LEVERKUSEN (ba). Bayer richtet seinen Fokus damit noch stärker auf den asiatisch-pazifischen Raum, in dem das Unternehmen ein anhaltendes Wachstum seiner Abnehmerbranchen erwartet. So sollen die Kapazitäten für den Polyurethan-Rohstoff MDI auf eine Million Jahrestonnen und für den Hochleistungskunststoff Polycarbonat auf 500.000 Jahrestonnen mehr als verdoppelt werden. Außerdem ist vorgesehen, die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten dort deutlich zu stärken. Zudem wird die Hauptverwaltung des Geschäftsbereichs Polycarbonates vom Stammsitz in Leverkusen nach Shanghai umziehen. Ziel ist es dabei, eine noch größere Nähe zum speziell in Asien boomenden Polycarbonat-Markt zu erreichen.

“Die Erweiterung unserer Kapazitäten in China ist ein wichtiger Schritt, um unsere Präsenz in den Schwellenländern deutlich auszubauen”, erklärte der Vorstandsvorsitzende der Bayer AG, Dr. Marijn Dekkers. “Bis zum Jahr 2015 wollen wir den Konzernumsatz in Greater China auf etwa fünf Milliarden Euro steigern. Hierzu soll MaterialScience gut die Hälfte beitragen.” Im Geschäftsjahr 2009 erzielte der Bayer-Konzern in Greater China einen Umsatz von 2,1 Milliarden Euro, davon entfielen 1,2 Milliarden Euro auf MaterialScience.

“Das starke Wirtschaftswachstum in China wie in der gesamten Region bietet uns herausragende Chancen, die wir bestmöglich nutzen wollen”, ergänzte Patrick Thomas, Vorstandsvorsitzender von Bayer MaterialScience. “Es ist für uns von strategischer Bedeutung, in Asien/Pazifik die nötigen Kapazitäten zu haben, um eine steigende Nachfrage zu bedienen.”

Thomas betonte, dass es sich um eine der bisher größten Einzelinvestitionen bei Bayer MaterialScience handele. China ist vom Umsatz her der zweitwichtigste Markt der Welt für den Bayer-Teilkonzern. Bisher investiert das Unternehmen im Rahmen eines mehrjährigen Programms bis 2012 bereits 2,1 Milliarden Euro in Shanghai. Zusammen mit den jetzt beschlossenen Erweiterungen ergibt sich damit ein Gesamtvolumen von mehr als drei Milliarden Euro. Für die neuen Pläne wurde jetzt eine Absichtserklärung mit den zuständigen Behörden unterzeichnet.

Im Einzelnen sind im Shanghai Chemical Industry Park in Zusammenarbeit mit Bayer Technology Services fünf Projekte zum Ausbau der Produktion geplant: Im Bereich Polycarbonat soll zum einen eine neue Anlage mit einer Kapazität von 200.000 Tonnen pro Jahr entstehen. Zum anderen soll die bestehende Anlage um 100.000 auf 300.000 Jahrestonnen erweitert werden. Auf die Region Asien/Pazifik entfallen zurzeit rund 60 Prozent der gesamten Polycarbonat-Produktion weltweit, wobei die größte Nachfrage aus China kommt. Der Kunststoff wird besonders in der Automobilindustrie, der Elektro- und Elektronikbranche und der Bauindustrie verwendet.

Ferner will Bayer in Shanghai die Kapazitäten für Rohstoffe zur Herstellung von Polyurethan-Hartschaumstoff (MDI) erhöhen, der als Dämmstoff beispielsweise entlang der gesamten Kühlkette genutzt wird. So soll eine neue MDI-Anlage mit einem jährlichen Produktionsvermögen von 500.000 Jahrestonnen errichtet werden. Gleichzeitig hat das Unternehmen vor, seine existierende MDI-Anlage von 350.000 auf ebenfalls 500.000 Jahrestonnen auszubauen.

Als weiterer Teil des Investitionspakets ist eine Produktionserweiterung bei HDI geplant, einem wichtigen Ausgangsmaterial für hochwertige Lackrohstoffe. Die bestehende HDI-Produktion soll ausgebaut werden, um kurzfristig Marktbedürfnissen zu entsprechen. Zusätzlich ist der Bau einer weiteren 50.000-Tonnen-Anlage zur HDI-Produktion vorgesehen.

Erst kürzlich hat Bayer MaterialScience den Bau von fünf kundennahen Einrichtungen in Shanghai und drei anderen chinesischen Städten angekündigt, wo es um maßgeschneiderte Produktion und Weiterverarbeitung geht. Dafür stellt das Unternehmen weitere 110 Millionen Euro bereit.

Seine Kompetenz als Anbieter von innovativen Lösungen will Bayer MaterialScience mit einem Ausbau des Forschungs- und Entwicklungszentrums für Polymere in Shanghai stärken. Es soll sich auf Gebiete konzentrieren, in denen China zu den global führenden Anbietern gehört – wie zum Beispiel Windkraft- und Solarenergie-Anlagen. Die übrigen Forschungs- und Entwicklungs-Einrichtungen in Europa und den USA werden sich als Teil eines globalen Netzwerks weiterhin anderen zukunftsträchtigen Forschungsbereichen widmen.

Shanghai wird darüber hinaus neuer Hauptsitz der globalen Polycarbonat-Aktivitäten des Unternehmens. Die Geschäftsführung um Dr. Günter Hilken wird von Leverkusen dorthin übersiedeln. Mit der Verlegung soll im kommenden Jahr begonnen werden. Mit der größeren Kundennähe trägt Bayer MaterialScience der wachsenden Bedeutung der Region auf dem globalen Polycarbonat-Markt Rechnung. Das Unternehmen verspricht sich davon auch eine Beschleunigung der Entscheidungsprozesse und insgesamt mehr Effizienz in den Abläufen.

Mehr als 30 Millionen Euro sollen außerdem in eine neue World-Scale-Anlage zur Herstellung von Vorprodukten für Lacke und Klebstoffe am Stammsitz von Bayer MaterialScience in Leverkusen investiert werden. Der Bau der Produktionsanlage soll im kommenden Jahr beginnen und bis Ende 2012 abgeschlossen sein.