Die Tognum AG sieht verfolgt nach eigenen Angaben eine

Die Tognum AG sieht verfolgt nach eigenen Angaben eine "Null-Toleranz-Politik" gegenüber Bestechlichkeit und Korruption und hat nun einen Vorstand, der lange für das Asien-Geschäft zuständig war, beurlaubt (Bild: Tognum).

Von Nico Schmidt, Dow Jones Newswires

FRANKFURT (ks)–Kneipp, der erst Anfang des Jahres in den Tognum-Vorstand aufgerückt war, verantwortete viele Jahre das Asien-Geschäft des Konzerns. In dieser Region waren zuletzt Unregelmäßigkeiten aufgefallen, die Tognum vor Kurzem selbst bei der Staatsanwaltschaft Ravensburg angezeigt hatte.

Aufsichtsrat und Vorstand der Tognum AG verfolgen nach eigenen Angaben gemeinsam “eine strikte Null-Toleranz-Politik im Hinblick auf Korruption und Bestechung jeder Art”. Die Klärung der Vorfälle werde daher mit höchster Priorität und Sorgfalt vorangetrieben. Gegebenenfalls will Tognum “weitere konkrete Maßnahmen” ergreifen, um zukünftige Verfehlungen zu vermeiden. In einem ersten Schritt soll das gesamte Compliance-System einer umfangreichen und unabhängigen Untersuchung unterzogen werden.

Kneipp selbst ist nach Tognum-Angaben an einer schnellen und lückenlosen Aufklärung des Sachverhaltes gelegen. Er werde deshalb die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft voll unterstützen. Seine Aufgaben wird Tognum-Chef Joachim Coers übernehmen.

Die Staatsanwaltschaft leitete wegen des Verdachts der Bestechung und Untreue diese Woche offiziell Ermittlungen gegen einen amtierenden Tognum-Vorstand ein. Unter anderem werden Provisionszahlungen an Vertriebsvermittler in Südkorea in Höhe von rund 26,7 Mio Euro auf ihre Rechtmäßigkeit überprüft. Beleuchtet werden außerdem Zuwendungen an südkoreanische Militärs, etwa in Form von Reisen nach Thailand und Besuchen in Etablissements, in Höhe von 160.000 Euro. Die zwielichtigen Zahlungen flossen zwischen 2000 und 2011.

Peter Kneipp verantwortete bei Tognum seit seinem Einzug in den Vorstand die Geschäftsbereiche Engines und Onsite Energy und ist außerdem Geschäftsführer der MTU Friedrichshafen GmbH. Der 1958 in Heilbronn geborene Maschinenbau-Ingenieur ist ein Tognum-Veteran und kam bereits 1989 als Projektleiter für Schiffsantriebssysteme zu MTU.

Tognum gehört mittlerweile zum Autombilkonzern Daimler und dem britischen Triebwerkshersteller Rolls-Royce. Das Duo hatte sich im Frühjahr mit einem 3,4 Mrd Euro schweren gemeinsamen Übernahmeangebot rund 98% der Anteile des Traditionsunternehmens vom Bodensee gesichert. Die neuen Tognum-Eigentümer, die mittlerweile auch die komplette Kapitalseite des Tognum-Aufsichtsrats stellen, haben eine gründliche Aufarbeitung der möglichen Korruptionsfälle gefordert.