Laut Bosch-Chef Franz Fehrenbach ist die Situation an den Finanzmärkten in den vergangenen Tagen

Laut Bosch-Chef Franz Fehrenbach ist die Situation an den Finanzmärkten in den vergangenen Tagen "extrem kritisch" geworden, da die Aktienmärkte die Lage in der Realwirtschaft nicht mehr reflektierten (Bild: Bosch).

FRANKFURT (Dow Jones/ks)–Die europäischen Regierungen hätten es bislang nicht geschafft, ein klares Konzept für eine integrierte Europäische Union herauszuarbeiten, bemängelte der Manager des Stuttgarter Traditionskonzerns. Dies habe die Spekulationen an den Finanzmärkten angetrieben.

Die Auftragseingänge und die Fundamentaldaten der Industrieunternehmen seien zwar noch gesund, so der Manager. Die Wirtschaftskrise 2009 habe aber gezeigt, wie schnell sich die Situation verschlimmern könne. Aus heutiger Sicht erwartet Fehrenbach nach Aussage vom Montag zwar eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums, aber keine Rezession – unter der Voraussetzung, dass das Finanzsystem nicht zusammenbricht. Damit reiht sich Fehrenbach, der für seine offenen Worte bekannt ist, in den Reigen der Branchenexperten ein, die zwar eine schwächere Dynamik erwarten aber keine neuerliche Rezession.

Aufgrund der breiten Aufstellung – Bosch stellt zwar vorrangig Zulieferprodukte für die Automobilindustrie her, liefert aber auch Industrie- und Gebäudetechnik sowie Gebrauchsgüter und Dienstleistungen – gilt der Stiftungskonzern als guter Gradmesser für die allgemeine Wirtschaftsentwicklung. In der Rezession 2009 hatte das Unternehmen erstmals seit dem zweiten Weltkrieg einen Verlust geschrieben.

Das Ziel von Bosch für 2011 bekräftigte Fehrenbach: Die Stuttgarter wollen in diesem Jahr erstmals die 50-Mrd-Euro-Marke beim Umsatz knacken. 2010 waren 47,3 Mrd Euro eingenommen worden. An der Wechselkursfront droht Bosch momentan offenbar keine Ungemach: “Solange der Euro zwischen 1,25 und 1,50 Euro/Dollar ist, haben wir keine Probleme”, sagte Fehrenbach.

Beim angedachten Verkauf des Basisbremsengeschäfts sieht Fehrenbach noch in diesem Jahr gute Chancen auf Vollzug. Es gebe genügend Kaufinteressenten, sagte er. Bereits im Frühjahr hatte Bosch die schwächelnde Sparte nach Informationen von Dow Jones Newswires einem größeren Kreis von strategischen und ausgewählten Finanzinvestoren angeboten, nachdem Anfang März Verhandlungen mit dem japanischen Bremsenspezialisten Akebono im Sande verlaufen waren. Die Japaner hatten zuvor bereits das nordamerikanische Basisbremsengeschäft von Bosch übernommen.

Das Geschäft mit der Basisbremse, das Produkte wie Bremssättel sowie Scheiben- und Trommelbremsen umfasst, gilt in Stuttgart als Sorgenkind, da der Markt von großem Wettbewerbs- und Preisdruck gekennzeichnet ist. Vom möglichen Verkauf ausgeschlossen sind dagegen technologisch anspruchsvollere Bereiche wie beispielsweise Lösungen für die Bremskraftverstärkung und ESP- sowie ABS-Systeme.