Der weltgrößte Luxusautohersteller BMW hat die Absatzerwartungen dank besser als erwarteter Geschäfte in China und den USA nach oben geschraubt.

Von Christoph Rauwald, Dow Jones

BILBAO (ks)–Für 2010 sei mit einem Plus bei den Verkaufszahlen im hohen einstelligen Prozentbereich zu rechnen, sagte Vertriebsvorstand Ian Robertson am Mittwoch am Rande der “Automotive News Europe”-Konferenz im spanischen Bilbao.

Bislang hatten die Münchener das Ziel ausgegeben, die Verkaufszahlen in diesem Jahr im soliden einstelligen Prozentbereich steigern und mit einem Absatz von mehr als 1,3 Mio Premiumwagen weltweiter Branchenführer bleiben zu wollen. Im Krisenjahr 2009 hatte BMW unter der Wirtschaftskrise und speziell dem Absturz des US-Marktes gelitten und insgesamt 1,29 Mio Wagen der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce verkauft. Das entsprach einem Minus von 10,4%. Die Kernmarke verkaufte sich knapp 1,07 Mio Mal.

In den ersten fünf Monaten dieses Jahres erholte sich der Markt für Oberklassewagen aber deutlich, BMW steigerte den Absatz um 13% auf 552,864 Autos. Die Kernmarke BMW legte um 14% auf 466,087 Einheiten zu. Profitieren konnten die Münchener vor allem von der Nachfrageerholung in den USA und dem anhaltenden Boom in China. Vertriebschef Robertson erklärte in Bilbao, dass sich die positive Absatzentwicklung der Vormonate im Juni fortgesetzt habe.

Aufgrund des Absatzschwunds war der Umsatz der Bayern 2009 um knapp 5% auf etwa 50,7 Mrd Euro geschrumpft. Im Gegensatz zu anderen Autoherstellern schrieb BMW aber schwarze Zahlen: Vor Zinsen und Steuern verdiente der DAX-Konzern 289 Mio Euro und damit nur noch knapp ein Drittel des Vorjahres. Eine höhere Steuerquote hatte dem Branchenprimus jedoch die Bilanz verhagelt und den Gewinn unter dem Strich um 36% auf 210 Mio Euro einbrechen lassen.

In der Gewinnzone gehalten hatte den DAX-Konzern vor allem die schnelle Reaktion des Managements auf die Krise: Um die Auswirkungen der schwachen Nachfrage nach hochpreisigen Autos abzufedern, hatte BMW frühzeitig die Kapazitäten angepasst und so den Aufbau eines allzu großen und teuren Hofbestands verhindert.

Für das Gesamtjahr rechnet BMW mit einem deutlich über dem Vorjahr liegenden Konzernergebnis. Der Start ins Jahr ist dank der deutlichen Markterholung gelungen: Operativ vor Zinsen und Steuern verdiente der weltgrößte Premiumhersteller im ersten Quartal 449 (Vorjahr: minus 55) Mio Euro. Netto lag der Gewinn auf Konzernebene bei 323 (minus 152) Mio Euro. Die Einnahmen legten auf 12,44 (11,51) Mrd Euro zu.

Rückenwind für Absatz und die Finanzkennzahlen versprechen sich die Münchener vom neuen 5er, dem wichtigsten Neuanlauf in diesem Jahr. Die hauptsächlich als Firmenwagen zum Einsatz kommende Limousine gilt bei BMW als Treiber für Absatz, Image und Umsatz sowie Ergebnis.

Finanziell soll sich die neue Generation besonders lohnen. Denn dank des Baukastensystems fallen die Herstellungskosten des Erfolgsgaranten deutlich niedriger aus als noch beim Vorgänger, weshalb mit höheren Deckungsbeiträgen gerechnet wird. Der 5er soll knapp ein Fünftel der gesamten Verkäufe ausmachen. Laut Vertriebschef Robertson ist der Auftragseingang für die Baureihe außerordentlich gut und reicht bereits drei bis vier Monate weit. Das Modell ist seit Mitte März in Deutschland erhältlich und wird Ende Juni weltweit verfügbar sein. “Der Wagen ist auf jedem Markt ausverkauft”, sagte Robertson.