Von Nico Schmidt, Dow Jones Newswires

FRANKFURT (ks)–Das paritätische Joint Venture mit dem Namen “BMW Peugeot Citroën Electrification” soll vorbehaltlich der Zustimmung der Kartellbehörden im zweiten Quartal die Arbeit aufnehmen, wie der Münchener DAX-Konzern mitteilte.

Bereits im Oktober hatten die Vorstandschefs von BMW und PSA, Norbert Reithofer und Philippe Varin, ihre Absicht erklärt, die bereits seit einigen Jahren bestehende Motorenkooperation auf Hybridkomponenten auszuweiten. Hybridautos sind Fahrzeuge, die neben einem herkömmlichen Verbrennungsmotor auch einen Elektromotor besitzen. Für die Übergangsphase bis zur angestrebten vollständigen Elektrifizierung des Fahrens wird der Technologie von Branchenexperten eine hohe Bedeutung beigemessen.

Gegenstand des Gemeinschaftsunternehmens ist vor allem die Entwicklung und Produktion von Hybridsystemen einschließlich Hochvoltspeichern, E-Motoren, Generatoren, Leistungselektronik und Ladegeräten sowie die Entwicklung von Software für Hybridsysteme. Fahrzeuge beider Partnerunternehmen sollen ab 2014 mit den Hybridkomponenten ausgestattet werden, die auch an andere Hersteller verkauft werden könnten.

Durch den gemeinsamen Einkauf sowie die gemeinschaftliche Entwicklung und Produktion von Komponenten zielen BMW und PSA auf “bedeutende Kostenvorteile” ab. Details zu den erwarteten Einsparungen wurden am Mittwoch nicht genannt.

“Dieses Gemeinschaftsprojekt ermöglicht uns umfassende Kostenvorteile im Bereich der Elektrifizierung und stellt einen wichtigen Schritt in Richtung auf eine nachhaltige Mobilität dar”, sagte BMW-Vorstandschef Norbert Reithofer. Sein Pendant von PSA, Philippe Varin, ergänzte: “Wir sind sicher, dass wir durch dieses Joint Venture unser Know-how weiterentwickeln und ausbauen werden und einen europäischen Marktführer auf dem Gebiet der Hybrid-Innovationen erschaffen werden”.

Die Leitung des Gemeinschaftsunternehmens soll Wolfgang Güllich, derzeit verantwortlich für die Einkaufsstrategie bei BMW, als Vorsitzender übernehmen. Geschäftsführer soll Jean Leflour werden, der aktuell noch Leiter im Bereich Kundenzufriedenheit und Qualitätsplanung bei PSA ist.

Das nun vereinbarte Hybrid-Joint-Venture ist nicht die erste Kooperation der beiden Autohersteller. BMW und PSA Peugeot Citroën arbeiten bereits seit einigen Jahren bei Motoren zusammen. Zwischen 2006 und 2010 wurden gemeinsam mehr als 1,8 Mio Motoren hergestellt, die in Modellen der Marken Mini, Peugeot und Citroën verbaut werden. Seit Februar entwickeln die beiden Unternehmen außerdem die nächste Generation des gemeinschaftlich konzipierten 4-Zylinder Benzinmotors, der den verschärften Abgasvorschriften in Europa (Euro-6-Norm) Rechnung trägt.

Für BMW als eigenständigen und vergleichsweise kleinen Autohersteller sind Kooperationen wichtig, um Kosten einzusparen. Gerade für die Entwicklung alternativer Antriebstechnologien muss die Branche viel Geld in die Hand nehmen, und wann sich diese Investitionen rentieren, ist ungewiss. Der Münchener DAX-Konzern verkaufte 2010 knapp 1,5 Mio Autos der Marken BMW, Rolls-Royce und Mini. Zum Vergleich: Europas größter Hersteller Volkswagen brachte mehr als 7 Mio Wagen an die Kunden, Toyota und General Motors sogar weit mehr als 8 Mio.