NÜRNBERG (Dow Jones/ks)–Bevor nicht alle Korruptionsvorwürfe gegen MAN vom Tisch seien, sei nicht mit Fortschritten zu rechnen, sagte Wechsler am Freitag in Nürnberg vor Journalisten.

MAN wird bereits seit dem Frühjahr 2009 von einer Schmiergeldaffäre erschüttert. Der Konzern kurbelte den Verkauf von Lastwagen und Bussen mit Bestechungsgeldern an; insgesamt wurden zwielichtige Zahlungen von mehr als 50 Mio Euro in den vergangenen zehn Jahren aufgedeckt. Die Affäre kostete einige hochrangige Manager den Job – auch den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Hakan Samuelsson.

Ende 2009 erklärte MAN die Ermittlungen in Absprache mit der Münchener Staatsanwaltschaft für beendet und zahlte eine Strafe von fast 151 Mio Euro. Damit war das Thema für MAN aber noch nicht erledigt.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach wie vor wegen Korruptionsverdachts gegen die ehemalige Tochtergesellschaft Ferrostaal. MAN hatte Anfang 2009 70% an dem Essener Industriedienstleister an den arabischen Staatsfonds International Petroleum Investment Company (IPIC) verkauft, 2010 sollten die restlichen 30% folgen. IPIC weigert sich wegen der nach wie vor ungeklärten Vorwürfe bislang jedoch, die vereinbarte Option zu ziehen.

Anfang der Woche trat zudem der Vorstand und Leiter der Sparte Diesel & Turbo, Klaus Stahlmann, zurück. Die Münchener Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Bestechung gegen den Manager.

Über eine Lkw-Allianz unter dem Dach des Volkswagen-Konzerns wird spekuliert, seit die Wolfsburger bei MAN eingestiegen sind und die Mehrheit bei Scania übernommen haben. VW kontrolliert die Schweden und ist größter MAN-Aktionär. In den vergangenen Tagen gab es wiederholt Medienberichte, ein Scania-Angebot für MAN stehe kurz bevor.

IG-Metall-Vertreter Wechsler formulierte am Freitag Bedingungen für die Zustimmung der Gewerkschaft: Die MAN SE müsse bei einer möglichen Transaktion ein Unternehmen mit Sitz in Deutschland bleiben. Zudem müsse die Zukunft der Tochter Diesel & Turbo sichergestellt sein. “Wenn diese Dinge zugesichert sind, ist es zweitrangig, wer wen übernimmt”.