Brexit

Großbritannien ade: Rund 52 Prozent der Briten haben für einen Austritt des Landes aus der Europäischen Union gestimmt. - Bild: EU

Die Briten haben sich gegen die EU ausgesprochen und damit das Plädoyer der größten Konzerne des Landes, die Brüssel unbedingt die Stange halten wollten, in den Wind geschlagen.

Die meisten in Großbritannien beheimateten Großfirmen sowie viele Konzerne in Europa und selbst den USA sowie Asien hatten vor einem Brexit gewarnt. Er würde für Unsicherheit sorgen und die Gewinne sowie die Arbeitsplätze gefährden. Das Land müsse womöglich Handelsabkommen Land für Land neu aushandeln, um die derzeit geltenden Export- und Importzölle beibehalten zu können.

Der freie Fluss von Arbeitskräften über den Ärmelkanal könne abebben. Sofern der EU-Ausstieg langfristige Marktturbulenzen auslöst, könnten das Wirtschaftswachstum und zugleich die Unternehmensgewinne auf Jahre hinaus Schaden nehmen.

Britische Kleinunternehmen hatten vielfach für einen Brexit geworben

Trotzdem hatten viele Kleinunternehmer auf einen Brexit gedrungen. Die britische Wirtschaft laufe demnach besser, wenn sie nicht von den Brüsseler Regulierungen gedrosselt würde.

Teeladen-Besitzerin Rachel Meadows aus Sunderland, wo die EU-Gegner in der Überzahl waren, stimmte für einen Austritt aus der Gemeinschaft. Freunde, die gleich in der Nachbarschaft in einer Nissan-Fabrik ihrer Arbeit nachgingen, fürchteten sich jedoch vor dem Verlust ihrer Jobs nach einem Brexit. "Sie glauben, dass es furchtbar wird."

Vor dem Referendum hatten Manager angekündigt, schon früh am Morgen die Ergebnisse anzuschauen, die Marktreaktion zu beobachten und ihre Kunden sowie Mitarbeiter zu beruhigen. Der Chef von Havas Media, Paul Frampton, wollte um 5 Uhr auf den Beinen sein, um die Ergebnisse zu betrachten. Er plante, so schnell wie möglich nach London zu fliegen, um mit Kunden und Mitarbeitern zu sprechen. "Die Ungewissheit ist das größte Thema und es ist wichtig, Sicherheit auszustrahlen."

Pfund-Abwertung sofort spürbar

Der Abnabelungsprozess von der EU wird bis zu zwei Jahren dauern. Doch nahezu sofort dürften die Firmenmanager von Marktbewegungen erfasst werden, die außerhalb ihrer Kontrolle liegen.

Die starke Pfund-Abwertung wird die verschiedenen Unternehmen auf jeweils ganz unterschiedliche Art und Weise treffen. Britische Exporteure könnten dank Preisvorteilen auf der Gewinnerseite stehen. Doch wenn sie Vorprodukte von außerhalb der Insel importieren müssen, dürften diese Waren teurer werden. Britische Firmen, die sich etwa in US-Dollar verschuldet haben, könnten mit dem Schuldendienst Probleme bekommen, warnte die Ratingagentur Fitch zuletzt.

Europäische Fluggesellschaften dürften mit am stärksten leiden. Die nach den Passagierzahlen größte Airline Europas, Ryanair, verdient den Großteil ihres Umsatzes in Pfund und Euro. Die Ausgaben für Flugzeugkäufe und das Leasing fallen dagegen meist in Dollar an.

Für die kommenden zwei Jahre hat Ryanair sein Währungsrisiko nach eigenen Angaben ausgeschaltet. Der Brexit werde sich auf den Konzernbetrieb nur begrenzt auswirken, betonte CEO Michael O'Leary. Er ist felsenfest im EU-Lager verortet. "Wir werden nach einem Brexit wohl weniger in Großbritannien investieren", hatte er aber bereits vorher angekündigt.