Der Premium-Autobauer BMW hat zum ersten Mal ein Fahrzeug vorgestellt, dessen Motor die

Der Premium-Autobauer BMW hat zum ersten Mal ein Fahrzeug vorgestellt, dessen Motor die Antriebsenergie ausschließlich aus einer mit Wasserstoff gespeisten Brennstoffzelle bezieht. - Bild: BMW Group

Der Premium-Autobauer BMW hat zum ersten Mal ein Fahrzeug vorgestellt, dessen Motor die Antriebsenergie ausschließlich aus einer mit Wasserstoff gespeisten Brennstoffzelle bezieht.

Der Entwicklungswagen auf der Basis des Serienmodells 5er GT fährt wie ein batteriegespeistes Elektroauto ohne direkte CO2-Emissionen. Anders als ein reines Elektrofahrzeug hat der Testwagen aber eine Reichweite von mehreren hundert Kilometern.

Serienreife bis 2020

Die BMW-Entwickler sehen sich mit dem Demonstrationsfahrzeug nach eigenen Angaben auf dem Weg, den Brennstoffzellen-Antrieb bis zum Jahr 2020 zur Serienreife zu bringen. Anschließend wollen sie vor allem große Modelle mit der Technologie ausstatten: Die Brennstoffzelle sei der richtige Energielieferant für Reiselimousinen, sagte der zuständige Entwicklungschef Matthias Klietz in Miramas.

Für einen Erfolg der Technik braucht es allerdings ein Netz an Wasserstofftankstellen. Diese sind weltweit bislang selten. In Deutschland etwa dürften am Ende dieses Jahres nach BMW-Angaben nur rund 50 solcher Tankstellen existieren.

BMW will zur Konkurrenz aufholen

BMW hatte beim Thema Brennstoffzellen-Antrieb lange den Konkurrenten das Feld überlassen. Zwar experimentierte der Münchener Hersteller schon rund um das Jahr 2000 mit wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen. Diese verbrannten das Gas allerdings direkt, also ohne es zunächst in Strom umzuwandeln.

Als einer der Pioniere der Brennstoffzellen-Technologie gilt Daimler. Der Konzern hat schon vor einiger Zeit Testwagen mit der Technik auf die Straße gebracht. Im vergangenen Jahr stellte zudem Volkswagen mehrere Entwicklungsfahrzeuge mit Brennstoffzelle vor. Das erste Serienauto mit der Technologie hat jüngst Toyota auf den Markt gebracht.

Toyota als Entwicklungspartner

Toyota ist mittlerweile auch Entwicklungspartner von BMW. Die Japaner steuern bei der BMW-Brennstoffzellen-Entwicklung nach Angaben von Klietz den sogenannten Stack, also gleichsam den Kern der Brennstoffzelle, bei. In ihm entsteht aus Sauerstoff und Wasserstoff Strom. Einziges Abfallprodukt der Umwandlung ist Wasser. Das Gehäuse der Zelle entwickelt BMW nach den Worten von Klietz selbst. Auch zum Beispiel der Elektromotor, der letztlich die Räder antreibt, sei eine BMW-eigene Entwicklung.

Den Brennstoffzellen-Testwagen unterscheidet deshalb nur ein Geräusch von reinen Elektroautos wie etwa BMWs i3: Eine Art Zischen lässt erkennen, dass ein Kompressor beim Beschleunigen besonders viel Luft durch die Brennstoffzelle pumpt. Das Geräusch soll bei serienreifen Brennstoffzellen-Fahrzeugen nicht mehr zu hören sein. Die BMW-Entwickler führen es auf den frühen Entwicklungsstand des Testwagens zurück.

Wasserstoff als Energiespeicher

Doch auch fernab der Fahrzeugtechnik braucht es für einen Erfolg des Brennstoffzellen-Antriebs weiteren Entwicklungsfortschritt: BMW-Ingenieur Klietz wirbt für Wasserstoff als Energiespeicher vor allem mit dem Argument, dass sich dieser aus erneuerbaren Energiequellen herstellen lasse. Um aus überschüssigem Wind- und Sonnenstrom Wasserstoff zu produzieren, sind allerdings Elektrolyse-Anlagen von industriellem Ausmaß nötig, wie sie bislang erst in der Testphase sind.

Autohersteller wie BMW rechnen auch deshalb trotz mittlerweile jahrzehntelanger Forschung erst für die Zeit nach dem Jahr 2020 mit einem Erfolg der Brennstoffzellen-Technik. Zuvor wollen sie die in vielen Ländern geltenden Vorgaben zur CO2-Reduzierung mit zumindest teilweise batteriegespeisten Fahrzeugen erfüllen. Vor dem Hintergrund hat BMW in Miramas auch den Prototyp einer Plug-In-Hybrid-Variante des 2er Active Tourer vorgestellt. Den Wagen, dessen Vorderachse von einem Verbrennungsmotor und dessen Hinterräder elektrisch angetrieben sind, will BMW nach eigenen Angaben im nächsten Jahr auf den Markt bringen.

Dow Jones Newswires/Guido Kruschke