PARIS (Dow Jones/rm). “Ich gebe zu, wir schauen uns die Prognose derzeit eher von oben an”, sagte Finanzvorstand Friedrich Eichiner am Freitag in einem Interview mit Dow Jones Newswires. Bislang peilt BMW für dieses Jahr im Kerngeschäft mit Oberklasseautos eine Marge vor Zinsen und Steuern von mehr als 5% an.

Angetrieben vom starken China-Geschäft und der Erholung in den USA hat der Münchener DAX-Konzern im bisherigen Jahresverlauf unerwartet stark abgeschnitten: Die Verkaufszahlen stiegen im zweistelligen Prozentbereich an, ebenso wie der Umsatz im ersten Halbjahr. Nachdem die schwere Branchenkrise 2009 auf Halbjahressicht noch nahezu die ganzen Gewinne aufgefressen hatte und netto sogar ein Verlust angefallen war, verdienten die Münchener zwischen Januar und Juni 2010 wieder gutes Geld.

Auch im dritten Quartal entwickelten sich die Verkaufszahlen mit einem ebenfalls prozentual zweistelligen Plus besser als vom Unternehmen erwartet. Die befürchtete saisonale Delle blieb weitgehend aus. Dies dürfte auch die Finanzkennzahlen angetrieben haben, die BMW Anfang November veröffentlichen wird.

Trotz des dank zahlreicher neuer Modelle über den Planungen liegenden Absatzes warnte Eichiner am Freitag davor, die starken Zweitquartalszahlen, als eine Marge vor Zinsen und Steuern von mehr als 9% erreicht wurde, auf den Rest des Jahres hochzurechnen. Denn aus saisonalen Gründen falle das Schlussquartal stets schwächer aus, so der Manager.

Währungseffekte und gestiegene Rohstoffpreise dürften unter dem Strich in diesem Jahr keine grosse Rolle spielen: “Das wird sich mehr oder minder ausgleichen”, sagte Eichiner. Während er aus Wechselkurseffekten einen Positiveffekt im niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich erwartet, schätzt er die Belastungen aus den höheren Rohstoffkosten auf knapp 100 Mio EUR.

Die relative Euro-Schwäche der vergangenen Monate hat BMW genutzt, um Währungspositionen aufzubauen. Für 2010 sei das Unternehmen fast vollständig gehedgt, sagte der Finanzchef. Für das nächste Jahr liege die Absicherungsrate über 50% und sei damit “sehr solide”. Auch für 2012 sei bereits die Basis gelegt.

Wie sich der im vergangenen Jahr schwer von der Krise in Mitleidenschaft gezogene US-Markt kurzfristig entwickeln wird, hält Eichiner für schwierig vorhersagbar. Aufgrund der verbleibenden Unsicherheiten könne es noch ein, zwei Jahre dauern bis das Vorkrisenniveau wieder erreicht werde. Der US-Markt war jahrelang der wichtigste für BMW, eher er im Zuge der Krise im Vorjahr vom deutschen Heimatmarkt abgelöst wurde.

“Mittel- bis langfristig bleibt der US-Markt aber ein ganz wesentlicher strategischer Markt”, bekräftigte Eichiner. “Sehr deutlich entspannt” hat sich die dortige Preissituation laut dem Manager. Inzwischen liege das Pricing nahezu wieder auf dem Vorkrisenniveau.

Zu hohe Discounts wirkten “wie Opium”, da sich Kunden daran gewöhnten, sagte Eichiner. Es sei daher extrem wichtig, die Sucht zu bekämpfen. BMW sei dies durch eine Verjüngung des Portfolios gelungen. Im vergangenen Jahr hatten viele Autohersteller nordamerikanischen Neuwagenkäufern hohe Rabatte gewährt, um die Nachfrage anzukurbeln.