Von Christoph Rauwald und Nico Schmidt, Dow Jones

LEIPZIG (ks)–Das emissionsfreie Stadtauto soll ab 2013 in Leipzig vom Band rollen. “Die Produktion des Megacity Vehicle in Deutschland ist ein klares Bekenntnis (…) zum Hightech-Standort Deutschland”, sagte Vorstandsvorsitzender Norbert Reithofer am Freitag. “Wir haben uns mit Leipzig bewusst für einen Standort in Deutschland entschieden, für unser jüngstes und modernstes Werk mit den flexibelsten Strukturen.”

BMW hat seine Aktivitäten rund um elektrisches Fahren und urbane Mobilitätslösungen im Jahr 2007 unter dem Titel “project i” gebündelt. Das Megacity Vehicle ist das Ergebnis dieses Projekts, das als eines der bestgehüteten Geheimnisse des DAX-Konzerns gilt. Der emissionsfreie Stadtflitzer, der ab 2013 als Submarke von BMW auf den Markt gebracht werden soll, ist ein wichtiger Eckpfeiler in den Plänen der Münchener, im Bereich alternativer Antriebe zu wachsen und den rigideren Emissionsvorschriften der Zukunft Rechnung zu tragen.

Als Batterie-Lieferant für das Megacity Vehicle hat BMW im Sommer 2009 SB LiMotive, ein Joint Venture von Bosch und Samsung, ausgewählt. Die Batterietechnik gilt als eine der größten Herausforderungen auf dem Gebiet der Elektromobilität. Schließlich ist die Batterie nicht nur für die Leistungsfähigkeit eines strombetriebenen Fahrzeugs verantwortlich, sondern – und das ist wohl noch wichtiger – auch für dessen Reichweite.

Eine wichtige Rolle spielt bei Elektroautos auch der Faktor Leichtbau, da das Gewicht neben der Batteriekapazität der zweite reichweitenlimitierende Faktor ist. Der Antriebsstrang bei Elektro-Fahrzeugen ist deutlich schwerer als bei Autos mit Verbrennungsmotoren. Dieser Problematik will BMW mit dem konsequenten Einsatz von kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff begegnen. Die Münchener gehen davon aus, dass dadurch das für Elektrofahrzeuge typische Mehrgewicht von 250 bis 350 Kilogramm praktisch vollständig kompensiert werden kann.

BMW kooperiert bei leichten, hitze- und korrosionsbeständigen Kohlenstofffasern mit dem Wiesbadener Spezialisten SGL Carbon. An dem im Frühjahr 2009 gegründeten Gemeinschaftsunternehmen SGL Automotive Carbon Fibers hält SGL 51% der Anteile und BMW den Rest. Aktuell wird ein gemeinsames Carbonfaserwerk in Moses Lake im US-Bundesstaat Washington gebaut, in das beide Unternehmen insgesamt 100 Mio Dollar investieren. Zudem steckte BMW zuletzt weitere Millionen in die Werke in Landshut und Wackersdorf, wo künftig Kohlefaserplatten hergestellt werden, die dann zu Karrosserieteilen für das Megacity Vehicle weiterverarbeitet werden.

BMW-Chef Reithofer erklärte am Freitag: “Mit diesem Fahrzeug revolutionieren wir den Automobilbau und bieten das erste maßgeschneiderte Elektrofahrzeug für das urbane Umfeld an. Es wird weltweit das erste Großserienfahrzeug mit einer Fahrgastzelle aus leichtem CFK sein, denn weniger Gewicht bedeutet mehr Reichweite.”

Inklusive der Komponentenfertigung investieren BMW und das Carbonfaser-Joint-Venture mit SGL insgesamt rund 530 Mio Euro in das Elektroauto-Projekt. In Summe entstehen so über 1.000 Arbeitsplätze.