Ya-Qin Zhang, Präsident von Baidu, und  Klaus Fröhlich, Mitglied des Vorstands von BMW: Arbeiten künftig im Bereich automatisiertes Fahren zusammen.

Ya-Qin Zhang, Präsident von Baidu, und Klaus Fröhlich, Mitglied des Vorstands von BMW: Arbeiten künftig im Bereich automatisiertes Fahren zusammen.- Bild: BMW

Angesichts des drohenden Handelskonflikts mit den USA wollen die deutschen Autobauer noch tiefere Wurzeln in China schlagen. BMW und Audi vermeldeten neue Partnerschaften in ihrem wichtigsten Einzelmarkt, um beim autonomen Fahren künftig weiter vorne mitzuspielen. BMW prüft gemeinsame Projekte mit dem Suchmaschinengiganten Baidu, die VW-Tochter Audi und der Telekommunikationsausrüster Huawei wollen die Vernetzung von Autos vorantreiben

Die Politik stützt die Kooperationen zwischen deutscher und chinesischer Industrie, Regierungskonsultationen zwischen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Chinas Premier Li Keqiang in Berlin boten den Rahmen. Sowohl die EU als auch China haben derzeit im internationalen Handel Ärger mit US-Präsident Donald Trump, der China mit sogenannten Strafzöllen belegt hat und der EU bei Autos mit höheren Einfuhrabgaben droht. China hat bereits reagiert und die Zölle auf Autos aus US-Produktion erhöht, die EU will sich bei neuen Handelsschranken ebenfalls mit Gegenmaßnahmen wehren.

BMW will mit Baidu gemeinsame Projekte für autonomes Fahren ausloten. BMW wird auch Mitglied im Vorstand von Baidus Plattform Apollo,in dem Regeln und Standards für Fahrerassistenzsysteme diskutiert werden. "Wir streben nach weltweit einheitlichen Technologiestandards, um die regionalen Unterschiede bei Umsetzungstempo und Regulatorik zu beseitigen", sagte BMW-Entwicklungschef Klaus Fröhlich.

BMW entwickelt in einer eigenen Plattform mit dem US-Tech-Konzern Intel, dessen Tochter Mobileye und mit diversen Zulieferern als Partner Technik für das autonome Fahren. Gemeinsame Projekte mit Baidu könnten unter anderem in Datenanalyse und Sprachsteuerung liegen.

Audi und Huawei verabredeten derweil eine strategische Kooperation, um das automatisierte Fahren und die Vernetzung von Diensten rund ums Auto weiterzuentwickeln. "Unser Ziel ist die Verbesserung der Sicherheit und Optimierung des Verkehrsflusses für eine intelligente Stadt. In den Konzepten konzentrieren wir uns dabei zunächst auf den chinesischen Markt", sagte Audi-China-Manager Saad Metz. Mit Datenverbindungen zwischen Auto und zum Beispiel Ampeln sollen Fahrerassistenzsysteme besser werden. Audi hatte das mit Huawei in der Millionenstadt Wuxi bereits im vergangenen Jahr getestet.

Auch Daimler hat konkrete Projekte: Zum Beispiel haben die Stuttgarter vergangene Woche die Erlaubnis bekommen, autonom fahrende Autos künftig auf öffentlichen Straßen in Peking zu testen. Dabei arbeiten auch die Schwaben mit Baidu zusammen.

In China hat derweil im Juni der Appetit von Autokäufern auch wegen der Unsicherheit rund um Einfuhrzölle deutlich nachgelassen. Nach Daten des Herstellerverbandes PCA (China Passenger Car Association) vom Vortag wurden im vergangenen Monat 1,7 Millionen Autos und kleinere Nutzfahrzeuge verkauft. Das waren 3,7 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, was das größte Monatsminus seit Januar 2017 war. In den ersten sechs Monaten beträgt das Plus aber noch 3,2 Prozent.

Zum 1. Juli sinken Einfuhrzölle für Autos in China generell von 25 auf 15 Prozent. Allerdings erhöht Peking wegen des Handelsstreits mit den USA die Zölle für Autos aus US-Produktion auf 40 Prozent. Das trifft auch die deutschen Hersteller BMW und Daimler, die in ihren US-Werken auch Autos für den chinesischen Markt bauen.