Ausbau der Kooperation mit Triathlon Batterien vermeldet. Mit der Übernahme von Navitas wird das Portfolio von Lithium-Ionen-Batteriesystemen nochmals wesentlich erweitert: Während sich Voltabox bisher auf Batteriesysteme für besonders anspruchsvolle Anwendungen konzentriert, stellt Navitas auch Systeme für ein breiteres Anwendungsfeld in Gabelstaplern her.

Von großer strategischer Bedeutung ist auch das nordamerikanische Vertriebsnetz von Navitas. Das Unternehmen betreibt mehrere strategische Partnerschaften mit verschiedenen Gabelstapler-OEMs, darunter die erst jüngst geschlossene Vereinbarung mit der Hyster Yale Group. Zu den Kunden von Navitas zählt eine ganze Reihe von Fortune-500-Unternehmen.

"Mit Navitas Systems werden wir unser Wachstum im Markt für Intralogistik erheblich beschleunigen", sagt Jürgen Pampel, Vorstandsvorsitzender der Voltabox AG. "Wir gewinnen sehr wertvolle Ressourcen und Produktionskapazitäten. Der Einstieg in die Zellentwicklung und -produktion ist zudem eine wesentliche Erweiterung unserer Wertschöpfungskette, mit der wir unsere Batteriesysteme noch besser auf die Bedürfnisse unserer Kunden ausrichten können. Wir kommen somit unserem Ziel, im Massenmarkt der Intralogistik der Weltmarktführer zu werden, einen großen Schritt näher."

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"Die Kombination der bewährten Voltabox-Kompetenzen mit den Batterietechnologien und dem Produktdesign von Navitas schafft ein leistungsstarkes Angebot auf dem Markt für Fördertechnik", ergänzt Alan ElShafei, Gründer von Navitas Systems. "Mit der Bündelung unserer gemeinsamen Stärken haben Voltabox und Navitas eine hervorragende Ausgangsposition, um in einem ohnehin schon dynamisch wachsenden Segment weitere Marktanteile zu gewinnen. Wir freuen uns sehr, ein Teil des Teams von Voltabox zu werden und mit unserem Angebot an fortschrittlichen Batterielösungen einen vergrößerten weltweiten Kundenkreis adressieren zu können."

Alan ElShafei wird dem Board der amerikanischen Tochtergesellschaft von Voltabox angehören und das Unternehmen beraten. Der Gründer von Navitas hat mehr als 30 Jahre Erfahrung im Markt für Batteriesysteme und Leistungselektronik. Bevor er 2010 Navitas auf den Weg brachte, hat er MicroSun Technologies gegründet und am Markt als führenden Anbieter für spezialisierte portable Lithium-Batterien etabliert.

Voltabox wird den weltweiten Markt für Intralogistik zukünftig von den drei Standorten des Unternehmens Delbrück (Deutschland), Austin (USA) und Kunshan (China) aus beliefern. Am Standort Ann Arbor wird neben der Zellfertigung die Entwicklung von Batteriesystemen ausgebaut. Die dort vorhandene Kabel- und Elektronikfertigung soll erweitert werden und auch den Standort in Austin versorgen. Ann Arbor ist auch weiterhin der Standort für die Produktion der Standard- und Starter-Lithium-Batterien von Navitas.

Die Übernahme von Navitas steht noch unter Genehmigungsvorbehalt durch verschiedene US-Behörden. Voltabox wird erst nach Vollzug die Auswirkungen auf die Prognose für 2018 abschätzen und bekanntgeben.

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