Von Nico Schmidt, Dow Jones Newswires

MÜNCHEN (Dow Jones/ks)–Zunächst wird es zwei Modelle geben: Den BMW i3 – als Megacity Vehicle bekannt geworden – und den i8, einen Sport-Hybriden, der auf der spektakulären Konzeptstudie Vision EfficientDynamics basiert, die die Münchener auf der IAA 2009 vorgestellt hatten.

“Wir bauen bei BMW i auf den Erfolg und die Stärke unserer Kernmarke auf”, sagte Vertriebsvorstand Ian Robertson am Montag. “BMW i steht für eine neu Art der Premiummobilität.” Mit der Einführung der Submarke stärke BMW die Position als innovativer und nachhaltiger Automobilhersteller. Der DAX-Konzern hatte bereits vor einiger Zeit angekündigt, dass die Elektroautos – ähnlich der Sportserie “M” – eine Submarke von BMW werden sollen, den Namen aber stets geheim gehalten.

Sowohl das emissionsfreie Stadtauto i3 als auch der i8 sollen ab 2013 in Leipzig vom Band rollen: “Die Mobilität der Zukunft kommt aus Leipzig”, sagte Entwicklungschef Klaus Draeger. Um den sächsischen Standort dafür fit zu machen, will BMW insgesamt 400 Mio Euro in das Werk stecken. Den Ausbau startete Ende vergangenen Jahres. Insgesamt sollen durch die Investitionen rund 800 neue Arbeitsplätze entstehen.

BMW hatte im Jahr 2007 seine Aktivitäten rund um elektrisches Fahren und urbane Mobilitätslösungen im “project i” gebündelt. Das Megacity Vehicle i3 und der i8 sind das Ergebnis dieses Projekts, das als eines der bestgehüteten Geheimnisse des DAX-Konzerns galt. Beide Autos sind wichtige Eckpfeiler in den Plänen der Münchener, im Bereich alternativer Antriebe zu wachsen und den rigideren Emissionsvorschriften der Zukunft Rechnung zu tragen.

Vertriebschef Ian Robertson deutete am Rande der Veranstaltung in München an, dass der i3 etwa 40.000 Euro oder etwas mehr kosten könnte. Zu einem möglichen Absatzvolumen wollte sich der Manager nicht äußern.

Der BMW i8 gilt als technologisches Vorzeigeprojekt – Supersportwagen mit den Abgaswerten eines Kleinwagens. BMW hatte die futuristische Vollhybrid-Studie der Weltöffentlichkeit 2009 auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt präsentiert. Trotz der mehr als 350 PS verbraucht das viersitzige Coupé nach Unternehmensangaben weniger als vier Liter Diesel auf 100 Kilometern und emittiert nur 99 Gramm umweltschädliches Kohlendioxid.

Als Batterie-Lieferanten für die Elektroauto-Projekte hatte BMW im Sommer 2009 SB LiMotive, ein Joint Venture von Bosch und Samsung, ausgewählt. Die Batterietechnik gilt als eine der größten Herausforderungen auf dem Gebiet der Elektromobilität. Schließlich ist die Batterie nicht nur für die Leistungsfähigkeit strombetriebener Fahrzeuge verantwortlich, sondern – und das ist wohl noch wichtiger – auch für deren Reichweite.

Eine bedeutende Rolle spielt bei Elektroautos auch der Faktor Leichtbau, da das Gewicht neben der Batteriekapazität die zweite reichweitenlimitierende Größe ist. Der Antriebsstrang bei Elektro-Fahrzeugen ist deutlich schwerer als bei Autos mit Verbrennungsmotoren.

Dieser Problematik begegnen viele Hersteller mit dem konsequenten Einsatz leichterer Materialien. So auch BMW: Das Chassis des i3 und des i8 besteht aus Aluminium, die Fahrgastzelle aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff. Die Münchener wollen dadurch das für Elektrofahrzeuge typische Mehrgewicht von 250 bis 350 Kilogramm vollständig kompensieren.

BMW kooperiert bei leichten, hitze- und korrosionsbeständigen Kohlenstofffasern mit SGL Carbon und gründete mit dem Wiesbadener Spezialisten im Frühjahr 2009 das Gemeinschaftsunternehmen SGL Automotive Carbon Fibers. Aktuell wird ein gemeinsames Carbonfaserwerk in Moses Lake im US-Bundesstaat Washington gebaut, in das beide Unternehmen insgesamt 100 Mio Dollar investieren. Zudem steckte BMW zuletzt weitere Millionen in die Werke in Landshut und Wackersdorf, wo künftig Kohlefaserplatten hergestellt werden, die dann zu Karrosserieteilen für die Elektroautos weiterverarbeitet werden.

Inklusive der Komponentenfertigung investieren BMW und das Carbonfaser-Joint-Venture mit SGL insgesamt rund 530 Mio Euro in das Elektroauto-Projekt. In Summe entstehen so mehr als 1.000 Arbeitsplätze.

Zusätzlich wird BMW nach Angaben vom Montag Geld in die Hand nehmen, um das Angebot an Mobilitätsdienstleistungen zu erweitern. Über die neu gegründete und mit bis zu 100 Mio Dollar ausgestattete Beteiligungsgesellschaft “BMW i Ventures” will sich der DAX-Konzern bei Unternehmen einkaufen, die in diesem Bereich aktiv sind.

Einen ersten Schritt machte BMW mit der Beteiligung am US-Unternehmen My City Way. Die New Yorker Gesellschaft wurde Ende 2009 von drei Gesellschaftern gegründet und bietet mittlerweile für mehr als 40 amerikanische Städte mobile Informationen, beispielsweise über öffentliche Verkehrsmittel und Restaurants. Weitere 40 Städte, darunter auch München, sollen folgen.

Im Fokus der Investitionen von BMW i Ventures werden nach Unternehmensangaben unter anderem Lösungen zur besseren Nutzung vorhandenen Parkraums, intelligente Navigationssysteme sowie Carsharing stehen. Die Angebote sollen dann auch unabhängig vom Fahrzeug in Anspruch genommen werden können. Langfristig soll damit ein neues, profitables Geschäftsfeld entstehen, wie Vertriebsvorstand Robertson erklärte.