BMW vervielfacht Gewinn 1

Von Nico Schmidt, Dow Jones

FRANKFURT (ks)–Da die befürchtete Sommerflaute im dritten Quartal ausblieb und sich das Geschäft der Münchener in den vergangenen Monaten stark entwickelte, setzt sich der DAX-Konzern nun ehrgeizigere Ziele für das Gesamtjahr. “Wir streben angesichts der positiven Absatzentwicklung 2010 im Segment Automobile eine EBIT-Marge von über 7% an”, sagte Vorstandsvorsitzender Norbert Reithofer am Mittwoch.

Bislang sollte im Kerngeschäft mit Luxusautos nach dem tiefen Absturz im vergangenen Jahr eine operative Marge von mehr als 5% erreicht werden. “Wir wollen unser Konzernergebnis im laufenden Geschäftsjahr signifikant steigern und damit einen maßgeblichen Schritt in Richtung unserer Profitabilitätsziele 2012 machen”, ergänzte Reithofer. Der Absatz soll 2010 weiter um ein Zehntel auf mehr als 1,4 Mio Autos steigen. Finanzchef Friedrich Eichiner hatte in einem Interview mit Dow Jones Newswires am Rande des Pariser Autosalons Anfang Oktober erstmals angedeutet, dass man beim Ausblick zu tief gestapelt haben könnte.

Der Markt für hochpreisige Oberklasseautos war im vergangenen Jahr schwer von der Wirtschaftsflaute in Mitleidenschaft gezogen worden. Speziell das für BMW wichtige US-Geschäft brach massiv ein. Mit dem Absatz schrumpfte der Umsatz der Bayern um 5% auf 50,7 Mrd Euro. Im Gegensatz zu anderen Autoherstellern schrieben die Münchener auf Konzernebene aber sowohl operativ als auch unter dem Strich schwarze Zahlen, da das Management schnell auf die Krise reagiert und die Kapazitäten frühzeitig angepasst hatte. Im Automobilgeschäft war 2009 allerdings ein Verlust angefallen.

In diesem Jahr ging es dann aber vor allem dank des Nachfragebooms in China wieder aufwärts: Per Ende des ersten Halbjahres lagen die Einnahmen von BMW um 13,5% über dem Vorjahr, beim Vorsteuerergebnis wurde der Wert aus dem Gesamtjahr um mehr als das dreifache übertroffen. Die Rendite im Automobilsegment lag per Ende Juli bei 6,6%, im zweiten Quartal war sie sogar fast zweistellig. Trotzdem blieb das Management bei seinen vorsichtigen Prognosen.

Entgegen den Befürchtungen der Führungsriege entwickelte sich das Geschäft mit Premiumautos auch in den üblicherweise etwas schwächeren Sommermonaten sehr gut. Zwar schwächte sich der Markt in China etwas ab, die deutschen Premiumautohersteller scheinen sich aber fast von der Entwicklung abgekoppelt zu haben und wuchsen rasant weiter. In der Folge steigerte BMW den weltweiten Absatz im dritten Quartal um knapp 13% auf fast 366.000 Autos und konnte damit den Zuwachs aus dem ersten Halbjahr nahezu konstant halten.

Dies trieb auch die Finanzkennzahlen an: Der Umsatz stieg zwischen Juli und September um mehr als ein Drittel auf 15,94 Mrd Euro. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern verfielfachte sich auf 1,19 Mrd nach nur 55 Mio Euro im Vorjahr, der Vorsteuergewinn auf 1,36 (0,13) Mrd Euro. Unter dem Strich verdiente BMW 871 (76) Mio Euro. Im Automobilgeschäft lag die Marge bei 8,1%. Analysten hatten auf Konzernebene mit Einnahmen von 14,27 Mrd Euro, einem operativen Gewinn von 1,25 Mrd Euro sowie einem Nettoergebnis von 784 Mio Euro gerechnet.

“Wir sind mit der Geschäftsentwicklung im dritten Quartal sehr zufrieden”, sagte Reithofer. “Durch unsere attraktive Modellpalette und die weltweite Erholung der Konjunktur konnten wir unseren Absatz erneut deutlich erhöhen. Positiv wirkten sich auch unsere Maßnahmen zur Steigerung der Profitabilität sowie ein erneut hochwertiger Modell-Mix aus”, so der Manager.

Am Markt werden die Zahlen als sehr gut eingestuft. Händler geben allerdings zu bedenken, dass – auch mit der neuen Prognose – lediglich die hohen Erwartungen erfüllt worden sind.

In den vergangenen Tagen hatten bereits die BMW-Konkurrenten Mercedes-Benz und Audi gute Quartalszahlen vorgelegt und ein weiteres Indiz für die überraschend starke Entwicklung der Luxusautobranche geliefert. Die Stuttgarter verbuchten im Pkw-Geschäft trotz der schwachen Entwicklung beim Stadtflitzer smart eine Rendite von 9,5% und hoben die Prognose erneut an, die Ingolstädter Volkswagen-Tochter erwies sich einmal mehr als Ertragsperle von Europas größtem Autobauer und schaffte sogar eine Marge von mehr als 11%.