Volkmar Denner

Volkmar Denner: "Wir plädieren zusätzlich für laufende Kontrollen von Serienfahrzeugen durch unabhängige Prüfinstitute." - Bild: Bosch

"Wir plädieren zusätzlich für laufende Kontrollen von Serienfahrzeugen durch unabhängige Prüfinstitute", sagte der Manager während eines Kamingesprächs mit Journalisten am Dienstagabend.

Nach Denners Vorstellung sollten solche Tests während des normalen Serienbetriebs dann "jederzeit jeden treffen können", sagte er. Als unabhängige Institute könne er sich dabei beispielsweise auch gemeinnützige Organisationen wie NGOs vorstellen, die kontrollierten, ob die Werte eingehalten würden. Denn zu Recht werde in der Öffentlichkeit darüber diskutiert, dass die Emissions- und Abgaswerte von Diesel- und auch Benzinautos "teilweise deutlich von den Zykluswerten abweichen".

Zusätzlich sollten weitere technische Lösungen eingesetzt werden. Dazu zählte er den "flächendeckenden Einsatz" von SCR-Systemen für Dieselmotoren sowie Partikelfiltern für Benziner. "Wir haben eine Forderung in den Raum gestellt. Das ist der Bosch-Vorschlag", sagte er. Wie man in der Industrie nun weiter verfahre, das sollte diskutiert werden.

"Wir sollten jetzt alles daran setzen, dass nicht eine ganze Technologie in Verruf gerät", mahnte er. Der Diesel sei ein "sauberer" Antrieb und zwingend erforderlich, um die CO2-Grenzwerte zu erreichen. Auch andere Emissionen, wie beispielsweise Stickoxid, seien vergleichbar niedrig wie bei Benzinmotoren - vorausgesetzt die verfügbare Technik werde auch verbaut. Mit Blick auf Feinstaubpartikel sei der Diesel gar eine "Luftreinigungsmaschine", sagte er. Denn durch den Partikelfilter gelangten wesentlich weniger Partikel aus dem Auspuff als vom Motor zuvor mit der Luft angesaugt worden seien.

Umso ärgerlicher ist es für Denner deshalb auch, dass der VW-Skandal um manipulierte Abgaswerte in Diesel-Fahrzeugen diese öffentliche, "undifferenzierte" Diskussion um die Technologie ausgelöst hat. "Mich stört, dass jetzt vom Dieselgate gesprochen wird", es gehe schließlich um das Fehlverhalten eines Unternehmens, sagte er. Noch immer könne man derzeit nicht final abschätzen, wie sich die Diesel-Diskussion auf die Industrie und auf die weltweite Automobilproduktion auswirke. "Wir machen uns alle Sorgen. In Zahlen sieht man das jedoch noch nicht", sagte Denner mit Blick auf das eigene Geschäft.

Auch Bosch selbst war im Zusammenhang mit dem VW-Skandal ins Visier der Justiz geraten, da der Konzern wichtige Teile der Abgassysteme lieferte. So hatte in den USA beispielsweise erst vor kurzem ein Autokäufer gegen Bosch geklagt. In Stuttgart ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Automobilzulieferer. Dass nicht nur gegen Volkswagen, sondern auch gegen Bosch ermittelt wird, sieht Denner offenbar eher als natürliche Folge, denn als echte Bedrohung. Es sei der Autohersteller, der den Überblick über das Komplettsystem des Motors habe. "Aber natürlich untersuchen die Behörden auch die Zulieferer, die beteiligt sind", sagte er.

Denner bekräftigte, dass Bsch in vollem Umfang mit den Behörden kooperiere. Auch intern laufe bei Bosch eine Untersuchung. "Wir werden die Vorgänge gründlich aufklären", sagte er. Dazu habe sich das Unternehmen auch externe Berater ins Haus geholt. Rückstellungen habe der Konzern in diesem Zusammenhang jedoch nicht gebildet, sagte Finanzchef Stefan Asenkerschbaumer. "Die Voraussetzungen dafür sind derzeit nicht gegeben", sagte er.