Zwei neue Erprobungsfahrzeuge auf Basis Tesla Model S dienen den Bosch-Ingenieuren zur weiteren

Zwei neue Erprobungsfahrzeuge auf Basis Tesla Model S dienen den Bosch-Ingenieuren zur weiteren Entwicklung des automatisierten Fahrens. - Bild: Bosch

Mit einem Tesla Model S testet Bosch das autonome Fahren außerhalb der Labors: Einer in Stuttgart, der baugleiche Zwilling im kalifornischen Paolo Alto.

Ausgerüstet mit Messgeräten, Sensoren und Instrumenten sind Erprobungsfahrzeuge normalerweise sofort als solche zu erkennen. Bei den neuen Tesla Model S, die seit kurzem den Bosch-Fuhrpark erweitern, ist das anders. Beide Erprobungsfahrzeuge dienen den Ingenieuren zur weiteren Entwicklung des automatisierten Fahrens. Auf den ersten Blick sind sie aber kaum von den Serienmodellen zu unterscheiden.

“Bosch entwickelt das automatisierte Fahren für den Serieneinsatz in allen Autos”, sagt Bosch-Geschäftsführer Dr. Dirk Hoheisel. Die neuen Erprobungsfahrzeuge zeigen, welche Fortschritte Bosch bei der Integration der benötigten Systeme und Komponenten bereits gemacht hat.

Nach 1.400 Arbeitsstunden fit fürs hochautomatisierte Fahren

Damit die Erprobungsfahrzeuge das Steuer übernehmen können, war ein Umbau erforderlich. In jedes Auto sind 50 neue Bosch-Komponenten eingebaut worden. Dazu gehört unter anderem die Stereo-Videokamera (SVC), mit der die Fahrzeuge zum Beispiel Fahrspuren, Verkehrszeichen aber auch Freiflächen erkennen können. Die SVC von Bosch ist das derzeit kleinste Stereokamerasystem für automobile Anwendungen am Markt. Dank ihrer kompakten Bauweise lässt sie sich leicht in Fahrzeuge integrieren.

Zudem sind 1.300 Meter Kabel neu verlegt und mit 400 Kabelbindern befestigt worden. “Nach jeweils 1.400 Arbeitsstunden sind die Erprobungsfahrzeuge fit fürs hochautomatisierte Fahren”, sagt Hoheisel. Mit der Bosch-Technik können beide Tesla nun selbstständig von Autobahnauffahrt bis -abfahrt fahren, ohne dass der Fahrer sie ständig überwachen muss.

Sicherheit an erster Stelle

Die Übergabe der Verantwortung vom Fahrer ans Fahrzeug erklärt den Umbauaufwand. Hochautomatisiert fahrende Autos müssen nämlich auch beim Ausfall einer Komponente jederzeit sicher funktionieren. Das lässt sich nur durch die redundante Auslegung sicherheitsrelevanter Systeme wie Bremse und Lenkung erreichen.

Beide Erprobungsfahrzeuge verfügen beispielsweise sowohl über den elektromechanischen Bremskraftverstärker iBooster als auch das Bremsregelsystem ESP. Die Bosch-Komponenten können ein Auto unabhängig voneinander abbremsen, ohne dass der Fahrer eingreifen muss. “Sicherheit steht für Bosch an erster Stelle”, sagt Hoheisel. Auch die Stromversorgung und wichtige Steuergeräte sind in beiden Erprobungsfahrzeugen doppelt ausgelegt.

Zwei Trends der Automobilindustrie: Elektrifizierung und die Automatisierung

Bosch arbeitet seit 2011 mit zwei Teams auf zwei Kontinenten am automatisierten Fahren. In Abstatt bei Heilbronn kümmern sich die Entwickler um die Systemintegration. Ihre Kollegen in Palo Alto im Silicon Valley treiben die Funktionsentwicklung voran. Unterstützung erhalten beide Teams von weltweit rund 2.000 Bosch-Entwicklern aus dem Bereich der Fahrerassistenz.

Um die Entwicklungsergebnisse des einen Teams möglichst einfach auf das andere Team übertragen zu können, verwendet Bosch identische Erprobungsfahrzeuge. Dass die Wahl dabei auf zwei rein elektrisch angetriebene Model S des US-Herstellers Tesla gefallen ist, erklärt Hoheisel so: “Wir bringen hier zwei Trends der Automobilindustrie zusammen: die Elektrifizierung und die Automatisierung.” Das stelle eine besondere Herausforderung dar und mache einen besonderen Reiz aus.

Mehrere tausend Kilometer absolviert

Bereits seit Anfang 2013 testet Bosch das automatisierte Fahren im öffentlichen Straßenverkehr. Bislang kamen dafür zwei Erprobungsfahrzeuge auf Basis BMW 325d Touring zum Einsatz, mit denen die Ingenieure problemlos mehrere tausend Testkilometer auf der Autobahn A81 im Raum Stuttgart und der US-Interstate I280 im Bundesstaat Kalifornien absolviert haben.

Karoline Kopp